Magisterarbeit, 2010
118 Seiten, Note: 2,0
1. Einführung
1.1. Worum es geht
1.2. Rassismus und Nationalismus
1.3. Kolonialismus und Imperialismus
1.4. Der kolonialmedizinische Diskurs
1.5. Quellen- und Literaturlage; Vorgehensweise
2. Die deutsche Herrschaft im Schutzgebiet Togo
2.1. Kurzer geschichtlicher Abriss der deutschen Kolonisation in Togo
2.1.1. Die vorkoloniale Epoche
2.1.2. Besetzung und Unterwerfung
2.1.3. Verwaltung, Transport- und schulwesen
2.1.4. Bevölkerung und rechtliche Stellung
2.1.4. Aufstände und Gravamina
2.1.5. Das Ende
2.2. Herrschaftsinstrumente
2.2.1. Die Polizeitruppe
2.2.2. Die deutsche Administration
2.2.3. die Missionsgesellschaften
2.2.4. Die unternehmerschaft
2.2.5. Die Sprachenpolitik
2.2.6. Die Medizin
2.2.7. Herrschaftsbauten
2.3. Geschichte der Stadt Anecho
3. Medizinalpolitik und Infrastruktur im Schutzgebiet
3.1. Die Medizinlage im Schutzgebiet und der medizinische Zeitgeist
3.1.1. Gesundheitsrisiken in Togo
3.1.2. Die naturwissenschaftliche Medizin am Ende des 19. Jahrhunderts
3.1.3. Konfliktpunkt „Traditionelle afrikanische Medizin“
3.1.4. Deutsche medizinische Infrastruktur in 30 jahren Herrschaft
3.2. Zum Krankenhaus Anecho
3.2.1. Architektur
3.2.2. Die Raumaufteilung (Abb. 9 und 10)
3.2.3. Das Personal
3.2.4. Die Ausstattung
3.2.5. der Gründer, die Gründung und willkommene Werbung
3.3. Das Menschenbild des Europäers über den Afrikaner
3.3.1. Exkurs 2: Der „schwarze Affe“
3.3.2. Das Bild der ortsansässigen Bevölkerung in zeitgenössischen Schriften
3.4. Die Arzt-Patienten-Beziehung
4. Ergebnisse und Ausblick
4.1. Zusammenfassung der Thesen:
4.2. Übertragbarkeit des Imperialismusbegriffs auf das koloniale Medizinalwesen
4.3. Bewertung des Verhaltens der deutschen Ärzte in Togo
4.4. Stellenwert des Nachtigal-Krankenhauses Anecho im deutschen Kolonialsystem
4.5. Nachhaltige Effekte der deutschen Kolonialmedizin nach dem Ersten Weltkrieg
4.5.1. Medizin im deutschen Togo: Humanitas oder Herrschaft?
4.5.2. Ausblick:
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen humanitär-medizinischem Anspruch und der instrumentellen Funktion der deutschen Medizin als Werkzeug kolonialer Herrschaft im Schutzgebiet Togo zwischen 1884 und 1914. Sie geht der Forschungsfrage nach, inwiefern das Nachtigal-Krankenhaus in Anecho ein bloßes Herrschaftsinstrument oder eine medizinisch ernsthafte Versorgungseinrichtung darstellte.
1.1. Worum es geht
Zwei kontroverse Beobachtungen gaben den Anlass zur Beschäftigung mit dieser Thematik. Zum einen hinterließen Hunderte von Gesprächen mit Nordafrikanern und Emigranten aus zentral- und westafrikanischen Ländern den Eindruck, dass diese im Falle einer ernsthaften Krankheit bei sich oder Angehörigen nach besten „westlichen“ medizinischen Standards behandelt werden möchten und dafür am liebsten, sofern es die finanziellen Mittel zuließen, ins europäische „Originalland“ reisen würden. Den Spitzenplatz der Traumländer besetzte dabei Deutschland vor England, Frankreich, Italien oder den USA. Desgleichen wurde afrikanischen Ärzten, die in jenen Ländern studiert hatten, zu Hause die Reputation eines besonders gut ausgebildeten (und daher kompetenten) Doktors zuteil.
