Hausarbeit, 2012
23 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Rollenkonzeption im 18. Jahrhundert
3 Lasterhafte Vergangenheit: Lessings Miss Sara Sampson
3.1 Mellefont, der „kleine Flattergeist“
3.2 Marwood - „Die Natur rüstet das weibliche Geschlecht zur Liebe“
4 Politik oder Liebe: Ferdinand und Lady Milford
5 Fazit
Diese Arbeit untersucht die Figurenkonstellation aus Verführern und deren Gegenspielerinnen in Gotthold Ephraim Lessings Miss Sara Sampson sowie Friedrich Schillers Kabale und Liebe, um zu analysieren, inwieweit diese Charaktere aus den traditionellen Rollenbildern des 18. Jahrhunderts ausbrechen und welche gesellschaftlichen Folgen dies hat.
3.1 Mellefont, der „kleine Flattergeist“
Hempel verweist auf die Doppeldeutigkeit der Figur Mellefont. Er ist ein gemischter Charakter, der genau um die Bedeutung von Tugend und Laster weiß, aber nicht in der Lage ist, danach zu handeln. Das Wechselspiel zwischen Gegenwart (Sara) und Vergangenheit (Marwood) ist bei der Interpretation dieser Figur von besonderem Interesse.
Nach einer mehr als zehnjährigen Verbindung mit der Marwood verlässt Mellefont sie und die gemeinsame Tochter, da er sich in das junge, tugendhafte Mädchen Sara Sampson verliebt hat. Verschiedene Äußerungen über seine Vergangenheit zeigen, dass er ein Verführer der Frauen war und während der Verbindung mit Marwood nicht nur ‚fremdgegangen‘ ist, sondern auch ihr, ebenso wie Sara, eine Heirat versprochen und nicht vollzogen hat. Aus einer Vergangenheit voller Laster heraus wird er nun zu einem Verbrecher, dem Marwood sein Vergehen vor Augen führt:
Dass Sie, als ein Mann, der bei einem langen Umgange mit unserm Geschlechte, in der Kunst zu verführen ausgelernt hatte, gegen ein so junges Frauenzimmer sich Ihre Überlegenheit an Verstellung und Erfahrung zu Nutze machten und nicht eher ruhten, als bis Sie Ihren Zweck erreichten: das möchte noch hingehen; Sie können sich mit der Heftigkeit Ihrer Leidenschaft entschuldigen. Allein, dass Sie einem alten Vater sein einziges Kind raubten; dass Sie einem rechtschaffnen Greise die wenigen Schritte zu seinem Grabe noch so schwer und bitter machten; dass Sie, Ihrer Lust wegen, die stärksten Banden der Natur trennten: das, Mellefont, das können Sie nicht verantworten. (MSS 33)
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die literarische Untersuchung ein und definiert das Ziel, die Rollen der Verführer und Gegenspielerinnen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Frauenbilder des 18. Jahrhunderts zu analysieren.
2 Rollenkonzeption im 18. Jahrhundert: Das Kapitel erläutert den historischen Kontext der Frauenrolle als "zweitrangiges Geschlecht" und die damit verbundene soziale Abhängigkeit vom Mann im Zeitalter der Aufklärung.
3 Lasterhafte Vergangenheit: Lessings Miss Sara Sampson: Hier wird Lessings bürgerliches Trauerspiel hinsichtlich der zentralen Figuren Mellefont und Marwood untersucht, wobei deren moralische Ambivalenz im Fokus steht.
3.1 Mellefont, der „kleine Flattergeist“: Die Analyse konzentriert sich auf Mellefonts psychologischen Wandel und seine Unfähigkeit, die eigene lasterhafte Vergangenheit zugunsten einer tugendhaften Zukunft mit Sara zu überwinden.
3.2 Marwood - „Die Natur rüstet das weibliche Geschlecht zur Liebe“: Dieser Abschnitt betrachtet Marwood nicht nur als bloße Buhlerin, sondern als eigenständiges, intellektuell reflektiertes Subjekt, das durch die gesellschaftliche Doppelmoral in eine tragische Rolle gedrängt wird.
4 Politik oder Liebe: Ferdinand und Lady Milford: Dieses Kapitel vergleicht Schillers Figurenkonstellation mit Lessings Werk und beleuchtet Ferdinands Idealismus sowie Lady Milfords Versuch, ihre Mätressenrolle kritisch zu hinterfragen.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass trotz individueller Bemühungen um moralische Integrität und Entsagung kein Platz für diese Figuren innerhalb der engstirnigen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts existiert.
Aufklärung, Rollenbild, Laster, Tugend, Verführer, bürgerliches Trauerspiel, Literaturgeschichte, gesellschaftliche Normen, Mätresse, Ambivalenz, Identität, Geschlechterdiskurs, Schuld, Emanzipation, Machtstrukturen.
Die Arbeit analysiert die Rollenkonzepte von Verführerfiguren und deren weiblichen Gegenspielern in den Trauerspielen von Lessing und Schiller vor dem historischen Hintergrund des 18. Jahrhunderts.
Im Mittelpunkt stehen das gesellschaftliche Frauenbild, die Ambivalenz moralischer Kategorien wie "Tugend" und "Laster" sowie der Konflikt zwischen privatem Liebesglück und gesellschaftlichem Zwang.
Es soll untersucht werden, ob und inwiefern die behandelten Figuren aus dem traditionellen Rollenverständnis ihrer Zeit ausbrechen und welche Konsequenzen dieser Akt der Emanzipation für ihr Schicksal hat.
Die Analyse folgt einer textimmanenten Untersuchung, die durch kulturgeschichtliche und literaturwissenschaftliche Quellen zum Frauenbild des 18. Jahrhunderts ergänzt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Figuren Mellefont und Marwood aus "Miss Sara Sampson" sowie Ferdinand und Lady Milford aus "Kabale und Liebe" unter Einbeziehung ihrer spezifischen Handlungsweisen und Motivationen.
Zentrale Begriffe sind Aufklärung, Tugend-Laster-Diskurs, Geschlechterrolle, gesellschaftliche Repression und die psychologische Ambivalenz der literarischen Charaktere.
Während Marwood stark durch ihre Boshaftigkeit und ihre Rachegelüste definiert wird, durchläuft Lady Milford eine bewusste Maskerade und eine anschließende moralische Entsagung, die sie als "Johanna von Norfolk" aus der Mätressenrolle befreit.
Die Standesunterschiede zwischen Adel und Bürgertum bilden die Folie, auf der die Liebesbeziehungen scheitern müssen, da die starren gesellschaftlichen Erwartungen an Ehre und Heirat keinen Raum für individuelle Liebesideale lassen.
Beide werden nicht als bloße, skrupellose Verführer betrachtet, sondern als "Übergangscharaktere" oder Repräsentanten idealistischer Liebesphilosophien, die an der eigenen Unfähigkeit oder dem gesellschaftlichen Druck scheitern.
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