Bachelorarbeit, 2012
36 Seiten, Note: 2.0
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Die richtige Übersetzung und die Stellung der Kirche
2.1.1. Das „ὑπὲρ πολλῶν“
2.1.2. Die Konsekrationsworte verändern sich – „Das Schicksalsjahr 1968“
2.2. Jesu Leben für die Menschen und die Bedeutung für die Gesellschaft
2.2.1. Der Begriff der ‚Stellvertretung‘
2.2.1.1. Die Stellvertretung Jesu Christi im Allgemeinen
2.2.1.2. Exkludierende oder inkludierende Stellvertretung?
2.2.2. Die Proexistenz Jesu Christi
2.2.3. Das Opfer Jesu Christi und seine Bedeutung in der heutigen Gesellschaft
3. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die theologische und exegetische Diskussion um die Wandlungsworte in der Eucharistiefeier, insbesondere die Diskrepanz zwischen der Übersetzung „für viele“ und „für alle“. Ziel ist es, durch eine Analyse der biblischen Grundlagen, der kirchengeschichtlichen Entwicklung sowie der Konzepte der Stellvertretung und Proexistenz ein besseres Verständnis für die Heilsbedeutung des Kreuzestodes Jesu Christi zu entwickeln.
2.1.1. Das „ὑπὲρ πολλῶν“
Bei der Betrachtung des Abendmahlgeschehens in den ‚Originaltexten‘ der Evangelien im Vergleich zur Einheitsübersetzung fällt der Blick auf die Aussage Jesu ‚ὑπὲρ πολλῶν‘. Dies ist die griechische ‚Ausgangsformel‘, direkt aus der hebräischen Bibel übersetzt, die dann in der Vulgata mit ‚pro multis‘ und letztendlich im Deutschen mit ‚das für viele vergossen wird‘ übersetzt wurde. Die Konsekrationsworte in der heutige Eucharistiefeier unterscheiden sich jedoch von der deutschen Übersetzung: „[…]für euch und für alle[…]“. Die wörtliche Übersetzung lautet zunächst einmal eindeutig ‚für viele‘. Was ist jedoch damit gemeint? Keineswegs kann davon ausgegangen werden, dass ‚für viele‘ eine vollkommen eindeutige Interpretation nach sich zieht. Für die Diskussion von Interesse ist hierbei die Frage nach dem Sinn der Worte: ist dieser inklusiv oder exklusiv, das bedeutet, kann man von den Vielen als ‚viele, aber nicht alle‘ oder aber tatsächlich als ‚alle‘ sprechen? Ebenso, wie die sinngetreuen Hebräischen Worte als „die nicht zu zählenden Vielen, die große Schar, alle“, schließt auch im Griechischen, sowie in jeder anderen Sprache, das ‚viele‘ das ‚alle‘ nicht aus, die Gesamtheit setzt sich aus vielen zusammen. Dies spricht somit gegen keine der beiden Seiten, weder ein ‚für viele‘ hingegeben, noch ein ‚für alle‘ vergossen.
Betrachten wir die relevanten hebräischen Worte des Alten Testamentes und deren Bedeutung einmal genauer, vor allem im Vergleich zu unserer Sprache. Die verschiedenen Übersetzungen lauten wie folgt: ‚רבים ’wird mit ‚πολλοί‘ und schließlich mit ‚viele‘ übersetzt, ‚הרבים ’lautet im Griechischen ‚οἳ πολλοί‘ und im Deutschen dann ‚die Vielen‘ und ‚כל ’letztlich findet man mit ‚πάντοι‘ übersetzt in der Septuaginta und mit ‚alle‘ in unserem Sprachgebrauch. Der semitische Sprachgebrauch im Alten Testament, also das ‚רבים’, kann ebenso wie das griechische ‚πολλοί‘ oder das deutsche ‚viele‘ einen abwertenden Beigeschmack haben – „Ihr seid eine große Schar“ (im Hebräischen steht an der gleichen Stelle ‚הרבים אתם כי’) zeigt zum Beispiel, dass der Redner zwar eine große Schar, also ‚πολλοί‘, anspricht, sich selbst jedoch auszunehmen scheint – jedoch verhilft der semitische Sprachgebrauch zu einer Betonung der positiven Bedeutung.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Wandlungsworte ein und skizziert die Spannung zwischen der biblischen Formulierung „für viele“ und der liturgischen Praxis „für alle“.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die sprachwissenschaftlichen Hintergründe der Wandlungsworte, die kirchengeschichtliche Veränderung der Liturgie sowie die theologischen Kernkonzepte der Stellvertretung und Proexistenz Jesu Christi.
3. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass beide Übersetzungsansätze exegetisch legitimierbar sind und dass eine Lösung eher in der Betrachtung des universalen Heilswillens Gottes bei gleichzeitiger Achtung der menschlichen Freiheit liegt.
Eucharistie, Wandlungsworte, für viele, für alle, Stellvertretung, Proexistenz, Kreuzestod, Heilsbedeutung, Liturgie, Exegese, Erlösung, Bibel, Sündenvergebung, Jesus Christus, Theologie
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theologischen und linguistischen Diskussion um die Wandlungsworte während der Eucharistiefeier, konkret mit der Frage, ob die Formulierung „für viele“ oder „für alle“ theologisch korrekter ist.
Zentrale Themen sind die philologische Untersuchung der biblischen Quelltexte, die historische Entwicklung der liturgischen Formeln der katholischen Kirche sowie die Deutung des Opfertodes Jesu durch die Begriffe Stellvertretung und Proexistenz.
Das primäre Ziel ist es, die exegetischen und theologischen Argumente für beide Übersetzungsweisen zu beleuchten und zu hinterfragen, ob eine eindeutige Entscheidung möglich oder sinnvoll ist.
Es handelt sich um eine theologisch-hermeneutische Arbeit, die auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung exegetischer Studien und kirchenamtlicher Dokumente basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine sprachliche Untersuchung der Quelltexte, eine Darstellung der liturgischen Änderungen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (insbesondere 1968) und eine tiefgehende Analyse der Konzepte Stellvertretung und Proexistenz.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Eucharistie, Erlösung, Stellvertretung, Proexistenz, Liturgie und die zentrale Frage nach der Adressaten der Hingabe Jesu.
Proexistenz beschreibt, dass das Leben und Handeln Jesu ganz auf andere ausgerichtet war; die Arbeit untersucht, ob dieser Fokus eher für eine exklusive Gruppe („viele“) oder für die gesamte Menschheit („alle“) spricht.
Die Arbeit bezieht sich auf Studien, die zeigen, dass Jugendliche den Kreuzestod als Symbol für Versöhnung und Vorbildfunktion sehen, wobei die Heilsbedeutung stark von der eigenen religiösen Identifikation abhängt.
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