Magisterarbeit, 2003
82 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Fernsehnachrichten in der Bundesrepublik Deutschland
2.1 Entwicklung von Fernsehnachrichten in der BRD
2.2 Funktion und Leistungen von Fernsehnachrichtensendungen als Teil des journalistischen Systems
3. Journalismus als Wirklichkeitskonstruktion
3.1 Der ´ptolemäische´ Standpunkt
3.2 Der ´kopernikanische´ Standpunkt
4. Klassische Theorie- und Untersuchungsansätze zur Nachrichtenauswahl
4.1 Die Nachrichtenwert-Theorie
4.1.1 Ursprung der Nachrichtenwert-Theorie in den USA
4.1.2 Beginn der europäischen Tradition
4.1.3 Nachrichtenfaktorenkatalog von Galtung und Ruge
4.1.4 Theoretische Neuorientierung durch Schulz
4.1.5 Erklärungspotential der Nachrichtenwert-Theorie
4.1.6 Fernseh-Nachrichtenfaktorenkatalog von Kamps und Meckel
4.2 Die Gatekeeper-Forschung
4.2.1 Individualistische Untersuchungen
4.2.2 Institutionale Untersuchungen
4.2.3 Kybernetische Untersuchungen
4.2.4 Integratives Gatekeeping-Modell Shoemakers
4.2.5 Erklärungspotential der Gatekeeper-Forschung
4.3 Die News Bias-Forschung
5. Auswahl und Ausschluss von Nachrichten an aktuellen Beispielen
5.1 Themenstruktur und Nachrichtengeographie der Tagesschau 2002
5.2 Die Initiative Nachrichtenaufklärung
5.2.1 Entstehung der jährlichen Top Ten-Liste
5.2.2 Ursachen für das Ausbleiben von Themen nach Pöttker und Ludes
5.2.3 Die Top Ten des Jahres 2002
5.2.4 Kollektive Vernachlässigung?
6. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der Nachrichtenselektion in deutschen Fernsehnachrichtensendungen. Dabei analysiert der Autor, welche journalistischen Selektionskriterien und Einflussfaktoren die Nachrichtenproduktion bestimmen, wie die Medien Wirklichkeit konstruieren und warum bestimmte Themen systematisch vernachlässigt werden.
3. Journalismus als Wirklichkeitskonstruktion
Obwohl empirische Befunde belegen, dass eine Mehrheit der deutschen Journalisten nach eigenen Angaben das Ziel verfolgt, mit Hilfe ihres Mediums die Realität abzubilden, und rund 80% glauben, dass die Berichterstattung diesem Ziel überwiegend auch gerecht wird (vgl. Scholl/Weischenberg 1998a, 142), „[...] ist in einem interdisziplinären wissenschaftlichen Diskurs gründlich mit der Vorstellung aufgeräumt worden, die Menschen hätten einen direkten Zugriff auf die Realität und könnten diesen Zugriff an Journalistinnen und Journalisten delegieren“ (ebd. 143):
Absolute Maßstäbe wie Wahrheit, Objektivität, und der Anspruch, mit den Mitteln des Journalismus die Wirklichkeit abzubilden, sind [...] nicht zu vereinbaren mit den empirisch belegten Erkenntnissen zur menschlichen Wahrnehmung und Kommunikation, die Biologen, Psychologen und Kybernetiker anbieten. Sie belehren uns, daß wir nicht in der Lage sind, mit Hilfe unserer Sinnesorgane direkt auf ´die Welt´ zuzugreifen. Das Nervensystem ist ein geschlossenes System, das zur Umwelt keine direkten Verbindungen hat. Es ist offen für Anregungen, die es aber in seiner eigenen Sprache verarbeitet. Unser Bewußtsein ist [...] in diesem Verständnis nichts anderes als das Ergebnis von Verarbeitungsprozessen im Gehirn (Weischenberg 1992, 218).
