Diplomarbeit, 2009
312 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Ausgangssituation
2.2 Statistische Daten
2.3 Fragestellungen und Hypothesen
3 Begriffsbestimmungen
3.1 Rassismus
3.2 Parallelgesellschaft
3.3 Integration
3.4 Afrikaner, Schwarze, Afros, Afro-Deutsche, Schwarze Deutsche usw.?
3.5 Afro-Shops
4 Forschungsstand
4.1 Historische Untersuchungen
4.2 Studien bzw. Untersuchungen über afrikanische Studierende in Deutschland
4.3 Untersuchungen zu binationalen Beziehungen
4.4 Qualitative und quantitative Untersuchungen zu unterschiedlichen Lebensbereichen
4.4.1 „Black European Studies“
4.4.2 „Afrikanische Diaspora in Deutschland“
4.4.3 „Afrika in Frankfurt“
4.4.4 „Deutschland vereint – wie ist die Situation der Schwarzafrikaner im vereinten Berlin?“
4.4.5 „Schwarze Deutsche. Lebensrealität und Probleme einer wenig beachteten Minderheit“
4.5 Erfahrungsberichte und (autobiographische) Romane
5 Methodenwahl, Beschreibung der Methoden und Vorgehensweise
5.1 Methodenwahl
5.2 Auswahl der Interviewpartner und Interviewpartnerinnen
5.3 Befragungssituation
5.4 Vorgehensweise bei der Auswertung
6 Sozio-demographische Daten und Einzelportraits
6.1 Sozio-demographische Merkmale der Befragten
6.2 Einzelportraits
6.2.1 Erstes Interview – CJ
6.2.2 Zweites Interview – Mike
6.2.3 Drittes Interview – Christian
6.2.4 Viertes Interview – Lee
6.2.5 Fünftes Interview – Jennifer
6.2.6 Sechstes Interview – Malik
6.2.7 Siebtes Interview – Ben
6.2.8 Achtes Interview – Joao
6.2.9 Neuntes Interview – Jean
6.2.10 Zehntes Interview – Kleptus
6.2.11 Elftes Interview – Nousaiba
6.2.12 Zwölftes Interview – Suger
6.2.13 Dreizehntes Interview – „Straßenbauer“
6.2.14 Vierzehntes Interview – „Alleinerziehender“
6.2.15 Fünfzehntes Interview – „Hip Hopper“
7 Ergebnisse
7.1 Rassismuserfahrungen
7.1.1 Rassismus/ Benachteiligung im alltäglichen Leben
7.1.2 Rassismus/ Benachteiligung bei Behörden
7.1.3 Rassismus/ Benachteiligung bei bzw. durch Polizeikontrollen
7.1.4 Rassismus/ Benachteiligung im Job oder bei der Arbeitsplatzsuche
7.2 Tendenz zu parallelgesellschaftlichen Strukturen?
7.3 Äußerungen zu den Beziehungen zwischen Europa und Afrika bzw. Deutschland und dem Herkunftsland
7.4 Offene Abschlussfrage
8 Fazit
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht explorativ die Lebensbedingungen von Afrikanerinnen und Afrikanern aus dem subsaharischen Raum in Süddeutschland, mit einem besonderen Fokus auf Rassismuserfahrungen, Integrationsgrad und der Lebensrealität in Deutschland.
3.1 Rassismus
Der Beginn einer rassistischen Haltung von Europa bzw. Deutschland gegenüber Afrika geht einher mit der Kolonisationszeit. Um die Kolonisation und den Sklavenhandel zu rechtfertigen, musste Afrika zuerst „entwertet“ werden, wie z.B. Susan Arndt anmerkte. Dies wurde mit einer zum Teil neu entwickelten Sprache/ Begrifflichkeit (z.B. den Neologismen „Hottentotten“, „Häuptling“) als auch über die Verwendung vorhandener, aber abwertender Begriffe (z.B. „Bastard“, „Stamm“) realisiert. Wichtig bei der Herabsetzung der Wertigkeit von Afrika mit seinen Bewohnern war auch stets der Bezug zur Natur. So waren die „Schwarzen“ immer das Bindeglied zwischen „Weißen“ und den Tieren. Breite Unterstützung fanden die Kolonialherren unter den Intellektuellen und Philosophen. David Hume, Immanuel Kant und Georg Friedrich Wilhelm Hegel propagierten regelrecht die Unterlegenheit der „Schwarzen“ gegenüber den „Weißen“. Dem afrikanischen Kontinent, inklusive allen Bewohnern („Einheimischen“), wurde jede Entwicklungsfähigkeit abgesprochen.
