Bachelorarbeit, 2011
44 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Zusammenhang von Gesellschaft, Geschlecht und Sport
3 Geschlechtstests im Sport
3.1 Konstruktion des biologischen Geschlechts
3.1.1 chromosomales Geschlecht
3.1.2 gonadales Geschlecht
3.1.3 hormonelles Geschlecht
3.1.4 morphologisches Geschlecht
3.1.5 zerebrales Geschlecht
3.2 Geschlechtstest im Sport
3.2.1 Visuelle Inspektion
3.2.2 Visuelle und gynäkologische Überprüfung
3.2.3 Geschlechts-Chromatin-Test
3.2.4 PCR-Untersuchung auf SRY
3.3 Zwischenfazit
4 Geschlecht als soziales Konstrukt
4.1 Sex und Gender
4.2 Interkultureller Vergleich
4.3 Konstruktionskonzepte des sozialen Geschlechts
4.3.1 Transsexualität als Bruch der Normalität
5 Aktuelle Richtlinien des Sports
6 Schluss
Diese Arbeit untersucht die Geschlechterkonstruktion im Leistungssport am Beispiel von Geschlechtstests. Dabei wird analysiert, inwieweit das Geschlecht biologisch-medizinisch messbar ist und wie gesellschaftliche Alltagstheorien sowie sozialwissenschaftliche Ansätze die Kategorisierung von Menschen in ein binäres Geschlechtersystem beeinflussen.
3.2.1 Visuelle Inspektion
Die ersten Geschlechtstests wurden 1966 bei der Europameisterschaft in Ungarn durchgeführt. Durch eine optische Überprüfung der äußeren Geschlechtsmerkmale sollte die Weiblichkeit der Sportlerinnen bestätigt werden. Kriterien der Weiblichkeit waren die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale Vagina und Brüste.63 Alle Athletinnen mussten sich daher von den Ärztinnen nackt begutachten lassen, da sichergestellt werden sollte, dass sie gleiche körperliche Voraussetzungen hätten.64 Dass kein Mann unter ihnen sein könne. Von Begin an wurde diese Prozedur von den Teilnehmerinnen als erniedrigend empfunden. Die ehemalige deutsche Leichtathletin und Olympiateilnehmerin Liesel Westermann-Krieg beschrieb die Prozedur folgender Maßen:
„Wir hatten uns auszuziehen. Wir mussten mit einer Startnummer in der Hand splitternackt auf- und abmarschieren. Es war wie bei der Trichinenschau65. Nur bekamen wir den Stempel nicht auf den Hintern, sondern auf eine Karteikarte.“66
Auf der anderen Seite befürworteten jedoch viele Athletinnen die Geschlechtstest, da gerade in den 1960er Jahren die Sportwelt und Öffentlichkeit im großen Umfang mit Darlegungen und Berichten über Androgyne und Transvestiten aufgescheucht wurden.67 Die Gerüchte über Männer in der Frauenklasse wurden jedoch noch intensiviert, da gleich fünf Weltrekordhalterinnen nicht zur optischen Überprüfung antraten.68 Unter ihnen die ukrainischen Press Schwestern, die noch bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom fünf Goldmedaillen gewannen. Sie verschwanden daraufhin aus der aktiven Sportszene und ließen Platz für Spekulationen. Die Rückzugsgründe sind bis heute ungeklärt.
1 Einleitung: Einführung in das Thema anhand des Falls Caster Semenya und Darstellung der These, dass Geschlecht ein gesellschaftlich konstruiertes und kein rein biologisch messbares Phänomen ist.
2 Zusammenhang von Gesellschaft, Geschlecht und Sport: Analyse der historischen Entwicklung, wie Geschlecht als Strukturierungsprinzip in der Gesellschaft und explizit im Sport etabliert wurde.
3 Geschlechtstests im Sport: Detaillierte Untersuchung verschiedener biologisch-medizinischer Testverfahren und deren Unzulänglichkeiten bei der Identifikation des Geschlechts.
4 Geschlecht als soziales Konstrukt: Theoretische Fundierung des Geschlechtsbegriffs mittels sozialwissenschaftlicher Ansätze, inklusive Differenzierungen zwischen Sex und Gender sowie der Bedeutung von Kultur.
5 Aktuelle Richtlinien des Sports: Diskussion der Problematik für transsexuelle AthletInnen und der Entwicklung von Reglements im Sport angesichts der Herausforderungen durch Intersexualität.
6 Schluss: Zusammenfassung der Erkenntnisse, wonach Geschlecht ein fortschreitender sozialer Konstruktionsprozess ist, und kritische Würdigung der Rolle des Sports bei der Normalisierung dieser Kategorien.
Geschlechterkonstruktion, Leistungssport, Geschlechtstests, biologisches Geschlecht, soziales Geschlecht, Sex und Gender, Intersexualität, Transsexualität, Doing Gender, Zweigeschlechtlichkeit, Caster Semenya, Sportsoziologie, Biologismus, Leistungsklasse, Körperlichkeit.
Die Arbeit untersucht die Mechanismen, durch die das Geschlecht im Leistungssport definiert und überprüft wird, und stellt dabei die Gültigkeit biologischer Geschlechtertests infrage.
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Geschlechtertrennung im Sport, medizinisch-genetische Testverfahren, soziologische Konstruktionsansätze sowie die Situation von intersexuellen und transsexuellen AthletInnen.
Ziel ist es zu zeigen, dass das Geschlecht eines Menschen nicht anhand biologisch-medizinischer Kriterien eindeutig messbar ist, sondern als ein Ergebnis gesellschaftlicher Zuschreibungsprozesse verstanden werden muss.
Die Arbeit nutzt einen sozialwissenschaftlichen Ansatz, insbesondere die Theorie der sozialen Konstruktion von Geschlecht und ethnomethodologische Perspektiven, um die Praxis der Geschlechterkontrolle zu analysieren.
Der Hauptteil analysiert die fünf biologischen Kriterien des Geschlechts, die verschiedenen Testmethoden (von der visuellen Inspektion bis zur PCR-Untersuchung) und die soziologischen Hintergründe der Geschlechtskonstruktion.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Geschlechterkonstruktion, Sport, Intersexualität, Transsexualität und Doing Gender definieren.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass kein technisches Messverfahren existiert, das der Komplexität des Geschlechts gerecht wird, da biologische Variationen wie das Turner- oder Klinefelter-Syndrom von den starren Tests nicht erfasst werden.
Transsexuelle AthletInnen stehen vor der Herausforderung, dass das Sportsystem polar aufgestellt ist; ein Wechsel der Leistungsklasse ist schwierig und erfordert oft invasive operative Eingriffe oder langjährige Hormontherapien.
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