Bachelorarbeit, 2012
42 Seiten, Note: 1,0
I. Einleitung
II. Rekonstruktion der Entstehung des Übels
II. a) Der Naturzustand: Stadium der ursprünglichen Güte
II. b) Die Möglichkeit zur Transzendenz des Naturzustandes
II. c) Der Gesellschaftszustand: Stadium der Selbstentfremdung
II. d) Die Ambivalenz des Fortschritts
III. Ansätze zur Lösung des gesellschaftlichen Widerspruchs: Mensch und Bürger
III. a) Der Bürger im Staat der Tugend
III. b) Der humane Mensch in der entarteten Gesellschaft
IV. Kritischer Rückblick
Die Arbeit untersucht den von Jean-Jacques Rousseau beschriebenen Widerspruch zwischen der natürlichen Existenz des Menschen und seiner gesellschaftlichen Rolle. Ziel ist es, Rousseaus Konzepte von Mensch (homme) und Bürger (citoyen) als Lösungsansätze für die menschliche Selbstentfremdung zu analysieren und deren praktische Umsetzbarkeit zu prüfen.
II. a) Der Naturzustand: Stadium der ursprünglichen Güte
Um seine Theorie über die ursprüngliche Güte untermauern zu können, rekonstruiert Rousseau das Ausgangsstadium der Menschheitsgeschichte: den ungeselligen Naturzustand. Er beschreibt letzteren als einen Zustand, in dem der Mensch in einer glücklichen Einheit mit sich und der Natur lebt. Der Mensch dieses Stadiums kennt keine anderen Bedürfnisse als die, die seiner Selbsterhaltung dienen: Schlaf, Nahrung und Fortpflanzung (vgl. Bruppacher 1972, S. 45). Alles was über diese physischen Bedürfnisse hinausgeht, kann er nicht begehren, da er es sich nicht vergegenwärtigen kann, denn dazu fehlt ihm die dafür notwendige Vorstellungskraft. Er weiß ausschließlich über die Dinge Bescheid, die ihn unmittelbar umgeben. Rousseau drückt diesen Gedanken folgendermaßen aus: „Seine Seele, die durch nichts in Unruhe versetzt wird, überläßt sich dem Gefühl ihrer gegenwärtigen Existenz“ (Rousseau 1984, [1755], S. 111). Da er seine Bedarfe selbst befriedigen kann, unterliegt er folglich nicht der Willkür anderer Individuen. Daraus kann man nach Rousseau ersehen, dass der Mensch von Natur aus keinen Drang nach sozialen Kontakten verspürt.
I. Einleitung: Die Einleitung bettet Rousseau in den historischen Kontext der Aufklärung ein und erläutert die Grundproblematik der Zivilisationskritik sowie die Zielsetzung der Arbeit.
II. Rekonstruktion der Entstehung des Übels: Dieses Kapitel analysiert den Übergang vom glücklichen Naturzustand zum entfremdeten Gesellschaftszustand und die dabei auftretende moralische Degeneration.
II. a) Der Naturzustand: Stadium der ursprünglichen Güte: Rousseau beschreibt hier den autarken, vorreflexiven Naturmenschen, dessen Handeln ausschließlich durch Selbstliebe und Mitleid geleitet wird.
II. b) Die Möglichkeit zur Transzendenz des Naturzustandes: Es wird untersucht, welche anthropologischen Anlagen den Menschen befähigen, aus dem statischen Naturzustand in einen sozialen Prozess einzutreten.
II. c) Der Gesellschaftszustand: Stadium der Selbstentfremdung: Das Kapitel erläutert, wie durch den sozialen Vergleich die Selbstliebe in Eigenliebe umschlägt und den Menschen in einen Zustand der Abhängigkeit und Entfremdung führt.
II. d) Die Ambivalenz des Fortschritts: Hier wird die Paradoxie beleuchtet, dass gesellschaftlicher Fortschritt einerseits moralische Degeneration bedingt, andererseits aber die Grundlage für die Entwicklung moralischer Tugend schafft.
III. Ansätze zur Lösung des gesellschaftlichen Widerspruchs: Mensch und Bürger: Dieses Kapitel fungiert als Übergang zur Darstellung der Lösungsmodelle für den zuvor beschriebenen Widerspruch.
III. a) Der Bürger im Staat der Tugend: Die Analyse von Rousseaus Gesellschaftsvertrag zeigt auf, wie durch kollektive Identifikation im Staat ein Bürgerbild entsteht, das Autarkie innerhalb der Gemeinschaft ermöglichen soll.
III. b) Der humane Mensch in der entarteten Gesellschaft: Dieses Kapitel widmet sich dem Erziehungsmodell des „Emil“, das den Menschen durch negative Erziehung vor gesellschaftlicher Entfremdung schützen und zu innerer Freiheit führen soll.
IV. Kritischer Rückblick: Das abschließende Kapitel reflektiert die Utopie der Rousseau’schen Modelle und hinterfragt deren reale Bedeutung für den modernen Menschen.
Jean-Jacques Rousseau, Naturzustand, Gesellschaftszustand, Mensch, Bürger, citoyen, Selbstentfremdung, Eigenliebe, amour propre, Selbstliebe, amour de soi, Gesellschaftsvertrag, natürliche Erziehung, Gemeinwohl, volonté générale, Tugend
Die Arbeit befasst sich mit der Zivilisationskritik von Jean-Jacques Rousseau und seinem Bestreben, den Konflikt zwischen natürlicher menschlicher Existenz und den Anforderungen der Gesellschaft aufzulösen.
Zentrale Themen sind die Rekonstruktion des Naturzustandes, die Entstehung gesellschaftlicher Entfremdung, die politischen Ansätze im „Gesellschaftsvertrag“ sowie das pädagogische Konzept der natürlichen Erziehung.
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, ob und wie Rousseau den Widerspruch zwischen Mensch und Bürger theoretisch überwinden wollte und inwieweit diese Modelle als alternative Lebensentwürfe Bestand haben.
Die Arbeit nutzt eine philosophisch-pädagogische Analyse von Rousseaus Hauptwerken, insbesondere „Diskurs über die Ungleichheit“, „Der Gesellschaftsvertrag“ und „Emil oder über die Erziehung“.
Der Hauptteil gliedert sich in die Rekonstruktion der Entstehung des Übels durch gesellschaftlichen Fortschritt und die detaillierte Darstellung der Lösungswege über den Bürgerstaat und die individuelle natürliche Erziehung.
Wichtige Begriffe sind Selbstentfremdung, amour propre, Gemeinwohl, natürliche Freiheit, Tugendhaftigkeit und der Übergang von der natürlichen zur sittlichen Identität.
Der „Mensch“ im Sinne des „Emil“ ist ein Individuum, das seine Autarkie bewahrt, während der „Bürger“ (citoyen) ein Wesen ist, das in einem politischen Gemeinschaftskörper seine individuelle Identität zugunsten des Gemeinwohls aufgibt.
Der Vertrag soll den ungleichen, auf Unterwerfung basierenden Zustand der modernen Gesellschaft beenden und eine Ordnung schaffen, in der der Einzelne dem Gesetz gehorcht, während er gleichzeitig frei bleibt, da er sich dieses Gesetz selbst gegeben hat.
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