Magisterarbeit, 2011
113 Seiten, Note: 1,1
1. EINLEITUNG
1.1 FRAGESTELLUNG
1.2 METHODIK
1.3 FORSCHUNGSSTAND
1.4 THESE UND AUFBAU DER ARBEIT
2. HISTORISCHE GENESE VON SHAREHOLDER VALUE IN DEN USA
3. DIE SHAREHOLDER VALUE DEBATTE 1989 BIS 2009 IN CAPITAL, MANAGER MAGAZIN UND WIRTSCHAFTSWOCHE
3.1 VERWENDUNG DES BEGRIFFS SHAREHOLDER VALUE AUS QUANTITATIVER PERSPEKTIVE
3.2 1989 BIS 1995: DER WUNSCH NACH VERÄNDERUNG
3.2.1 Revolution I: Shareholder Value erschüttert die „Festung Deutschland“
3.2.2 Reform I: Zwölf Uhr Mittags – Vorbild USA, Globalisierungsdruck und Deutschlands „unkapitalistische Irrwege“
3.2.3 Integration I: Konvergenz der Systeme? Die Debatte um Sinn und Zweck der Firma aus Sicht des Managements
3.3 1996 BIS 2000: SHAREHOLDER VALUE ALS POLITIKUM UND KOMMUNIKATIONSPROBLEM
3.3.1 Exkurs: Das „neue deutsche Wirtschaftswunder“
3.3.2 Revolution II: Shareholder Value wälzt ganz Deutschland um
3.3.2.1 Brüder, auf in die Frankfurter Republik! Die erhoffte Shareholdergesellschaft
3.3.2.2 Uncle Sam kommt – Bedeutungszunahme internationaler Investoren
3.3.3 Reform II: Ade Modell Deutschland?
3.3.4 Integration II: Shareholder Value als Verständigungsherausforderung
3.3.4.1 Sell, sell, sell! Manager und die gewachsene Bedeutung ihrer Außendarstellung
3.3.4.2 Unwort, Rätsel, Modewort, Notwendigkeit, Missverständnis: Spektrum des öffentlichen Umgangs der Manager mit Shareholder Value
3.4 2001-2009: HISTORISIERUNG DES BEGRIFFS
3.4.1 Revolution III: Moralische Neuorientierung
3.4.1.1 (Zusammen-)Bruch – Das Ende der Visionen
3.4.1.2 Neue Mode: Ethik als Komponente der Unternehmensstrategie
3.4.2 Reform III: Abkehr von Amerika und Hinwendung zu den eigenen Wurzeln
3.4.3 Integration III: Perversion einer Idee – Echter und falscher Shareholder Value
3.5 SHAREHOLDER VALUE UND DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFTSORDNUNG: DIE DREI ARGUMENTATIONSMOTIVE REVOLUTION, REFORM UND INTEGRATION
4. FAZIT
4.1 DISKUSSION DER THESE
4.2 AUSBLICK
Ziel der Arbeit ist es, die Konzeptionen der deutschen Wirtschaftselite bezüglich der eigenen Wirtschaftsordnung im Zeitraum von 1989 bis 2009 zu erforschen. Dabei wird analysiert, wie in Reaktion auf den Einfluss internationaler Finanzmärkte neue Sinnentwürfe und Argumentationsmuster entstanden sind, anstatt lediglich externe Ordnungsvorstellungen zu übernehmen.
3.2.1 Revolution I: Shareholder Value erschüttert die „Festung Deutschland“
Zunächst soll die Perspektive der Wirtschaftsjournalisten dargelegt werden. 1989 taucht der Begriff Shareholder Value erstmals in der deutschen Wirtschaftspresse auf. Das manager magazin berichtete 1989 unter der Rubrik „Köpfe“ über den Frankfurter Wirtschaftsanwalt Nicolaus-Jürgen Weickart und dessen Rolle beim ersten feindlichen Übernahmeversuch in Deutschland, ausgeführt gegenüber dem Traditionsunternehmen Feldmühle Nobel AG (Manager Magazin 1989.12.154, S. 154ff). Der Artikel steht paradigmatisch für den Umgang der Wirtschaftsjournalisten in den Anfangsjahren mit dem Shareholder Value Konzept. Auf der einen Seite präsentieren sie Shareholder Value als eine von Amerika kommende finanzmathematische Theorie, die den Aktionären die Unterbewertung einer Firma und damit die schlechte Leistung des Managements vor Augen halte: „Die New Yorker Investmentbanker trauten dem "schwächlichen Management" (Weickart) um Heribert Blaschke offenbar nicht zu, auf absehbare Zeit einen angemessenen "shareholder value" zu schaffen.“ (Manager Magazin 1989.12.154, S. 154ff).
