Bachelorarbeit, 2012
38 Seiten, Note: 1,0
1. Problemstellung
2. Konzeption und Bedeutung des Fair Values für Finanzinstrumente nach IAS 39
2.1 Allgemeine Vor- und Nachteile des Fair Value Accountings
2.2 Bewertung der Finanzinstrumente vor und ab der Krise
2.2.1 Klassifizierung und Umwidmung vor der Krise
2.2.2 Änderungen durch die Nacht-und-Nebel-Aktion des IASB
2.2.3 Auswirkungen auf die Bilanzen der Bankkonzerne
3. Das aufsichtsrechtliche Eigenkapital bei Finanzinstitutionen
3.1 Die Ermittlung auf Basis des IFRS-Konzernabschlusses
3.2 Die Prudential Filters
3.3 Kritische Würdigung
4. Fair Value, Eigenkapitalregulierung und Prozyklizität
5. Zukunft des Fair Value Accountings
6. Fazit
Die Arbeit untersucht die kontroverse Rolle des Fair Value Accountings (FVA) während der Finanzkrise 2008 und prüft, ob sich dieser Bewertungsansatz bei der Bilanzierung finanzieller Vermögenswerte von Banken als ungeeignet erwiesen hat. Ein zentrales Ziel ist die Analyse des Einflusses der FVA-Bewertung auf das aufsichtsrechtliche Eigenkapital der Institute sowie der Zusammenhang zwischen Rechnungslegungsvorschriften und der beobachteten Prozyklizität im Finanzsystem.
2.1 Allgemeine Vor - und Nachteile des Fair Value Accountings
In der Wirtschaftspresse tauchte vermehrt die Aussage auf, dass es einen herrschenden Konsens darüber gebe, dass das FVA der Grund für die Finanzkrise sei. Wieso aber kommt dieser Vorwurf zustande, wenn man bedenkt, dass der FV in einem perfekten, sich im Gleichgewicht befindlichen Markt allen geforderten Ansprüchen gerecht würde? Befürworter des FVA sind entgegen diesem Vorwurf davon überzeugt, dass die jeweils gegebenen Marktverhältnisse optimal abgebildet und somit zeitgenaue Informationen widergespiegelt werden. Aus diesem Argument heraus lassen sich ebenfalls ein Transparenzzuwachs und eine bessere Grundlage für Marktentscheidungen ableiten. Wie bereits aufgeführt, zielt das IASB mit seinen Rechnungslegungsidealen genau auf diese Anforderungen ab, denn die Informationen über die tatsächliche wirtschaftliche Lage stehen hier im Vordergrund.
Wenn durch die Bilanzen die genauen Marktwerte jeder einzelnen Aktiva- und Passivaposition dargestellt würden, gäbe es keine Informationsasymmetrien mehr, sondern vollkommene Transparenz. Die Rechnungslegung könnte als perfekt angesehen werden, was sie somit allerdings überflüssig machte. Da wir uns aber in der Realität auf unvollkommenen Märkten befinden, kann das IASB lediglich versuchen, die Informationsungenauigkeit so klein wie möglich zu halten, um Fehlentscheidungen zu minimieren. Der FV wäre also hier das Mittel zum Zweck. Weitergehend lässt sich konstatieren, dass aufgrund von Unvollkommenheiten alle Rechnungslegungsinstitute vor dem Trade-off stehen, sich bei der Entwicklung von Standards zwischen Relevanz und Verlässlichkeit entscheiden zu müssen. Deshalb stützen Gegner des FVA ihre Argumente auf die Fehlanreize, die von den Zeitwerten ausgehen, da es nicht immer relevante Informationen bereitstellt. Dies trifft speziell dann zu, wenn Marktpreise wegen Arbitrage oder Irrationalitäten nicht deckungsgleich mit den fundamentalen Preisen sind und verlässlichere Werte hier aussagekräftiger wären. Wie eingangs im Kapitel 2 beschrieben, lässt die mark-to-model Methode zu, dass die beizulegenden Zeitwerte fehlerhaft und nicht dem Markt entsprechend ermittelt werden könnten und somit zu einer Verzerrung der tatsächlichen Lage führten, insbesondere dann, wenn wir uns auf illiquiden oder inaktiven Märkten befinden.
1. Problemstellung: Dieses Kapitel führt in die Debatte um das Fair Value Accounting als mögliche Ursache der Finanzkrise ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Tauglichkeit dieses Bewertungsansatzes.
2. Konzeption und Bedeutung des Fair Values für Finanzinstrumente nach IAS 39: Hier werden die methodischen Grundlagen der Fair-Value-Bewertung sowie die Kritik daran erörtert, ergänzt durch eine Analyse der Bewertungskategorien und der regulatorischen Anpassungen während der Krise.
3. Das aufsichtsrechtliche Eigenkapital bei Finanzinstitutionen: Das Kapitel beleuchtet, wie Banken ihr regulatorisches Eigenkapital ermitteln und welche Rolle "Prudential Filters" spielen, um die Volatilität aus dem IFRS-Abschluss von der Aufsicht zu entkoppeln.
4. Fair Value, Eigenkapitalregulierung und Prozyklizität: Die Analyse konzentriert sich auf die Wechselwirkungen zwischen Bilanzierungsvorschriften und der prozyklischen Wirkung auf die Kreditvergabe und das Finanzsystem.
5. Zukunft des Fair Value Accountings: Es erfolgt ein Ausblick auf die Weiterentwicklung des Rechnungslegungswerks hin zu IFRS 9 und die damit verbundenen Herausforderungen bei der Umklassifizierung.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass das FVA zwar ökonomische Effekte hat, jedoch nicht allein für die Krise verantwortlich gemacht werden kann, und empfiehlt, systemische Risiken über Aufsichtsregeln statt über Änderungen der Rechnungslegung zu steuern.
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Die Arbeit analysiert die Auswirkungen des Fair Value Accountings (FVA) auf die Bilanzen von Banken während der Finanzkrise 2008 und untersucht dessen Einfluss auf das aufsichtsrechtliche Eigenkapital.
Zentrales Thema ist die kritische Auseinandersetzung mit der Bewertung finanzieller Vermögenswerte zum Zeitwert und die Frage, inwieweit diese Praxis zu systemischen Problemen oder einer Verschärfung der Krise beigetragen hat.
Die Forschungsfrage lautet, ob sich das FVA durch die Finanzkrise und deren Implikationen als "nicht tauglich" herausgestellt hat und ob eine Rückkehr zur Bewertung nach Anschaffungskosten eine sinnvolle Lösung darstellt.
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse der IFRS-Rechnungslegungsvorschriften sowie die Auswertung empirischer Befunde deutscher Banken, um die Auswirkungen der Umklassifizierungsmaßnahmen von 2008 zu beurteilen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Konzepte des Fair Value, die Analyse der spezifischen Bankenaufsichts-Regeln (wie Prudential Filters) und die Untersuchung der Prozyklizität in Abhängigkeit von den Rechnungslegungsmethoden.
Wichtige Begriffe sind Fair Value, IFRS, Finanzinstrumente, Eigenkapitalregulierung, Prozyklizität und Prudential Filters.
Diese Änderungen ermöglichten es Banken, Finanzinstrumente schneller umzugliedern, um negative Auswirkungen der Zeitwertbewertung auf das Eigenkapital während der Marktverwerfungen zu begrenzen.
Kritiker führen an, dass die Zeitwertbewertung in Krisenzeiten zu einer Abwärtsspirale führt, da fallende Marktpreise Banken zu weiteren Abschreibungen zwingen, was das Vertrauen im Finanzsektor schwächt.
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