Wissenschaftliche Studie, 2012
169 Seiten
Vorwort zur Neuauflage
Einführung und Herangehensweise: Die Symbolik der Farben Rot und Weiß im „Parzival“ Wolframs von Eschenbach
A) Parzivals Weg am Leitfaden der Farben Rot und Weiß (Buch III-VI)
1. Die Entwicklung seiner Identität als „der wâren minne blic“
a) Vom Wald von Soltane bis zum roten Ither
b) Zeit ohne Weg: Gurnemanz – Pelrapeire – Gralsburg
c) „Spurensuche“ auf dem Weg von der Gralsburg zum Plimizöl
2. Die figurative Konstellation der Farben Rot und Weiß in der Blutstropfen-Episode
a) Die Einbettung des Geschehens in den situativen Kontext
b) Die figurative Konstellation und ihre Sinnverweise
c) Blut und Schnee als Träger der Farben Rot und Weiß
B) Die Ausweitung der Konnotationen und des Bedeutungshorizontes
3. Parzival auf dem Weg zur Versöhnung mit sich selbst
a) Die dritte Begegnung mit Sigune und ihre wegweisende Funktion
b) Wiedergewinn der Heilszeit durch die Ereignisse am Karfreitag
c) Die „rechte“ Minne als Bedingung für die Teilhabe am Gralswunder und als dessen Wesenskern
C) Parzivals Selbstüberwindung und Selbstfindung in den beiden Bruderkämpfen (Buch XIV und XV)
4. Die Bedeutung Gawans für die Entwicklungsgeschichte Parzivals
a) Parzivals Reintegration in die höfische Welt nach dem „Bruderkampf“ mit Gawan
b) Gawan als der besonnene höfische Ritter
c) Gawan unter der ihm von Parzival übertragenen Obhut der Frauenminne
d) Strukturelle und motivische Analogien zwischen Gawan- und Parzivalhandlung
e) Warum kann Parzival den Kampf mit Gramoflanz nicht Gawan überlassen?
f) „Ich hân mich selben überstriten“
5. Die Bedeutung von Feirefiz für die Selbstfindung Parzivals
a) Das Zusammenspiel von Gott und Condwîrâmûrs
b) Feirefiz als Verkörperung des Elsterngleichnisses
6. Vorgeschichte und Schluss
a) Die Farben der Vorgeschichte
b) Die „Farblosigkeit“ des Schlusses
c) Der Ersatz der Farbmotive durch trinitarische Strukturen
7. Schlussfolgerungen zum Strukturprinzip
Die vorliegende Arbeit untersucht die sinnstiftende Funktion der Farben Rot und Weiß für die Entwicklungsgeschichte und Identitätsfindung des Protagonisten im "Parzival" von Wolfram von Eschenbach sowie deren Bedeutung für das Strukturprinzip des Werkes. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich die Motive der Farben Rot und Weiß werkimmanent entwickeln und zur Versöhnung des Protagonisten mit sich selbst sowie zu seiner Teilhabe am Gral führen.
Die figurative Konstellation und ihre Sinnverweise
Nicht nur das, was Parzival auf dem Untergrund der weißen Schneedecke sieht, hat eine figurative Struktur: die drei Blutstropfen formen ein Dreieck im Zahlenverhältnis 2+1 (283,12f), sondern auch seine Gedankenrede selbst formiert sich in figurativen Strukturen. Auf die dreifache formelhafte und anaphorisch akzentuierte Nennung des Namens der Geliebten sowie auf deren Rückverweis auf die erste Begegnung mit Condwîrâmûrs wurde in Teil 1b) der Arbeit schon hingewiesen. Zwischen den beiden ersten Nennungen bzw. Anrufungen verbindet ein Chiasmus der Pronomen die beiden Geliebten: dir – mich / ich – dir (282,29 f). Über diesen Chiasmus hinweg und ihn sozusagen einrahmend formiert sich ein zweiter Chiasmus, der Condwîrâmûrs mit Gott verbindet: Condwîrâmûrs – got / diu gotes hant – Condwîrâmûrs (282,28 – 283,04).
