Diplomarbeit, 2012
84 Seiten
1 Einleitung
2 Einführung
2.1 Der Schwank und die Schwankfiguren
2.2 Die Narrentypen
2.2.1 Der Hofnarr
2.2.2 Der bürgerlich-bäuerliche Narr
2.2.3 Der Eulenspiegeltyp
2.3 Wer oder was ist Dil Ulenspiegel?
2.3.1 Was ist ein Narr?
2.3.2 Was ist ein Schalk?
2.3.3 Die Konzeption des Diabolischen
2.3.4 Der Teufel und der Karneval
2.3.5 Ulenspiegel als diabolischer Schalksnarr
3 Michail Bachtin: Der Karneval
3.1 Das volkstümliche Karnevalslachen
3.1.1 Rituell-szenische Formen
3.1.2 Komische Texte
3.1.3 Formen und Gattungen der familiären Rede des Marktplatzes
3.2 Das materiell-leibliche Lebensprinzip
3.3 Tabu und Tabuverletzung
3.4 Das Karnevalslachen
3.5 Kritik an Bachtin
4 Die karnevalesken Elemente bei Dil Ulenspiegel
4.1 Fäkalien
4.1.1 Psychoanalytischer Ansatz
4.1.2 Fäkalien als Tabubruch
4.1.2.1 Der blanke Hintern
4.1.2.2 Die Sünder und die Unschuldigen
4.1.3 Fazit
4.2 Fressen
4.3 Verkehrte Welt
4.3.1 Alphabetischer Gehorsam
4.3.2 Materielle Verkehrungen
4.3.3 Das Spiel der Verstellung
5 Das befreiende Lachen
6 Dil, der karnevaleske Held
Die Arbeit untersucht die Figur des Dil Ulenspiegel aus dem ältesten erhaltenen Druck von 1515, um zu klären, ob es sich dabei um einen karnevalesken Helden handelt und das Werk als karnevalesker Schwankroman einzustufen ist. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, die inhomogene Figur anhand der Theorie des Karnevalesken nach Michail Bachtin greifbar zu machen und ihre absurden Handlungen zu erklären.
2.3.3 Die Konzeption des Diabolischen
Der Begriff Schalkheit vertritt vor allem „die grundlose Bosheit und Gemeinheit, wie sie in vielen Episoden des Ulenspiegel zu Tage tritt.“ Reinhard Heinritz bezeichnet Ulenspiegel auch als „kleine[n] Teufel“, allerdings hält er ihn nicht für einen anti-christlichen Rebellen, „der die religiösen Überzeugungen seiner Umwelt zu untergraben trachtet. [...] [E]in säkularer Diabolus, der provoziert, um zu provozieren.“ In diesem Punkt kann man Heinritz durchaus Recht geben, doch ist es notwendig, diesen Gedanken des Diabolischen noch weiter zu verfolgen. Eine neue Perspektive auf Dil Ulenspiegel ergibt sich, wenn man den Verweis von Bernd Ulrich Hucker berücksichtigt, der einen Versuch einer Neuinterpretation dieser Figur unternimmt. Er verweist auf den Malleus maleficarum (Hexenhammer) von 1487, in dem ausdrücklich davor gewarnt wird, „ein Neugeborenes über einen Steg zwischen zwei Pfarrdörfern zu tragen. Fällt es herunter, so geben die im Wasser lebenden Dämonen statt seiner einen Wechselbalg heraus.“ So erscheint die dreifache Taufe Dils in der ersten Historie nicht mehr als lustiger Zufall, sondern als bewusste Konzeption einer dämonischen Präsenz, welche die Boshaftigkeit Ulenspiegels über das Werk hinweg rechtfertigt, denn ein gottesfürchtiger Mensch könnte nie so schelmisch, bösartig und hinterlistig sein wie Dil. So behauptet Hucker, dass Dil als Teufelsbrut konzipiert wurde. Dies ist einleuchtend, betrachtet man sich auch die anderen Historien, in denen es um Sakramente geht oder diese angedeutet werden, denn die sakralen Riten haben keinerlei Effekt auf Ulenspiegel.
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Figur des Till Eulenspiegel vor und formuliert die zentrale Fragestellung der Arbeit bezüglich ihres karnevalesken Charakters.
2 Einführung: Dieses Kapitel definiert den Schwank und die verschiedenen Narrentypen sowie die begriffliche Abgrenzung von Narr und Schalk.
3 Michail Bachtin: Der Karneval: Hier wird die theoretische Grundlage von Michail Bachtin zum Karnevalslachen und zur volkstümlichen Kultur dargelegt und kritisch reflektiert.
4 Die karnevalesken Elemente bei Dil Ulenspiegel: Dieser Hauptteil analysiert spezifische Motive wie Fäkalien, Fressen und die verkehrte Welt innerhalb der Historien auf ihre karnevaleske Funktion hin.
5 Das befreiende Lachen: Dieses Kapitel untersucht die Funktion und Konnotation des Lachens innerhalb der Schwanksammlung und seine Auswirkungen auf die beteiligten Akteure.
6 Dil, der karnevaleske Held: Das abschließende Kapitel beantwortet die Forschungsfrage und resümiert, dass Dil Ulenspiegel als egoistischer karnevalesker Held zu verstehen ist.
Dil Ulenspiegel, Schwank, Karneval, Bachtin, Narr, Schalk, Diabolisch, Fäkalien, Fressen, Verkehrte Welt, Karnevaleskes, Grotesker Körper, Tabubruch, Inversion, Mittelalter
Die Arbeit untersucht die literarische Figur des Dil Ulenspiegel im historischen Kontext des 16. Jahrhunderts und analysiert, ob und inwiefern sie als "karnevaleske Figur" nach dem theoretischen Modell von Michail Bachtin bezeichnet werden kann.
Zentrale Themen sind die Typisierung der Narrenfigur, die Verbindung zwischen der Figur und dem Diabolischen sowie die Anwendung spezifischer karnevalesker Elemente wie Fäkalmotivik, exzessives Essen und das Prinzip der verkehrten Welt.
Das primäre Ziel ist es, die inhomogene Figur Dil Ulenspiegel theoretisch greifbar zu machen und zu klären, ob das Werk "Ein kurzweilig Lesen von Dil Ulenspiegel" als karnevalesker Schwankroman interpretiert werden kann.
Die Arbeit stützt sich primär auf eine literaturwissenschaftliche Analyse, wobei die Theorien von Michail Bachtin zum Karneval und zur volkstümlichen Lachkultur als interpretatorischer Rahmen angewandt werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in das Bachtin'sche Karnevalsverständnis und eine detaillierte textimmanente Analyse der Historien hinsichtlich karnevalesker Inversionen und Tabubrüche.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "karnevalesker Held", "grotesker Körper", "Schalksnarr", "Inversion" und die Auseinandersetzung mit "diabolischen Elementen" maßgeblich geprägt.
Die Autorin argumentiert, dass Ulenspiegels Handlungen – wie die absichtliche Provokation, die Gier und der gezielte Einsatz von Fäkalien – über bloße Schalkheit hinausgehen und auf ein gottesfernes, in der mittelalterlichen Tradition als "Teufelsbrut" oder "diabolisch" klassifiziertes Wesen hindeuten.
Die Arbeit nimmt eine kritische Haltung ein; während Bachtins Idealbild des "befreienden Lachens" eine nützliche Analysemethode bietet, stellt die Autorin fest, dass das Lachen im Ulenspiegel oft eher destruktiv oder exklusiv statt universal-kollektiv ist, was Bachtins Utopie in Frage stellt.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

