Masterarbeit, 2011
102 Seiten, Note: 1,3
Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
1 Einleitung und Motive der Arbeit
1.1 Eingrenzung des Themenbereichs
1.2 Fragestellung und zeitliche Dimension
1.3 Methodische Zugänge
1.4 Literatur- und Quellenlage
1.5 Relevanz und Vorgehen
2 Zeitenwenden – Geschichte der Homosexualität in München
2.1 Anfänge staatlicher Regulierung
2.2 Der § 175 im Wandel der Zeit
2.2.1 Weibliche Homosexualität
2.2.2 Verurteilungen nach § 175
2.3 Keine „Libertas Bavariae“ für „warme Brüder“
2.3.1 Emanzipation rückwärts
2.3.2 Homosexualität im Nationalsozialismus
2.3.3 Ein Schrecken ohne Ende
3 „Du sollst dich erinnern!“
3.1 Das Gedächtnis als geschichtswissenschaftliche Disziplin
3.2 Gedächtnisverankerung
4 Der lange Weg zum Gedenken
4.1 (K)eine Solidargemeinschaft – (k)ein Gedenken
4.2 Vier Jahrzehnte homosexueller Emanzipation
4.2.1 HAM/HAG und VSG – Erste Solidargemeinschaften
4.2.2 Der Rosa Winkel ins kollektive Gedächtnis!
4.2.3 Rosa Liste
4.2.4 Das Mahnmal am Oberanger
5 Resümee
Die Arbeit untersucht den historischen Prozess, durch den die Erinnerung an die homosexuellen Opfer staatlicher Verfolgung in München in das kollektive und kulturelle Gedächtnis der Bevölkerung integriert wurde. Dabei wird analysiert, welche sozialen und politischen Voraussetzungen – insbesondere die Institutionalisierung homosexueller Gruppen – notwendig waren, um dieses Gedenken von der gesellschaftlichen Isolation in das öffentliche Bewusstsein zu überführen.
2.3 Keine „Libertas Bavariae“ für „warme Brüder“
Stadtgeschichte, Lokalgeschichte oder Heimatgeschichte – eine historische Betrachtung der Entwicklungen und Ereignisse auf kommunaler oder regionaler Ebene ist immer auch verbunden mit der geschichtswissenschaftlichen Betrachtung des Menschen in seiner alltäglichen Lebenswelt. Das Mit- und Nebeneinander höchst unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen prägten seit jeher das Zusammenleben im städtischen Umfeld. Besonders interessant ist es, mehr über den sozialen Stand einer Gruppe innerhalb der gesellschaftlichen Hierarchie, über Konformität oder Non-Konformität einer solchen und die Entwicklung des Dialogs zwischen Gruppe und Außenstehenden zu erfahren.
Die hier betrachtete Minderheit der homosexuellen Männer als Gruppe, mit dem speziellen Merkmal der „sozialen Randgruppe“, ist insofern ein spannendes und zugleich sehr spezielles Forschungsthema, da diese im Vergleich zu anderen Teilen der Gesellschaft während des Betrachtungszeitraums immer unter staatlicher Repression standen und sich ständig der Bedrohung durch Strafverfolgung ausgesetzt sahen. Dies führt zum einen dazu, dass es nahezu keine institutionellen Organisationen (Vereine, Verbände, Zusammenschlüsse etc.) gab und dementsprechend auch kaum Überlieferungen in Form von Registern oder Chroniken vorhanden sind, zum anderen ist es gerade die jahrzehntelange Strafverfolgung, aus deren Akten wichtige Informationen hervorgehen (Kriminalpolizei, Sittenpolizei und Polizeiberichte in der Tagespresse), mit denen heute eine Geschichte der homosexuellen Männer rekonstruiert werden kann. Bewusst muss dabei von Rekonstruktion gesprochen werden, da wir heute die Minderheit als gesellschaftliche Randgruppe beschreiben. Es darf bezweifelt werden, dass es bis in die 1970er Jahre so etwas wie ein Zusammengehörigkeitsgefühl, Solidarität unter den homosexuellen Männern oder das Bewusstsein für das einende Schicksal gegeben hat. Es ist daher nicht verwunderlich, dass auch die Historie der homosexuellen Männer Münchens oft anhand von Einzelschicksalen beschrieben wird.
