Magisterarbeit, 2009
90 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
1. Johannes Bobrowski
1.1 Das Werk (zu Lebzeiten und posthum)
1.2 Biografisches zu Johannes Bobrowski
2. Begriffsdefinition: ‚Magischer Ort’
2.1 Die Bedeutung des Begriffs ‚magisch’
2.1.1 Zusammenfassung von Kapitel 2.1
2.2 Welche Bedeutung hat der Ort für Johannes Bobrowski?
2.2.1 Der reale Ort
2.2.2 Der irreale Ort
2.2.3 Der magische Ort
2.2.3.1 Aura als Bestandteil des magischen Ortes
2.2.3.2 Mythisches als Bestandteil des magischen Ortes
2.2.3.3 Die naturmagische Schule
3. Der magische Ort in der Kindheit und im Nachlass
3.1 Heimatlieder – Erinnerungen an die Kindheit
3.2 Gedicht aus dem Nachlass: Die Taufe des Perun. Kiew 988.
4. Feuchtgebiete – Die Magie des Stroms
4.1 Die Beziehung von Mensch und Natur
4.2 Das Holzhaus über der Wilia
4.3 Die Jura
4.3.1 Der Götterberg Rombinus
4.4 Landschaft als Erinnerungsträger – Die Fusion von Raum und Zeit
5. Schrecken der Erinnerung – Der magische Ort im Krieg
5.1 Kaunas 1941
5.1.1 Tiersymbolik und Märchenbezug
5.2 Kathedrale 1941
6. Wetterzeichen – Der historische und mythische magische Ort
6.1 Die Wolgastädte
6.2 Schattenland
7. Das ist nicht alles ernst: Die humorvolle Seite von Johannes Bobrowski
7.1 Anthropomorphe Landschaft – Der magische Ort lebt
7.1.1 Der Widerspenstigen Zähmung
7.1.2 Distinguierte Distichen
Diese Arbeit untersucht das dichterische Programm von Johannes Bobrowski, welches darauf abzielt, den vergangenen Raum und die vergangene Zeit einer spezifischen Region durch die Lyrik im Bewusstsein des Lesers wieder zum Leben zu erwecken. Dabei steht die Untersuchung des „magischen Ortes“ im Zentrum, um zu klären, wie Bobrowski durch Sprache, Mythen und Erinnerungen Landschaften als Erinnerungsräume konstruiert und durch diese ästhetische Form die Aufarbeitung von Geschichte und persönlicher sowie kollektiver Schuld verhandelt.
2.1 Die Bedeutung des Begriffs ‚magisch’
Wenn man den Begriff ‚Magie’ in Wörterbüchern oder Lexika nachschlägt, finden sich Definitionen wie z.B. „schwarze Kunst“21 und „geheimnisvoll wirkende Kraft“22. Das Wort selbst taucht schon im Altpersischen (magu) und im Griechischen (mageia) auf und bedeutet ‚Macht’. Im Verbalstamm mgh stecken die Bedeutungen: „können, vermögen und helfen“.23 Die historische Bedeutung von Magie kann man zusammenfassen als die Kunst, sich „außerordentliche Kräfte und Macht anzueignen“.24 So wurden im Mittelalter die magischen Künste als Wissenschaft den anderen Bildungsbereichen, z.B. den sieben freien Künsten (Artes liberales: Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik)25, nebengeordnet. Die freien Künste galten als die erste Artes-Reihe, die zweite waren die ‚artes mechanicae’ (z.B. Kriegskunst, Handwerk etc) und die dritte die ‚artes magicae’ (die magischen Künste, wie z.B. Nigromantie). Wilhelm von Conches nennt gegen Ende des 12. Jahrhunderts diese drei Artes-Reihen nebeneinander.26 Magie war zu dieser Zeit also als real existierende Wissenschaft in der Gesellschaft und der Literatur präsent, wenn sie auch von der Kirche bekämpft wurde und als verbotene Kunst bzw. Wissenschaft galt.27 Goldammer spricht in diesem Zusammenhang von einer „Grenzwissenschaft“.28
Besondere Bedeutung hatte als vermittelndes und tragendes Medium dabei die Sprache in Form des Zauberspruchs. Für die Analyse von Lyrik ist dabei das Phänomen der Klang-Magie interessant. Moderne Gedichte und auch die Lyrik von Bobrowski werden von der Forschung mit Begriffen wie ‚sprachmagisch’ oder ‚klangmagisch’ beschrieben.29 Dieses Phänomen findet sich auch in vielen überlieferten Zaubersprüchen. Der Gedanke dahinter ist, dass nicht das Wort oder der Ausspruch selbst magische Wirkung entfaltet, sondern der Klang diese Wirkung hervorruft. So reduziert sich das magische Wort unter Umständen ausschließlich auf den Klang, wobei dann das ausgesprochene Wort selbst keine nachweisbare semantische Bedeutung mehr hat. So lautet eine Formel, um Blutungen zu stillen: „Socnon socnon“.30 Diese Formel musste siebenmal wiederholt werden und dazu der medizinische Finger – Ringfinger – auf die Wunde gedrückt werden, um diese zu heilen.
