Magisterarbeit, 2012
116 Seiten
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
1. Thematische Einführung
1.1 Zielsetzung und zentrale Fragestellung
1.2 Forschungsstand, Quellen, Methodik
2. Vorgeschichte
2.1 Die Volksschule im Kaiserreich
2.2 Das Schulsystem in der Weimarer Republik
3. Leitgedanken nationalsozialistischer Ideologie
4. Erziehungstheorien im Nationalsozialismus
4.1 Hitlers Ideale
4.2 Ernst Krieck
4.3 Alfred Baeumler
4.4 Vergleichende Zusammenfassung
5. Machtergreifung und Zugriff auf die Volksschule
5.1 Veränderungen des Schulsystems
5.2 Lehrerbildung
5.3 Richtlinien, Lehr- und Stundenpläne 1933–1937
5.4 Die Reichsrichtlinien für die unteren vier Jahrgänge der Volksschule
Exkurs: Herrschaftsstruktur im NS – eine Debatte
6. Fibeln im Dritten Reich
6.1 Funktionen und Merkmale
6.2 Fibelbearbeitung ab 1933
6.3 Merkmale der untersuchten Fibeln
7. Fibelanalyse
7.1 Hermeneutik
7.2 Das Führerbild
7.2.1 Motive des Führerbildes in der NS-Propaganda
7.2.2 Die Vermittlung des Führerbildes
7.2.3 Zusammenfassung
7.3 Das Führungsprinzip
7.3.1 Die Vermittlung des Führungsprinzips
7.3.2 Zusammenfassung
7.4 Die Volksgemeinschaft
7.4.1 Die Vermittlung der Volksgemeinschaft
7.4.2 Zusammenfassung
7.5 Die Rassenideologie
7.5.1 Die Vermittlung der Rassenideologie
7.5.2 Zusammenfassung
7.6 Lebensraumideologie
8. Schlussbetrachtung
8.1 Ergebnisse
8.2 Wiederbeginn
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand von 16 nationalsozialistischen Fibeln, inwieweit ideologische Leitgedanken des Regimes in den Grundschulunterricht integriert wurden und ob diese Lehrmittel als Medium zur systematischen Indoktrination dienen konnten. Dabei wird analysiert, ob politisch-ideologische Absichten und spezifische Manipulationstechniken in den Lesebüchern nachweisbar sind.
Die Vermittlung des Führerbildes
Zunächst wurde das gesamte Sample auf Hitlerdarstellungen in Text und Bild untersucht. Dabei zeigt sich, dass Hitler in den Jahren 1934 bis 1943 in jeder Fibel thematisiert wird. Einige Texte entfalten überdies eine sehr eindringliche Wirkung. Mit Hilfe von Suggestivfragen sollen Wünsche geweckt werden; die häufige Beschreibung von Gruppendynamik entwickelt eine Sogwirkung und ein Gefühl des Dazugehören-Wollens seitens des Rezipienten. Die recht facettenreiche Darstellung Hitlers lässt sich jedoch nicht in jeder Fibel finden.
Folgende qualitative Charakteristika des Führerbildes finden sich in den untersuchten Fibeln: Hitler wird in mehreren Fibeln als Freund der Kinder dargestellt. Auf den Illustrationen beugt er sich zu den Kindern hinunter, berührt sie und nimmt Blumen entgegen. Dieses Motiv tritt wiederholt auf und wird nach relativ simpler Darstellung in den ersten Fibeln 1934 zunehmend verfeinert, mit einem Hintergrund versehen und schließlich 1938 als Fotografie eingebunden. Den Kindern wird hierbei Nähe und persönlicher Kontakt zu Hitler demonstriert. Dieses freundschaftliche Verhalten soll darüber hinaus Interesse und einen bestimmten Intimitätsgrad zwischen den Personen zeigen.