Noch vor einhundert Jahren hatten sich die AfrikanerInnen in Togo und Kamerun heftig gegen die Aktivitäten deutscher Ärzte im Rahmen der Bekämpfung der Schlafkrankheit und Pockenprophylaxe gesträubt und konnten oft nur durch rigorose Strafen zu ihrem Glück gezwungen werden. Es überwogen traditionelle, religiös belegte Heilmethoden. Diese sind selbst im 21. Jahrhundert ist nicht verschwunden. Die WHO gab bekannt:
“In some Asian and African countries, 80% of the population depend on traditional medicine for primary health care.”
In der gleichen Publikation wird sogar für die Industrieländer ein 70-80% Anteil an Menschen geschätzt, die sich nebenher noch alternativ- oder komplementärmedizinisch versorgen lassen.
1. Einführung: Diese Einleitung führt in die Problematik der westlichen Medizin in Togo ein und erläutert die Relevanz der Forschungsfrage sowie die methodische Vorgehensweise anhand von Quellen und Literatur.
2. Die deutsche Herrschaft im Schutzgebiet Togo: Dieses Kapitel beschreibt die Etablierung der kolonialen Strukturen in Togo, von den ersten Schutzverträgen über die Verwaltung und polizeiliche Kontrolle bis hin zur ökonomischen Ausrichtung.
3. Medizinalpolitik und Infrastruktur im Schutzgebiet: Der Hauptteil analysiert die medizinische Versorgung, das Nachtigal-Krankenhaus in Anecho und das Spannungsfeld zwischen westlicher Schulmedizin und traditionellen Heilpraktiken.
4. Ergebnisse und Ausblick: Hier werden die zentralen Thesen zusammengefasst, das koloniale Handeln reflektiert und die nachhaltigen Auswirkungen der deutschen Kolonialmedizin nach 1914 sowie das Fazit zur Forschungsfrage gezogen.
Kolonialmedizin, Togo, Nachtigal-Krankenhaus, Medizinalpolitik, Imperialismus, Rassismus, Schlafkrankheit, Pocken, Tropenmedizin, Anecho, Kolonialherrschaft, Gesundheitswesen, Medizingeschichte, Humanexperimente, Entwicklungsgeschichte
Die Arbeit untersucht das Wirken der deutschen Medizin im Schutzgebiet Togo zwischen 1884 und 1914 und beleuchtet das Spannungsfeld zwischen medizinischem Fortschritt und kolonialer Machtausübung.
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der medizinischen Infrastruktur, dem Umgang mit Tropenkrankheiten, der Konfrontation zwischen westlicher und traditioneller Medizin sowie dem Selbstbild der deutschen Akteure.
Die Arbeit hinterfragt, ob das medizinische Engagement im deutschen Togo primär humanitären Zielen diente oder ein instrumentelles Mittel zur Absicherung imperialer Herrschaft darstellte.
Der Autor nutzt eine quellenkritische Analyse, indem er amtliche Akten der Kolonialverwaltung mit persönlichen Briefen, Reiseberichten von Zeitgenossen und moderner historischer Forschung in Bezug zueinander setzt.
Der Hauptteil analysiert detailliert die medizinische Zeitgeist-Situation, die Architektur und den Betrieb des Krankenhauses in Anecho sowie das Menschenbild der Europäer gegenüber der lokalen Bevölkerung.
Wesentliche Begriffe sind Kolonialmedizin, Nachtigal-Krankenhaus, Imperialismus, Schlafkrankheitsbekämpfung, sowie die Arzt-Patienten-Beziehung unter kolonialen Vorzeichen.
Es fungierte als erstes deutsches Hospital in den afrikanischen Schutzgebieten und diente sowohl als Versorgungszentrum für Europäer als auch als Ausgangspunkt für weiterführende medizinische Maßnahmen in Togo.
Der Autor vermeidet eine einseitige moralische Verurteilung und zeigt auf, dass die Ärzte einerseits im Dienst einer kolonialen Macht agierten, sich andererseits aber oft bemühten, medizinische Pflege nach damaligen Standards zu leisten.
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