Auf der anderen Seite ist die Metaphorik um den Begriff Shareholder Value aufschlussreich. So fungiert „Nicolaus-Jürgen Weickart – Anwalt der Aggressoren“, wie der Artikel übertitelt ist, als Held, der gegen ein verkrustetes System kämpft. Das manager magazin vermittelte das Bild eines aggressiven Helden, der kühn und rücksichtslos für sein Anliegen kämpfend vor niemandem zurückschreckt. Gegner sind die alteingesessenen Mächte aus Banken und Industrievorständen, die sich hinter ihren gewohnheitsrechtlichen Machtstrukturen verstecken würden. So lautet der erste Absatz: „Er gilt als einfallsreich, bisweilen tricky. Und er ist zäh wie Elefantenhaut. Unerbittlich verfolgt er sein Ziel, Deutschland für "unfriendly takeovers" sturmreif zu schießen, die unselige Allianz aus mächtigen Großbanken und risikoscheuen Industrievorständen zu sprengen. Von diesem kühnen Vorhaben können den Rechtsanwalt Nicolaus-Jürgen Weickart (44) auch schmerzliche Niederlagen nicht abbringen.“ (Manager Magazin 1989.12.154, S. 154ff).
1. EINLEITUNG: Einführung in die Fragestellung zur Rolle des Shareholder Value in der deutschen Wirtschaftsentwicklung zwischen 1989 und 2009.
2. HISTORISCHE GENESE VON SHAREHOLDER VALUE IN DEN USA: Darstellung der US-amerikanischen Wurzeln des Konzepts sowie der theoretischen und wirtschaftlichen Kontextfaktoren.
3. DIE SHAREHOLDER VALUE DEBATTE 1989 BIS 2009 IN CAPITAL, MANAGER MAGAZIN UND WIRTSCHAFTSWOCHE: Analyse des Diskurses in drei Perioden, unterteilt in die Motive Revolution, Reform und Integration.
4. FAZIT: Zusammenfassende Diskussion der These, dass die Wirtschaftselite neue Sinnentwürfe in Reaktion auf den internationalen Druck schuf.
Shareholder Value, Deutschland AG, Kapitalmarkt, Finanzmärkte, Unternehmensführung, Corporate Governance, Wirtschaftselite, Globalisierung, Kapitalismuskritik, Wirtschaftsgeschichte, Aktionärsdemokratie, Stakeholder Value, Unternehmensethik, Wirtschaftsordnung.
Die Magisterarbeit untersucht, wie sich das Verständnis der deutschen Wirtschaftselite von der eigenen Wirtschaftsordnung in der Zeit zwischen 1989 und 2009 durch die Debatte um das Konzept des "Shareholder Value" wandelte.
Die zentralen Themen sind der Einfluss internationaler Finanzmärkte auf Deutschland, der Wandel der Unternehmensfinanzierung, die Rolle der Aktie in der Gesellschaft sowie der Diskurs in den führenden deutschen Wirtschaftsmagazinen.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die Wirtschaftselite auf den internationalen Druck nicht bloß mit der Übernahme ausländischer Modelle reagierte, sondern aktiv neue Sinnentwürfe und Argumentationsmuster zur Wirtschaftsordnung entwickelte.
Es handelt sich um eine qualitative Inhaltsanalyse von Artikeln aus den Wirtschaftsmagazinen "Capital", "manager magazin" und "WirtschaftsWoche" im Zeitraum von 1989 bis 2009.
Der Hauptteil analysiert chronologisch die Debatte über das Shareholder-Value-Konzept, unterteilt in drei Perioden: 1989-1995 (Wunsch nach Veränderung), 1996-2000 (Politikum und Kommunikationsproblem) sowie 2001-2009 (Historisierung des Begriffs).
Wichtige Begriffe sind Shareholder Value, Deutschland AG, Corporate Governance, Kapitalmarkt und Wirtschaftskultur.
Die Bewertung wandelte sich: Zunächst wurde Shareholder Value oft als notwendige, revolutionäre Reformkraft wahrgenommen, um verkrustete deutsche Strukturen aufzubrechen. Nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes überwog eine kritischere, teils moralische Betrachtung.
Die Wirtschaftsmagazine fungierten als Sprachrohr der Wirtschaftselite und als Produzenten von Deutungsmustern, indem sie den Begriff Shareholder Value mit politischen Visionen aufluden oder ihn später als Symbol einer "abwegigen" Epoche historisierten.
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