Examensarbeit, 2012
73 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Grenouille - das Genie
2.1 Grenouilles Geruchswelt
2.2 Die Kunst eines Genies
2.3 Identitätsverlust durch Geruchlosigkeit
3. Grenouille - der Mörder
4. Grenouille - das Monster
4.1 Das Animal
4.2 Der Teufel
4.3 Grenouilles „Menschwerdung“
5. Grenouille - der böse Gott
5.1 Apotheose des omnipotenten Gottes der Düfte
5.2 Weitere mythologische Anklänge
5.3 Ein Anti-Messias?
6. Die übrigen Figuren
6.1 Die ersten Bezugspersonen
6.2 Giuseppe Baldini und der Marquis de la Taillade-Espinasse
6.3 Antoine Richis und andere Personen in Grasse
7. Herkunft des Bösen
7.1 Ein Scheusal auf der Suche nach Liebe
7.2 Mitleid mit dem Scheusal
8. Deutungsmöglichkeiten
8.1 Macht und Massenwahn als politische Lesart
8.2 Das Parfum als Roman der Postmoderne
9. Schlusswort
Die Arbeit untersucht die vielschichtige Figur des Jean-Baptiste Grenouille in Patrick Süskinds Roman „Das Parfum“ und analysiert seine Funktion als Verkörperung des Bösen, Mörder, Genie und Monster sowie dessen Ursprünge.
2.1 Grenouilles Geruchswelt
Das Paris des 18. Jahrhunderts wird uns bereits zu Beginn des Romans in aller Anschaulichkeit als stinkendster Ort Frankreichs vorgestellt. Am 17. Juli 1738 wird auf dem Fischmarkt beim „Cimetière des Innocents“ in Paris, ausgerechnet dem „allerstinkendsten Ort des gesamten Königreichs“ (S. 7), ein Kind geboren, das einen einzigartigen Geruchssinn besitzt. Noch ehe wir von dieser Fähigkeit erfahren, versetzt uns der Autor in diese geruchsdominierte Welt, die die Erlebenswelt Grenouilles bestimmt. Bereits als Kind ist dieser anders als die anderen Kinder. Schon Pater Terrier, der eine neue Amme für den Säugling finden soll, kommt es vor, „als sehe ihn das Kind mit seinen Nüstern“ (S. 23). Grenouilles Augen scheinen nicht viel wahrzunehmen, doch der Geruchssinn übernimmt ihre sehende Funktion. Im Waisenhaus Madame Gaillards beginnt er, verschiedenste Gerüche in sich aufzunehmen und zu benennen. Die Sprache bereitet ihm jedoch Schwierigkeiten - er spricht das erste Wort erst mit vier Jahren (vgl. S. 31). Allein die Absicht, Gerüche benennen zu können, lässt Grenouille sprechen lernen, indem er zunächst nur Begriffe sammelt, die riechende Gegenstände bezeichnen. Abstrakta bereiten ihm hingegen Schwierigkeiten, was nicht nur ein Zeichen für Grenouilles Geruchsorientiertheit ist, sondern zugleich unterstreicht, dass Gefühle ihm offenbar fremd sind: „ Mit Wörtern, die keinen riechenden Gegenstand bezeichneten, mit abstrakten Begriffen also, […] hatte er die größten Schwierigkeiten.“ (S. 33).
1. Einleitung: Vorstellung des Romans, des Autors und der Bedeutung des Protagonisten Grenouille für den Erfolg des Werks.
2. Grenouille - das Genie: Analyse der einzigartigen Geruchsbegabung, des genialischen Anspruchs und des Identitätsverlusts durch Geruchlosigkeit.
3. Grenouille - der Mörder: Betrachtung von Grenouille als Künstler-Mörder, dessen Taten zweckgebunden der Olfaktorik dienen.
4. Grenouille - das Monster: Untersuchung des Animalischen, des Teuflischen und der Entwicklung zur Menschwerdung.
5. Grenouille - der böse Gott: Analyse der Apotheose Grenouilles, seiner Rolle als Anti-Messias und mythologischer Anklänge.
6. Die übrigen Figuren: Charakterisierung der Nebenfiguren und ihre Beziehung zum Protagonisten als „Galerie“ der Gesellschaft.
7. Herkunft des Bösen: Diskussion über die Ursprünge der Boshaftigkeit zwischen angeborener Natur und sozialer Prägung.
8. Deutungsmöglichkeiten: Interpretation des Romans als politische Parabel und Werk der Postmoderne.
9. Schlusswort: Fazit der Untersuchung über die Vielschichtigkeit der Figur und die Gründe für den Erfolg des Romans.
Patrick Süskind, Das Parfum, Jean-Baptiste Grenouille, Genialität, Geruchssinn, Bösartigkeit, Mörder, Postmoderne, Identität, Menschwerdung, Anti-Messias, Literaturanalyse, Geruchswelt, Sozialkritik, Mythologie.
Die Arbeit analysiert die Figur des Jean-Baptiste Grenouille aus Patrick Süskinds Roman „Das Parfum“ hinsichtlich ihrer Vielschichtigkeit und Bösartigkeit.
Die zentralen Themen sind Genialität, Identitätsfindung, das Böse in der Literatur, religiöse und mythologische Anklänge sowie die soziale Konstruktion des Protagonisten.
Das Ziel ist es, die Figur Grenouille in ihrer Komplexität zu durchleuchten und ihre Funktion für den Roman herauszuarbeiten, insbesondere im Hinblick auf das Böse und dessen Ursprung.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text des Romans mit Sekundärliteratur verknüpft und auf Deutungsansätze der Postmoderne sowie literarische Traditionen zurückgreift.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Grenouille als Genie, Mörder, Monster und „böser Gott“ sowie der Rolle der übrigen Romanfiguren.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Genialität, Identität, Geruchlosigkeit, Anti-Messias, Postmoderne und Sozialisation.
Der Name, der „Frosch“ bedeutet, weist auf seine animalische Natur hin und wird in der Arbeit als mythisches Symbol sowie als Anspielung auf christliche Kontexte interpretiert.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Grenouille beides ist: ein Täter, der böse handelt, aber auch ein Opfer einer lieblosen Gesellschaft, die ihn niemals als Mensch akzeptiert hat.
Sie ist der Kern seiner Identitätskrise, da er die Welt zwar olfaktorisch perfekt wahrnehmen kann, aber selbst nicht riechbar ist und somit keine eigene menschliche Identität besitzt.
Das Ende verdeutlicht das Scheitern Grenouilles an seinem Ziel, geliebt zu werden. Dass die Menschen ihn in einer Art „Kommunion“ auffressen, ist das letzte Paradoxon seiner Existenz.
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