1. Johannes Bobrowski: Betrachtung der Biografie und des Werks von Bobrowski, um das Verständnis seiner Texte für den Leser zu ermöglichen.
2. Begriffsdefinition: ‚Magischer Ort’: Theoretische Erörterung der Begriffe Magie, Aura und Mythos sowie deren Anwendung auf das Konzept des magischen Ortes in der Literatur.
3. Der magische Ort in der Kindheit und im Nachlass: Analyse der frühen, in der Kriegsgefangenschaft entstandenen Lyrik sowie der Verarbeitung klassischer Mythen am Beispiel des Gedichts ‚Heimatlied’.
4. Feuchtgebiete – Die Magie des Stroms: Untersuchung der Bedeutung der „sarmatischen Landschaft“ sowie der zentralen Rolle von Flüssen als verbindende Elemente von Natur und Geschichte.
5. Schrecken der Erinnerung – Der magische Ort im Krieg: Analyse der Lyrik im Kontext der Kriegserfahrungen in Kaunas und Nowgorod sowie die kritische Reflexion des Holocaust.
6. Wetterzeichen – Der historische und mythische magische Ort: Besprechung der späten Lyrik, die sich zwischen historischer Dokumentation und mythischer Deutung bewegt.
7. Das ist nicht alles ernst: Die humorvolle Seite von Johannes Bobrowski: Vorstellung der satirischen und humorvollen Aspekte des Autors am Beispiel anthropomorpher Landschaften und der Xenien.
Johannes Bobrowski, Sarmatien, Magischer Ort, Lyrik, Erinnerung, Gedenken, Mythos, Aura, Naturlyrik, Zweiter Weltkrieg, Landschaft, Sprache, Sprachmagie, Zeit, Geschichte
Die Arbeit analysiert die Lyrik von Johannes Bobrowski mit einem Fokus auf das Konzept des „magischen Ortes“. Sie untersucht, wie der Dichter durch Sprache und Erinnerungsarbeit seine persönliche und sarmatische Heimat im Gedicht evoziert.
Zentrale Themen sind die Beziehung zwischen Mensch und Natur, die Auseinandersetzung mit der Geschichte und dem Zweiten Weltkrieg, die Verarbeitung von Schuld sowie das Wechselspiel zwischen Erinnerung, Mythos und realer Landschaft.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Bobrowski mittels spezifischer lyrischer Mittel den „magischen Ort“ als Erinnerungsraum konstruiert, um das „vakante Sarmatien“ medial wieder auferstehen zu lassen und gleichzeitig Gedenken und Mahnung zu artikulieren.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Gedichte aus verschiedenen Schaffensphasen Bobrowskis interpretiert, theoretische Begriffsdefinitionen (Magie, Aura, Mythos) einbezieht und diese auf die spezifische poetische Praxis des Autors anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, die Analyse von Kindheitserinnerungen, die Bedeutung der sarmatischen Flusslandschaften, die Verarbeitung von Kriegstraumata und schließlich die Untersuchung der humorvollen/satirischen Facetten Bobrowskis.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sarmatien, Erinnerungskultur, Sprachmagie, Mythos, Landschaftslyrik, Gedenken, Trauma und Intertextualität charakterisiert.
Bobrowski lehnt das „reine Naturgedicht“ ab; für ihn ist Natur untrennbar mit dem Menschen als historischem und moralischem Wesen verbunden, wobei die Sprache eher „beschwörend“ als rein deskriptiv fungiert.
Tiere wie Wölfe, Vögel (z.B. Käuzchen, Habicht) oder Fische werden häufig als Symbole für den Tod, das Böse oder als Boten von Verbrechen eingesetzt, oft in Anlehnung an märchenhafte oder mythische Kontexte.
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