Sozialpsychologische Untersuchungen bestätigen, dass unterschiedliche Distanzen im Sozialkontakt auf verschieden ausgeprägte Beziehungen schließen lassen. In den Darstellungen (Abb. 1) fällt der sogenannte Personalraum zwischen Hitler und den Kindern in den Bereich der Intimdistanz. In einem Abstand von 0 bis 45 cm kommt es zu zärtlichem oder aggressivem Körperkontakt. Hitlers Blickkontakt und die direkte Orientierung auf die Kinder sind weitere positive Signale einer freundlichen Begegnung.
1. Thematische Einführung: Einführung in die Fragestellung nach der Ideologisierung des Schulwesens unter Berücksichtigung des Forschungsstandes.
2. Vorgeschichte: Historischer Rückblick auf das Volksschulwesen im Kaiserreich und die Reformen der Weimarer Republik.
3. Leitgedanken nationalsozialistischer Ideologie: Darstellung der Kernpunkte der NS-Ideologie, insbesondere Rassenlehre, Volksgemeinschaft und Lebensraum.
4. Erziehungstheorien im Nationalsozialismus: Analyse der erziehungstheoretischen Ansätze von Hitler, Krieck und Baeumler im Kontext des Regimes.
5. Machtergreifung und Zugriff auf die Volksschule: Untersuchung der institutionellen Veränderungen und der Gleichschaltung von Lehrerschaft und Schulalltag.
6. Fibeln im Dritten Reich: Überblick über Funktion, Merkmale und Bearbeitungsprozess der Fibeln ab 1933 sowie Vorstellung des untersuchten Samples.
7. Fibelanalyse: Detaillierte hermeneutische Auswertung der Fibeln hinsichtlich Führerbild, Führungsprinzip, Volksgemeinschaft und Rassenideologie.
8. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und kritische Reflexion der Indoktrinationswirksamkeit.
Nationalsozialismus, Volksschule, Fibelanalyse, NS-Ideologie, Indoktrination, Führerbild, Volksgemeinschaft, Rassenideologie, Erziehungswissenschaft, Schulbuchforschung, Drittes Reich, Hermeneutik, Lehrerbildung, Gleichschaltung, Pädagogik
Die Arbeit untersucht die Ideologisierung des Deutschunterrichts in der Volksschulunterstufe im Dritten Reich mittels einer qualitativen Analyse von 16 Fibeln.
Im Mittelpunkt stehen die pädagogischen Konzepte des Nationalsozialismus sowie deren Umsetzung in den Lesebüchern, insbesondere in Bezug auf das Führerbild, die Volksgemeinschaft und die Rassenlehre.
Die Forschungsfrage lautet, inwiefern die untersuchten Fibeln als Medien der totalen Ideologisierung und Indoktrination dienten und ob sich ein einheitliches Propagandabild nachweisen lässt.
Der Autor nutzt die hermeneutische Methode zur Analyse von Texten und Illustrationen in Verbindung mit einem interdisziplinären Ansatz aus Erziehungswissenschaft, Geschichte und Sozialpsychologie.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der NS-Erziehungstheorien (Krieck, Baeumler), die institutionellen Eingriffe in das Schulwesen und die konkrete Fibelanalyse anhand inhaltlicher Kategorien.
Wichtige Begriffe sind NS-Ideologie, Indoktrination, Fibeln, Volksschule, Führer-Mythos und Volksgemeinschaft.
Überraschenderweise lässt sich im untersuchten Quellenmaterial kein explizites antisemitisches Feindbild nachweisen; Begriffe wie "Jude" tauchen in den Fibeln nicht auf.
Das Führerbild in den Fibeln ist uneinheitlich und facettenreich; Hitler wird mal als gütiger Kinderfreund, mal als strenger Feldherr dargestellt, um emotional an die Kinder zu appellieren.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass keine systematische und vollständige Indoktrination durch die Fibeln stattfand, sondern eine eher partielle und uneinheitliche Umsetzung der Ideologie erfolgte.
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