Bachelorarbeit, 2012
28 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Opfersymbole – Ein erster Zugang
2.1. Der Pfahl
2.2. Die Schuhe
2.3. Das sprachliche Opfer
3. Opferrollen – Versuch einer Zuordnung
3.1. Barblin – Sündenbock?
3.2. Andri – Tatsächlich ein Opfer?
3.3. Lehrer und Senora – Ein Ausbruch
4. Der Raum – Schlüssel zum Opfertext?
4.1. Eine heilige Zeit in Andorra?
4.2. Bühnenraum = Opferraum
5. Schlussbemerkungen
Diese Bachelorarbeit untersucht Max Frischs Theaterstück „Andorra“ auf die darin enthaltenen Opferstrukturen. Das zentrale Forschungsziel besteht darin, die bisher oft oberflächliche oder widersprüchliche Interpretation der Figuren und Handlungen als „Opfer“ kritisch zu hinterfragen und zu systematisieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit das Stück als „Opfertext“ gelesen werden kann, indem theoretische Modelle zur Opferthematik (u.a. von René Girard, Mircea Eliade und Henri Hubert & Marcel Mauss) auf Symbole, Sprachverwendung sowie Raum-Zeit-Strukturen angewendet werden.
2.1. Der Pfahl
In Andorra gibt es zwei hervorstechende Opfersymbole, die eine erste Bewertung des Stücks hinsichtlich der Opferthematik zulassen. Ein erstes Opfersymbol äußert sich bereits im ersten Bild im Gespräch des Lehrers mit dem Tischler, nämlich der Pfahl:
Lehrer Woher kommt dieser Pfahl?
Tischler Ich weiß nicht, was Sie meinen.
Lehrer Dort!
Tischler Sie sind ja bleich.
Lehrer Ich schreche von einem Pfahl! 6
Der Pfahl wird vom Lehrer gesehen, aber vom Tischler geleugnet. Es entsteht ein Bruch zwischen der verbalen und der non-verbalen Ebene, denn das Gesagte deckt sich offenbar nicht mit dem Dargestellten. Eine naheliegende Assoziation ist sicher jene mit der Passion Jesu. Petrus leugnet Jesus dreimal. Aber nicht nur zum Christentum lassen sich Verknüpfungen herstellen. Hubert & Mauss beschreiben in ihrer Untersuchung des „Scheme of Sacrifice“ einen Pfahl im Kontext des Hinduismus:
This is the yupa, the stake to which the animal is to be bound. It is not a piece of rough wood, but the tree from which it was hewn had already in itself a divine nature, which unctions and libations have further reinforced. It also occupies a prominent position, for it is there that the victim will stand, the most important of all the visible personages that will take part in the ceremony.7
1. Einleitung: Einführung in das Thema, Klärung des Opferbegriffs und Darstellung der Forschungsrelevanz sowie der Problemstellung hinsichtlich der bisherigen Andorra-Forschung.
2. Opfersymbole – Ein erster Zugang: Analyse der zentralen Symbole „Pfahl“, „Schuhe“ und „Sprache“ als erste Indikatoren für eine Opferthematik innerhalb des Stücks.
3. Opferrollen – Versuch einer Zuordnung: Auseinandersetzung mit der Rollenverteilung der Figuren Barblin, Andri, Lehrer und Senora anhand von Modellen der Opfertheorie, insbesondere dem Sündenbock-Konzept.
4. Der Raum – Schlüssel zum Opfertext?: Untersuchung der Zeitwahrnehmung und des Bühnenaufbaus, um die Frage nach der Existenz eines sakralen Raums in der profanen Welt von Andorra zu beantworten.
5. Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Synthese der Ergebnisse, die Andorra unter Einbeziehung des Bühnenraums als Stück mit sakraler Opferthematik bestätigt.
Andorra, Max Frisch, Opferthematik, Sündenbock, Pfahl-Symbolik, sakraler Raum, Profanität, Verfolgerillusion, Opfertext, Entdifferenzierung, Dramenanalyse, Bühnenraum, Sprache als Opfer, Identität, Figurenanalyse.
Die Arbeit untersucht Max Frischs Theaterstück „Andorra“ und analysiert, ob und wie es als „Opfertext“ interpretiert werden kann, unter Anwendung verschiedener literaturwissenschaftlicher und theoretischer Opfermodelle.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Symbolik (Pfahl, Schuhe), die Rollenzuweisungen der Charaktere (insbesondere das Sündenbock-Modell) sowie die besondere Raum-Zeit-Struktur des Dramas.
Das Ziel ist es, die oft unpräzise Verwendung des Opferbegriffs in der bisherigen Forschung zu Andorra durch eine systematische Analyse zu klären und zu prüfen, ob der Text über das „alltägliche“ Verständnis hinaus Opferstrukturen aufweist.
Es werden interpretative Methoden der Literaturwissenschaft angewandt, die durch kulturwissenschaftliche und anthropologische Theorien von Denkern wie René Girard, Mircea Eliade und Giorgio Agamben gestützt werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine symbolische Ebene (Symbole), eine figurenorientierte Ebene (Opferrollen) und eine strukturelle Ebene (Raum und Zeit auf der Bühne).
Wichtige Begriffe sind unter anderem Andorra, Opferthematik, Sündenbock, Bühnenraum, sakraler Raum und Verfolgerillusion.
Der Pfahl fungiert als zentrales, jedoch in seiner Materialität bewusst zweideutiges Symbol, das textintern sowie aufführungspraktisch als Ankerpunkt für Transzendenz und Opferprozesse interpretiert wird.
Die Arbeit argumentiert, dass erst durch die Unterscheidung von Vordergrund und Hintergrund auf der Bühne der Raum als „Opferraum“ wahrgenommen werden kann, der die profane Welt Andorras vom Zuschauer distanziert.
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