Diplomarbeit, 2011
74 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Religiöse Indifferenz als Herausforderung
2.1. Die gegenwärtige Situation am Beispiel der neuen Bundesländer
2.2. Ein Blick auf weitere Länder Europas
2.3. Die Herausforderung für die Kirche
3. Begriffsbestimmung
3.1. Religiöse Indifferenz
3.2. Religion
4. Eine mögliche Antwort – Der Stellvertretungsgedanke im Sinne der „vicarious religion“
4.1. Grace Davie und ihr Gedanke der „vicarious religion“
4.1.1. Bedeutung von „vicarious religion“ bei Davie
4.1.2. Kritische Reflexion
4.2. Verschiedene Gestalten des Stellvertretungsgedankens
4.2.1. Stellvertretung in der Bibel – eine Auswahl
4.2.2. Der Stellvertretungsgedanke in der theologischen Reflexion – einige Ansätze
4.3. Beispiele für die Rezeption des Gedankens der „vicarious religion“
4.3.1. Chris Ducker – Believing in Grace Davie: what does she bring to an understanding of mission in Europe?
4.3.2. Kirsten Busch Nielsen – Gottes Wort in öffentlicher Verantwortung verkündigen: Das evangelische Pfarramt heute
4.3.3. Dagmar Mensink – Sentire cum religione
4.3.4. Dietmar Winkler – Die Kirchen in Europa und die Säkularisierung
4.3.5. Archimandrit Pavel Stefanov – Hat das Christentum eine Zukunft?
4.3.6. Einige weitere Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum
5. Schlussfolgerungen - „Vicarious religion“ – Eine Antwort auf die Herausforderung durch die religiöse Indifferenz?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der religiösen Indifferenz in Europa, mit besonderem Fokus auf Ostdeutschland, und prüft, inwiefern das Konzept der „vicarious religion“ (stellvertretende Religion) der Soziologin Grace Davie als mögliche Antwortstrategie für die christlichen Kirchen in einer zunehmend säkularen Gesellschaft dienen kann.
4.1.1. Bedeutung von „vicarious religion“ bei Davie
In ihrem Buch Religion in Modern Europe: A Memory Mutates bringt Davie erstmals den Begriff der vicarious religion in die Diskussion darüber ein, ob und wie die Untersuchungen zur Religion in Europa am Ende des 20. Jahrhunderts einen Weg für diese ins 21. Jahrhundert aufzeigen können und worin dieser bestehen könnte. Es geht hier ihr zuerst darum, wie eine Weitergabe der christlichen Traditionen möglich ist. Auch wenn im weiteren Verlauf des Buches zumeist von memory die Rede ist, so wird in der Einleitung die Gleichsetzung mit tradition ausgedrückt (authorized memory – in other words a tradition). Sie stellt in diesem Zusammenhang die Frage, ob eine solche Weitergabe stellvertretend durch eine kleine Minderheit erfolgen kann. Doch warum ergibt sich überhaupt diese Frage? Davie hatte bereits in einem früheren Buch (Religion in Britain since 1945: believing without belonging) festgestellt, dass es in Europa zu einer Veränderung in der Einstellung gegenüber den christlichen Kirchen gekommen ist, auch wenn dies nicht unbedingt mit einem Verlust der Religiosität einherging. Sie prägte dafür den Begriff believing without belonging – Glauben ohne Zugehörigkeit (zu einer institutionalisierten Religion) und meinte, „it seems to me more accurate to describe late-twentieth-century ... as unchurched rather than simply secular”. Dieser Begriff wurde später vor allem in Bezug auf die skandinavischen Länder zu belonging without believing abgewandelt, da hier zwar eine große Zahl von Menschen weiterhin den christlichen Kirchen angehört, aber der Glaube für viele eigentlich keine Rolle spielt.
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die doppelte Krise der christlichen Kirchen in Europa durch Relevanzverlust und Glaubenskrise und führt das Phänomen der religiösen Indifferenz als zentrale Herausforderung ein.
2. Religiöse Indifferenz als Herausforderung: Dieses Kapitel analysiert die Ausbreitung der Konfessionslosigkeit und Areligiosität, insbesondere in Ostdeutschland, und deren Hintergründe.
3. Begriffsbestimmung: Es wird eine begriffliche Klärung von religiöser Indifferenz und Religion vorgenommen, um die Komplexität dieser Phänomene im europäischen Kontext fassbar zu machen.
4. Eine mögliche Antwort – Der Stellvertretungsgedanke im Sinne der „vicarious religion“: Das Hauptkapitel führt Grace Davies Konzept der „vicarious religion“ ein, reflektiert dieses kritisch, fundiert es biblisch und theologisch und untersucht verschiedene Rezeptionsbeispiele.
5. Schlussfolgerungen - „Vicarious religion“ – Eine Antwort auf die Herausforderung durch die religiöse Indifferenz?: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen und bewertet das Potenzial von „vicarious religion“ als Handlungsoption für die Kirche in der Auseinandersetzung mit religiöser Indifferenz.
Religiöse Indifferenz, vicarious religion, Grace Davie, Säkularisierung, Konfessionslosigkeit, Stellvertretung, christliche Kirchen, Europa, Ostdeutschland, theologische Reflexion, Religion, Religiosität, Seelsorge, Ritual, Dialog.
Die Arbeit befasst sich mit der Herausforderung, die religiöse Indifferenz für die christlichen Kirchen in Europa, insbesondere in Ostdeutschland, darstellt, und untersucht den Stellvertretungsgedanken („vicarious religion“) als mögliche Antwort.
Die zentralen Themen sind die Analyse der aktuellen religiösen Lage, eine präzise Begriffsbestimmung von Indifferenz und Religion sowie die theoretische und praktische Auseinandersetzung mit dem Konzept der „vicarious religion“.
Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob und wie Grace Davies Konzept der „vicarious religion“ den Kirchen helfen kann, in einer Gesellschaft mit hoher religiöser Indifferenz eine relevante Rolle zu spielen und die Botschaft Jesu zu vermitteln.
Es handelt sich um eine systematisch-theologische und religionssoziologische Untersuchung, die auf der Analyse statistischer Erhebungen, soziologischer Fachliteratur sowie biblischer und theologischer Quellen basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsbestimmung, die detaillierte Einführung und kritische Reflexion von Davies Konzept, eine biblisch-theologische Fundierung des Stellvertretungsgedankens sowie eine Analyse verschiedener wissenschaftlicher Rezeptionsbeispiele.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Religiöse Indifferenz, vicarious religion, Säkularisierung, Stellvertretung und christliche Identität charakterisiert.
Ostdeutschland weist einen besonders hohen Anteil an Konfessionslosen und religiös indifferenten Menschen auf und dient daher als besonders herausforderndes Beispiel für die Situation der Kirchen im säkularen Europa.
Sie versteht darunter Religion, die von einer aktiven Minderheit im Namen und mit Zustimmung einer weitaus größeren Anzahl von Menschen, die selbst nicht aktiv sind, ausgeübt wird.
Die Autorin weist auf eine gewisse Unschärfe bei der Anwendung der vier Aspekte von Davie hin und kritisiert, dass das Konzept in der Praxis (besonders bei explizit religiös Indifferenten) einer weiteren Klärung bedarf, um nicht zur bloßen „Versorgungsmentalität“ der Kirche zu werden.
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