1 Einleitung und Motive der Arbeit: Einführung in das Forschungsfeld und die methodische Herangehensweise an die Geschichte der Verfolgung sowie an die Gedächtnisproblematik.
2 Zeitenwenden – Geschichte der Homosexualität in München: Analyse der rechtlichen und sozialen Repression von 1871 bis 1969, mit Schwerpunkt auf der NS-Zeit und der Situation nach 1945.
3 „Du sollst dich erinnern!“: Theoretische Auseinandersetzung mit den geschichtswissenschaftlichen Konzepten von kollektivem und kulturellem Gedächtnis.
4 Der lange Weg zum Gedenken: Untersuchung der Emanzipationsbewegung ab 1969 und der Institutionalisierung, die zur Etablierung eines öffentlichen Gedenkens führte.
5 Resümee: Fazit der historischen Rekonstruktion und Ausblick auf die Bedeutung der Gedenkkultur für zukünftige Generationen.
Homosexualität, München, § 175, Nationalsozialismus, Verfolgung, Gedächtnis, Erinnerungskultur, Solidargemeinschaft, Emanzipation, Rosa Winkel, KZ Dachau, Mahnmal, Stadtgeschichte, Identität, Diskriminierung
Die Arbeit befasst sich mit der Aufarbeitung der Geschichte staatlicher Verfolgung homosexueller Männer in München und der Frage, wie diese Verfolgung in das kollektive Gedächtnis der heutigen Stadtgesellschaft übergegangen ist.
Die zentralen Felder sind die strafrechtliche Verfolgung aufgrund des § 175, die Lebensbedingungen unter der NS-Diktatur sowie die Entwicklung der homosexuellen Emanzipationsbewegung ab 1969 in München.
Das Hauptziel ist zu klären, wie sich der Prozess des Erinnerns entwickelte und welche Voraussetzungen erfüllt sein mussten, damit die Verfolgung dieser Minderheit Eingang in das kollektive und kulturelle Gedächtnis fand.
Die Autor wendet die theoretische Typologie der Gedächtnisverankerung von Aleida Assmann an, um historische Ereignisse im Kontext der soziologischen und geschichtswissenschaftlichen Forschung zu deuten.
Der Hauptteil analysiert die rechtliche Situation vom Kaiserreich bis in die späte Bundesrepublik, die theoretischen Grundlagen des Gedächtnisses und die Institutionalisierung homosexueller Vereine wie der HAG und des VSG.
Wichtige Begriffe sind Homosexualität, § 175, Erinnerungskultur, Solidargemeinschaft, KZ Dachau und Emanzipation.
Die Münchner Polizei war bereits früh und sehr systematisch an der Überwachung und Verfolgung beteiligt und passte sich auch unter der NS-Herrschaft mit besonderem Eifer den vorgegebenen Ideologien an.
Der Fortbestand des § 175 und ein weit verbreitetes gesellschaftliches Schweigen („kommunikatives Beschweigen“) sowie der Ausschluss von Entschädigungsleistungen verhinderten lange Zeit die Bildung einer politischen Erinnerungsgemeinschaft.
Durch den Einzug in den Stadtrat schuf die Rosa Liste eine institutionelle Basis, die es ermöglichte, politische Entscheidungen über Gedenkstätten und Mahnmale in München aktiv mitzugestalten.
Obwohl die AIDS-Krise eine enorme Bedeutung für die Szene hatte, wurde sie aufgrund des begrenzten Umfangs der Masterarbeit bewusst ausgeklammert, da sie eine eigenständige Forschungsarbeit erfordern würde.
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