Condwîrâmûrs, sich mac vür wâr, disiu varwe dir gelîchen. mich will got saelden rîchen, sît ich dir hie gelîches vant. gêret sî diu gotes hant und al diu krêâtiure sîn. Condwîrâmûrs, hie liget dîn schîn.
Beide Chiasmen sind so ineinander verflochten, dass die figurative Zuordnung von Condwîrâmûrs und Gott sozusagen das Binnenverhältnis dir – mich und ich – dir umfasst.
Die Entwicklung seiner Identität als „der wâren minne blic“: Dieses Kapitel analysiert Parzivals Aufbruch und seine ersten prägenden Begegnungen, die seine Identität und seinen ritterlichen Weg maßgeblich beeinflussen.
Die figurative Konstellation der Farben Rot und Weiß in der Blutstropfen-Episode: Hier wird die zentrale Blutstropfenepisode untersucht, wobei die Bedeutung der Farbkombination und deren situativer Kontext analysiert werden.
Parzival auf dem Weg zur Versöhnung mit sich selbst: Dieses Kapitel thematisiert Parzivals innere Entwicklung, insbesondere die Begegnungen mit Sigune und die Ereignisse am Karfreitag, die zur Versöhnung mit Gott und sich selbst führen.
Die Bedeutung Gawans für die Entwicklungsgeschichte Parzivals: Es wird die Rolle Gawans als Komplementärfigur analysiert, deren Handlungen und Erlebnisse Parzivals Entwicklung spiegeln und kontrastieren.
Die Bedeutung von Feirefiz für die Selbstfindung Parzivals: Der Kampf mit Feirefiz wird als notwendige Auseinandersetzung gedeutet, die Parzivals Selbstfindung und Berufung zum Gralskönig vervollständigt.
Vorgeschichte und Schluss: Dieses Kapitel beleuchtet, wie die Farben und Motive der Vorgeschichte am Schluss des Werkes neu interpretiert und durch trinitarische Strukturen ersetzt werden.
Schlussfolgerungen zum Strukturprinzip: Die Arbeit fasst die verschachtelten Strukturprinzipien zusammen und verdeutlicht, wie Farben und Entwicklungsgeschichte zu einem komplexen Ganzen verschmelzen.
Parzival, Wolfram von Eschenbach, Farbe Rot, Farbe Weiß, Minne, Gralskönig, Gawan, Feirefiz, Blutstropfenepisode, Heilsgeschichte, Identitätsfindung, Trinität, Mittelalterliche Literatur, Symbolik, Entwicklungsroman
Die Arbeit untersucht die symbolische und strukturelle Funktion der Farben Rot und Weiß im "Parzival" von Wolfram von Eschenbach, um deren Einfluss auf die Identitätsentwicklung des Protagonisten zu entschlüsseln.
Zentral sind die Symbolik der Farbkombinationen, die Entwicklung von Parzivals Identität durch seine ritterliche Laufbahn und seine schließliche Berufung zum Gralskönig.
Das Ziel ist es, die werkimmanente Funktion der Farbmotive als Leitfaden für Parzivals inneren und äußeren Reifungsprozess aufzuzeigen.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse durchgeführt, die motivgeschichtliche und strukturelle Aspekte des Epos im Kontext mittelalterlicher Erzähltradition beleuchtet.
Der Hauptteil analysiert detailliert Parzivals Weg, die Blutstropfenepisode, die Spiegelung durch Gawan und Feirefiz sowie die trinitarischen Strukturen am Ende des Werkes.
Wichtige Begriffe sind Parzival, Minne, Farbenlehre, Gral, Identität, Heilsgeschichte und Trinität.
Gawan wird als eine Art "modernes" Subjekt dargestellt, das strategisch handelt, aber keine inhaltliche Entwicklungsgeschichte im mythischen Sinne durchläuft, während Parzivals Geschichte ein innerer Weg zur Selbstwerdung ist.
Feirefiz vereint Gegensätze und stellt als "Elsternfarbiger" eine notwendige Bedingung für Parzivals finale Berufung dar, da in seinem Kampf die Scheinidentität des "roten Ritters" endgültig zerbricht.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