Diese lange geschichtliche Tradition der Abwertung Afrikas ist auch heute noch zu spüren. In den Medien beherrschen Bilder von halb nackten, ausgemergelten, zum Teil kranken Männern und Frauen, mit ihren zahlreichen Kindern, in ihren spärlichen Behausungen, die Berichterstattung. Immer wieder werden auf die Armut, die Trockenheit (Wüsten), die Ernteausfälle und die neuen AIDS-/HIV-Ansteckungen aufmerksam gemacht. Es gibt kaum Erfolgsmeldungen, kaum erfolgreiche afrikanische Konzepte, über die berichtet werden. Auch die – wenn auch vergleichsweise sehr kurze – deutsche Kolonisationszeit wurde in Deutschland noch nicht aufgearbeitet und alte Vorurteile halten sich bis heute. So ist es nicht verwunderlich, dass Afrikaner mit Universitätsabschluss in Deutschland nur als Reinigungskraft oder in der Gastronomie (natürlich als Spülkraft oder Küchenhilfe) tätig ist. Menschen mit afrikanischer Abstammung bekommen diese Vorurteile stark zu spüren – wie später die Auswertung der Interviews zeigen wird.
1 Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Notwendigkeit, die Sicht afrikanischer Einwanderer auf ihre Lebensbedingungen in Deutschland darzustellen, da diese Gruppe oft nur als Objekt der Debatte wahrgenommen wird.
2 Grundlagen: Hier werden statistische Daten zur afrikanischen Bevölkerung in Bayern dargelegt und die methodischen Annahmen für die Untersuchung präzisiert.
3 Begriffsbestimmungen: Zentrale Begriffe wie Rassismus, Parallelgesellschaft und Integration werden definiert und kritisch für den Kontext der Arbeit diskutiert.
4 Forschungsstand: Das Kapitel bietet einen Überblick über bestehende historische und soziologische Studien, die sich mit der Situation afrikanischer Menschen in Europa befassen.
5 Methodenwahl, Beschreibung der Methoden und Vorgehensweise: Es wird die Entscheidung für ein qualitatives, exploratives Vorgehen sowie die Methodik der Interviewführung und Auswertung erläutert.
6 Sozio-demographische Daten und Einzelportraits: Dieser Teil präsentiert die demographische Struktur der Befragten sowie Kurzportraits der einzelnen Interviewteilnehmer.
7 Ergebnisse: Die erhobenen Daten zu Rassismuserfahrungen, Integrationsaspekten und Beziehungen zum Herkunftsland werden ausgewertet und mit der Literatur in Beziehung gesetzt.
8 Fazit: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, die Hypothesen bewertet und ein Ausblick für zukünftige Forschungen sowie politische Leitlinien gegeben.
Afrikanische Diaspora, Süddeutschland, Rassismus, Integration, Parallelgesellschaft, Qualitative Forschung, Lebensbedingungen, Migrationshintergrund, Othering, Soziale Integration, Politische Mitsprache, Identität, Diskriminierung, Afro-Shops, Migrationsmotive.
Die Arbeit untersucht qualitativ die Lebensverhältnisse von Afrikanerinnen und Afrikanern, die südlich der Sahara stammen und in Bayern bzw. Süddeutschland leben.
Die zentralen Themen umfassen Rassismuserfahrungen, den Integrationsgrad, die Nutzung sozialer Einrichtungen sowie die allgemeine Lebenssituation und die Perspektiven der Befragten in Deutschland.
Ziel ist es, die Sichtweisen der afrikanischen Einwanderer selbst zu erfassen und ihre Erfahrungen mit Rassismus, Arbeitsmarktzugang und sozialer Teilhabe in einer explorativen Studie aufzuarbeiten.
Die Arbeit verwendet eine Kombination aus Leitfadeninterviews (qualitativ) und ergänzenden Fragebögen (quantitativ), um eine triangulative Auswertung der Daten zu ermöglichen.
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Begriffsbestimmungen und dem Forschungsstand vor allem die Ergebnisse aus den durchgeführten Interviews sowie deren sozio-demographische Einordnung detailliert dargestellt.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Rassismus, Othering, Integration, Parallelgesellschaft, Identität und die spezifische Lebensrealität als „Andere Deutsche“.
Die Befragten berichten von vielfältigen Formen des Rassismus; viele reagieren darauf, indem sie diese Erfahrungen ignorieren, Selbstbewusstsein zeigen oder sich bewusst in eigenen sozialen Netzwerken (Communities) bewegen.
Afro-Shops fungieren nicht nur als Einkaufsmöglichkeit für spezielle Lebensmittel, sondern dienen vorwiegend als zentrale Treffpunkte und Informationsplattformen für die afrikanische Community.
Ja, die Mehrheit der Befragten gibt an, dass ihre Hautfarbe und die damit verbundenen Vorurteile den Zugang zum Arbeitsmarkt massiv erschweren, unabhängig von ihrer formalen Qualifikation.
Die Befragten kritisieren oft die bestehenden politischen und wirtschaftlichen Strukturen, fordern Hilfe zur Selbsthilfe statt Bevormundung und betonen die Notwendigkeit echter Kooperation auf Augenhöhe.
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