Genauso wie es sich bei der menschlichen Wahrnehmung und dem Versuch, der (Um-)Welt einen Sinn zuzuordnen, um eine Konstruktion von Realität handelt, können auch die Massenmedien lediglich Wirklichkeitsentwürfe anbieten, zumal an massenmedialen Beobachtungsprozessen in den allermeisten Fällen gleich mehrere Instanzen beteiligt sind. Dies ist wohl für keinen Bereich offensichtlicher als für den der Nachrichten, da diese, bevor sie die Rezipienten schließlich erreichen, von einzelnen Journalisten, Redaktionen oder Nachrichtenagenturen bereits mehrfach thematisch neu zugeordnet, bearbeitet und interpretiert worden sind.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, wie journalistische Auswahlprozesse die Nachrichtenwelt strukturieren und welche zentralen Fragen die Arbeit leiten.
2. Fernsehnachrichten in der Bundesrepublik Deutschland: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Fernsehnachrichten in der BRD nach und diskutiert deren Funktion als Hauptbeobachter der Gesellschaft.
3. Journalismus als Wirklichkeitskonstruktion: Hier werden die epistemologischen Grundlagen der Wirklichkeitskonstruktion durch Medien erörtert und die ptolemäische sowie die kopernikanische Sichtweise gegenübergestellt.
4. Klassische Theorie- und Untersuchungsansätze zur Nachrichtenauswahl: Dieses Kapitel behandelt die Nachrichtenwert-Theorie, die Gatekeeper-Forschung sowie die News Bias-Forschung und bewertet deren Erklärungskraft.
5. Auswahl und Ausschluss von Nachrichten an aktuellen Beispielen: Anhand einer Analyse der Tagesschau 2002 und der Arbeit der Initiative Nachrichtenaufklärung wird diskutiert, wie Nachrichtenauswahl in der Praxis erfolgt.
6. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert über die Möglichkeiten und Grenzen der medienkritischen Forschung.
Nachrichtenselektion, Fernsehnachrichten, Nachrichtenwert-Theorie, Gatekeeper-Forschung, Wirklichkeitskonstruktion, Tagesschau, Initiative Nachrichtenaufklärung, Journalismus, Medienkritik, Nachrichtenfaktoren, Nachrichtenfluss, Mediensystem, Objektivität, Informationsangebot.
Die Arbeit untersucht die Mechanismen, nach denen Journalisten im Fernsehen entscheiden, welche Ereignisse zur Nachricht werden und welche ignoriert werden.
Die Arbeit behandelt die historischen und theoretischen Grundlagen der Nachrichtenselektion, die Rolle von Gatekeepern im Redaktionsalltag sowie die kritische Analyse von Nachrichten-Vernachlässigungen durch Organisationen wie die Initiative Nachrichtenaufklärung.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum eine "objektive" Abbildung der Realität unmöglich ist und durch welche organisationellen und psychologischen Faktoren das journalistische "Wirklichkeitsmodell" im Fernsehen geprägt wird.
Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse, um bestehende Ansätze (Nachrichtenwert-Theorie, Gatekeeper-Forschung) zu evaluieren, sowie auf eine eigene Inhaltsanalyse der Tagesschau-Daten aus dem Jahr 2002.
Im Hauptteil werden zunächst klassische Theorien zur Nachrichtenauswahl detailliert dargestellt und diskutiert. Anschließend folgt eine praktische Analyse der Tagesschau-Themenstruktur sowie eine Auseinandersetzung mit der Kritik vernachlässigter Themen.
Die wichtigsten Begriffe sind Nachrichtenselektion, Wirklichkeitskonstruktion, Nachrichtenwert-Theorie, Gatekeeper-Forschung und der journalistische Selektionsprozess.
Während die ptolemäische Sichtweise Medien als passive Vermittler einer vorgegebenen Realität betrachtet, begreift die kopernikanische Sichtweise Medien als aktive Bestandteile der Gesellschaft, die Wirklichkeit erst konstruieren.
Die Initiative dient dem Autor als Fallbeispiel, um die Problematik eines "utopischen" Realitätsmaßstabs in der Medienkritik aufzuzeigen und zu hinterfragen, ob "vernachlässigte Themen" tatsächlich das Ergebnis von bewusster Zensur oder systemimmanenter Selektionsmechanismen sind.
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