Diplomarbeit, 2003
70 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Die Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft
2.1 Fourastiés Theorie als Ursprung der Debatte
2.2 Kritische Stimmen: Baumol
2.3 Kritische Stimmen: Gershuny
2.4 Kritische Stimmen: Scharpf
2.5 Kritische Stimmen: Schettkat
3. Die Beschäftigungsentwicklung in Deutschland und den USA
3.1 Die Entwicklung in den USA
3.2 Die Entwicklung in der Bundesrepublik
4. Hat Deutschland eine Dienstleistungslücke?
4.1 Zur Problematik von sektoraler und funktionaler Gliederung
4.2 Vergleich nach funktionaler Gliederung
4.3 Lösungsvorschläge und Ausblick
5. Zusammenfassung
6. Schlusswort
Die vorliegende Arbeit untersucht die Kontroverse um eine vermeintliche „Dienstleistungslücke“ in Deutschland im Vergleich zu anderen OECD-Ländern, insbesondere den USA. Ziel ist es, die Entwicklung des Strukturwandels zu analysieren und zu klären, ob Deutschland tatsächlich einen Rückstand aufweist oder ob die statistische Erfassungsmethodik zu Fehleinschätzungen führt.
2.1 Fourastiés Theorie als Ursprung der Debatte
Jean Fourastié (15. 04. 1907 – 25. 07. 1990) beschäftigt sich in seinem Werk vor allem mit dem (in seinen Augen positiven) Einfluss des technischen Fortschritts auf das Leben von Individuen und Gesellschaften in der Zukunft. Sein Ziel ist dabei die Definition des technischen Fortschritts sowie die Untersuchung der Auswirkungen auf die zukünftige Wirtschaft. „Als technischer Fortschritt wird eine Steigerung des Produktionsvolumens je Rohstoff- oder Arbeitszeiteinheit bezeichnet.“ Dieser technische Fortschritt hat erst vor ca. 200 Jahren begonnen. Davor wurde die Produktion durch zwei weitgehend konstante Faktoren bestimmt: Natürliche Rohstoffe und Energie sowie die menschliche Arbeitskraft. Wissenschaftliche Erkenntnisse aber machen seitdem eine Steigerung der Produktivität möglich, und dieser Trend wird in Zukunft noch an Dynamik gewinnen.
Die Produktivitätssteigerungen lassen sich aber nicht gleichmäßig auf alle Tätigkeiten übertragen, so wird eine Unterteilung der Bereiche notwendig. Hier greift Fourastié auf das Drei – Sektoren – Modell von Fisher (1939) zurück, das Clark ein Jahr später in seinem Buch „The Conditions of Economic Progress“ weiterentwickelte. Anders als Fisher und Clark unterscheidet Fourastié aber die drei Sektoren nicht anhand ihrer Produkte, sondern nach möglichen Produktivitätssteigerungen. So sind im primären Sektor alle Produktionsprozesse zusammengefasst, in denen nur mäßige Produktivitätssteigerungen möglich sind, klassisches Beispiel auch hier die Landwirtschaft: zwar ist die Produktion von Lebensmitteln stark gestiegen, doch können allein durch technischen Fortschritt die Erträge nicht mehr stark gesteigert werden, nur unter Zuhilfenahme industrieller Güter wie Dünger.
1. Einleitung: Einführung in die Diskussion um den Strukturwandel zur wissensorientierten Dienstleistungsgesellschaft und die vermeintliche Dienstleistungslücke in Deutschland.
2. Die Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft: Darstellung des theoretischen Rahmens von Jean Fourastié sowie der wesentlichen Kritikpunkte von Baumol, Gershuny, Scharpf und Schettkat.
3. Die Beschäftigungsentwicklung in Deutschland und den USA: Analyse der unterschiedlichen Beschäftigungspfade beider Länder und der Rolle struktureller Besonderheiten.
4. Hat Deutschland eine Dienstleistungslücke?: Kritische Prüfung der Datenlage durch den Vergleich von sektoraler und funktionaler Gliederung sowie Diskussion politischer Lösungsvorschläge.
5. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse, die darauf hindeutet, dass keine Dienstleistungslücke besteht, sondern die Ursachen für Wachstumstendenzen in anderen Faktoren begründet liegen.
6. Schlusswort: Reflexion über die Brisanz des Themas und die Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Konsenses zur Krisenbewältigung.
Dienstleistungsgesellschaft, Strukturwandel, Dienstleistungslücke, Beschäftigungsentwicklung, Jean Fourastié, Drei-Sektoren-Theorie, Produktivität, tertiärer Sektor, Deutschland, USA, sektoraler Vergleich, funktionaler Vergleich, Niedriglohnsektor, Beschäftigungspolitik, Arbeitsteilung.
Die Arbeit analysiert die sozioökonomische Debatte über eine vermeintliche „Dienstleistungslücke“ in Deutschland im Vergleich zu anderen Industrienationen.
Im Fokus stehen der Strukturwandel zur Dienstleistungsgesellschaft, die theoretischen Ansätze zur tertiären Sektorentwicklung und die statistische Auswertung von Beschäftigungsdaten.
Das Ziel ist es, zu hinterfragen, ob Deutschland tatsächlich einen Rückstand bei Dienstleistungen aufweist oder ob dies ein statistisches Artefakt aufgrund der Erhebungsmethode darstellt.
Es wird eine Literaturanalyse der führenden Theoretiker kombiniert mit einem empirischen Vergleich von Wirtschaftsdaten (OECD, SOEP) durchgeführt.
Der Hauptteil befasst sich mit den Theorien von Fourastié, den Kritiken von Baumol bis Schettkat sowie einem detaillierten Datenvergleich der Beschäftigungsstrukturen in Deutschland und den USA.
Wichtige Begriffe sind Strukturwandel, tertiärer Sektor, Produktivität, Dienstleistungslücke und Beschäftigungspolitik.
Die sektorale Gliederung erfasst Tätigkeiten nach der Branche des Unternehmens, während die funktionale Gliederung die tatsächlich ausgeübte Tätigkeit betrachtet, was bei Outsourcing-Prozessen zu völlig anderen Ergebnissen führt.
Sie dient als kritisches Modell, um zu erklären, warum in manchen Dienstleistungsbereichen trotz technischem Fortschritt die Kosten steigen, was die Hoffnung auf unbegrenztes Beschäftigungswachstum dämpft.
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