Magisterarbeit, 2009
72 Seiten, Note: 2,7
0. Einleitung
1. Ursprünge des mystischen Denkens
1.1. Die antiken Mysterienkulte
1.2. Die theoria bei Platon und Sokrates
1.3. Die Mystik Plotins
1.4. Die muslimische Tradition
1.5. Die Rezeption durch den Westen
1.6. Die christliche Tradition
2. Der Lebensweg al-Ghazalis
2.1. Vom Theologen zum Mystiker
2.2. Al-Ghazali und die (islamische) Philosophie
2.3. Zwei theologische Erneuerer, Thomas von Aquin und al-Ghazali
3. Das Elixier der Glückseligkeit
3.1. Vorbemerkungen über das „Elixier“
3.2. Über die Selbsterkenntnis
3.3. Von dem rechten Umgang mit den Menschen
3.4. Von der Liebe
4. Die mystische Theologie al-Ghazalis
4.1. Stufen des Eingottglaubens
4.2. Gottvertrauen und Wahrhaftigkeit
4.3. Außer Gott ist nichts!
4.4. Die Verborgenheit Gottes
4.5. Der Weg der Gottesfreunde ist die Liebe
5. Das Sprechen von Gott
5.1. Über die Subjektivität mystischen Denkens
5.2. Möglichkeiten des interkulturellen Vergleichs
5.3. Die Armutsmystik
5.4. Die Liebesmystik
5.5. Die Lichtmystik
6. Fazit
Diese Arbeit untersucht die Rolle mystischer Erfahrung als Fundament für religiöses Denken, wobei der Schwerpunkt auf einer komparativen Analyse zwischen christlichen und muslimischen Mystikern liegt. Ziel ist es, durch die Untersuchung von al-Ghazalis Leben und Werk sowie deren Vergleich mit Denkern wie Thomas von Aquin, ein tieferes Verständnis für die psychologischen und intellektuellen Dimensionen der Gottesbeziehung und der Suche nach Wahrhaftigkeit zu gewinnen.
3.2. Über die Selbsterkenntnis
Um die wahre Bedeutung des Glaubens erkennen zu können, soll der Mensch zunächst mit der Selbstbetrachtung beginnen. Aus ihr lässt sich nach Ghazali erkennen, was dem Wesen des Menschen in Wirklichkeit zu Grunde liegt, worin sein Glück und sein Elend bestehen und welchen Zweck sein Dasein besitzt. Dazu vergleicht er die Eigenschaften des Menschen mit denen des Viehes (Essen, Schlafen und Begatten), der Raubtiere (Schlagen, Töten und Rasen), sowie der Teufel (Böses anstiften, Betrügen und Überlisten) und Engel (Anschauen der göttlichen Schönheit). Er sieht dabei alle diese Eigenschaften im Menschen angelegt und die Kunst des Gottsuchenden ist es nun, die Eigenschaften des Viehes und der Raubtiere in ihrem Nutzen zu erkennen und sich ihrer zu bedienen, anstatt sich zum Sklaven zu machen und ihnen zu dienen.
Darauf stellt sich natürlich die Frage nach dem Wesen der Person, welche sich der Eigenschaften bedienen kann. Der Leib–Seele-Dualismus Ghazalis beruht auf der Gegenüberstellung einmal des sinnlich Wahrnehmbaren, also auch aller Eigenschaften, die er dem Vieh und den Raubtieren zuordnet, bzw. die sich davon ableiten lassen. Dem stellt er gegenüber das Herz, von dem er sagt: „Wenn wir also von dem Herzen sprechen, so wisse, dass wir damit das wahre Wesen des Menschen meinen, das man sonst bald Geist, bald Seele nennt, nicht aber jenes Stück Fleisch, das in der linken Seite deiner Brust sitzt;...“. Die Eigenschaft des wahrhaft Erkennenden besitzt für ihn allein das Herz, das dazu aufgerufen ist, sich selbst zu erkennen: „Die Erkenntnis seines Wesens und seiner Eigenschaften ist der Schlüßel zur Erkenntnis Gottes. Darum bemühe dich, es zu erkennen, denn es ist eine edle Substanz von der Art der Substanz der Engel, und sein Ursprungsort ist die Gottheit, dorther kam es, und dorthin wird es gehen.“.
0. Einleitung: Diese Einleitung führt in die esoterische Sichtweise großer Religionen ein und stellt al-Ghazali als zentrale Figur vor, deren Werk einen Synkretismus aus Dogmatik, Philosophie und Weisheit darstellt.
1. Ursprünge des mystischen Denkens: Das Kapitel beleuchtet die kulturellen und philosophischen Wurzeln des mystischen Denkens von antiken Mysterienkulten über Platon bis hin zur Emanationslehre Plotins und deren Rezeption.
2. Der Lebensweg al-Ghazalis: Dieser Abschnitt zeichnet al-Ghazalis Biographie nach, seine intellektuelle Krise, seine Abkehr von der akademischen Laufbahn und seine Auseinandersetzung mit Philosophie und Theologie.
3. Das Elixier der Glückseligkeit: Hier wird al-Ghazalis Schlüsselwerk analysiert, das als Wegweiser für ein gottgefälliges Leben dient, mit Fokus auf Selbsterkenntnis, zwischenmenschlichem Umgang und der Bedeutung der Liebe.
4. Die mystische Theologie al-Ghazalis: Dieses Kapitel vertieft die Theologie al-Ghazalis, insbesondere die Stufen des Glaubens, die Bedeutung des Gottvertrauens und das Konzept der „Verborgenheit Gottes“.
5. Das Sprechen von Gott: Der Abschluss diskutiert die Subjektivität mystischen Denkens im Licht der Reformed Epistemology und vergleicht interkulturell Konzepte wie Armutsmystik, Liebesmystik und Lichtmystik.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie das mystische Streben nach Gott trotz kultureller Unterschiede eine Brücke zwischen den Traditionen schlägt und eine Antwort auf die spirituellen Krisen der Gegenwart bietet.
Mystik, al-Ghazali, Sufismus, Christliche Mystik, Gotteserkenntnis, Selbsterkenntnis, Theoria, Liebe, Armutsmystik, Lichtmystik, Reformed Epistemology, Gottesliebe, Wahrhaftigkeit, Ontologische Theologie, Unio Mystica
Die Arbeit untersucht die mystische Erfahrung als Glaubensgrundlage im Vergleich zwischen christlichen und muslimischen Traditionen, wobei das Denken al-Ghazalis im Zentrum steht.
Zentrale Themen sind die Ursprünge mystischen Denkens, die Biographie und Theologie al-Ghazalis, das Konzept des „Elixiers der Glückseligkeit“ sowie die Phänomene der Liebes-, Armuts- und Lichtmystik.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie mystische Traditionen durch eine individuelle und psychologische Suche nach Gott trotz dogmatischer Unterschiede zu ähnlichen existentiellen Antworten gelangen.
Die Arbeit nutzt einen komparativen religionswissenschaftlichen und philosophischen Ansatz, gestützt auf historische Biographien und theologische Analysen unter Einbeziehung philosophischer Modelle wie der Reformed Epistemology.
Der Hauptteil analysiert al-Ghazalis Entwicklung zum Mystiker, sein Werk „Das Elixier der Glückseligkeit“, sowie spezifische mystische Strömungen wie die Armuts- und Lichtmystik im Islam und Christentum.
Wichtige Begriffe sind Mystik, al-Ghazali, Sufismus, Selbsterkenntnis, Gotteserkenntnis, Liebe und die transzendentale Theologie.
Während die christliche Mystik oft das „dunkle“ Mysterium betont, nutzt die islamische Mystik Lichtallegorien, um Gottes alles durchdringende Anwesenheit und die Rückkehr zum göttlichen Ursprung zu verdeutlichen.
Al-Ghazali wird als ein herausragender Denker betrachtet, dem es gelang, orthodoxen Glauben mit esoterischer Weisheit zu versöhnen, und der damit eine Brücke zwischen traditionalistischer und philosophischer Theologie schlug.
Es beschreibt den Prozess, bei dem der Mystiker sein individualistisches Ego (nafs) überwindet, um in eine unio mystica einzutreten, in der nur noch der Wille Gottes durch das Herz wirkt.
Es ist ein Schlüsselwerk, das al-Ghazali verfasste, um seine mystische Weisheitslehre einem breiteren Publikum zugänglich zu machen und den Menschen zur inneren Ruhe und Gottesnähe zu führen.
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