Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
26 Seiten
1. Einleitung
2. Theorie und Methoden
2.1 Theorieteil
2.2 Methodenteil
3. Durchführung
3.1 Die Bedeutung von Frauen und ihren Darstellungen für die Legitimation der Intervention
3.2 Die Bilder von Frauen und Männern im Kontext der Intervention
3.3 Die Problematik der Darstellungen von Männern und Frauen
4. Résumé
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Basis des Postmodernen Feminismus, inwieweit die mediale Darstellung von Frauen und Männern im Kontext der Libyen-Intervention 2011 zur Legitimation militärischen Handelns beitrug. Dabei wird analysiert, wie visuelle Medien durch die Konstruktion geschlechtsspezifischer Rollenbilder – etwa als schutzbedürftige Frau oder kämpfender Mann – politische Narrative beeinflussten und dabei teils problematische, dichotomische Geschlechterverhältnisse reproduzierten.
3.1 Die Bedeutung von Frauen und ihren Darstellungen für die Legitimation der Intervention
Frauen und ihre Darstellungen scheinen für die Legitimation des Libyen-Einsatzes von großer Bedeutung gewesen zu sein. Die am 17. März verabschiedete UN-Resolution 1973 bildete eine rechtliche Grundlage, um die militärische Intervention der NATO in Libyen zu legitimieren. Ihre Legitimation erfolgt vor allem durch den Verweis auf den Schutz der Zivilbevölkerung (United Nations Security Council 17.03.2011: 3). Wie Sjoberg und Peet herausarbeiten, wird der Begriff Zivilist häufig stellvertretend für Frauen gebraucht. Denn es wird häufig implizit davon ausgegangen, dass zu diese Zivilisten zumeist Frauen zählen (Sjoberg & Peet 2011: 173ff). Vor dem Hintergrund dieser Befunde kann behauptet werden, dass in der Resolution indirekt auf das Schicksal von Frauen referiert wird.
In einer Rede zum Libyen-Einsatz nahm der amerikanische Präsident Obama nur kurze Zeit später direkt auf Frauen Bezug und versuchte dadurch, den militärischen Einsatz zu rechtfertigen. Während er ein zu verhinderndes Massaker in der Rebellenhochburg Bengasi hervorhebt, nennt er nicht nur das Schicksal der Männer, sondern auch der Frauen und Kinder, die Gaddafi bedrohe:
„Rather than stand down, his forces continued their advance, bearing down on the city of Benghazi, home to nearly 700,000 men, women and children who sought their freedom from fear“ (Herv. d. Verf.; 28.03.2011: 2).
Auch möglichen Bildern von Opfern des Einsatzes weist er eine explizite Bedeutung für die Begründung des Einsatzes zu: In Erwartung einer großen Opferzahl - unter die auch Frauen fallen werden - möchte er nicht erst auf sie warten:
„[...] as President, I refused to wait for the images of slaughter and mass graves before taking action.“ (Herv. d. Verf.; ebd.: 3)
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in den historischen Kontext des Arabischen Frühlings in Libyen ein und umreißt die wissenschaftliche Relevanz der visuellen Geschlechterdarstellung für die Legitimation militärischer Interventionen.
2. Theorie und Methoden: Das Kapitel erläutert den theoretischen Rahmen des Postmodernen Feminismus und definiert die methodische Herangehensweise zur Analyse visueller Medien und ihrer Wirkung im politischen Diskurs.
3. Durchführung: Dieser Hauptteil analysiert konkret, wie Frauenbilder zur politischen Legitimation genutzt wurden, untersucht typische Abbildungen von Männern und Frauen in der Berichterstattung und problematisiert die resultierenden verzerrten Geschlechterdarstellungen.
4. Résumé: Das Résumé fasst die Ergebnisse zusammen, wonach die mediale Darstellung von Frauen zwar Aufmerksamkeit generiert, aber gleichzeitig zu Stereotypisierung und der Reproduktion hierarchischer Geschlechterverhältnisse beiträgt.
Libyen-Intervention, Postmoderner Feminismus, Gender-Perspektive, Legitimation, visuelle Kommunikation, Securitization, Geschlechterkonstruktion, mediale Darstellung, Repräsentation, Bürgerkrieg, Rollenbilder, Stereotypisierung, Internationale Beziehungen, Iman al-Obeidi.
Die Arbeit untersucht, wie mediale Bilder von Frauen und Männern während der Libyen-Intervention 2011 genutzt wurden, um den militärischen Einsatz politisch zu legitimieren.
Im Fokus stehen die Verknüpfung von Geschlechterrollen mit politischer Rhetorik, die visuelle Konstruktion von Bedrohungsszenarien und die kritische Hinterfragung medialer Geschlechterklischees in Kriegszeiten.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch die einseitige Darstellung von Frauen als "schutzbedürftige Opfer" und Männern als "aktive Kämpfer" ein verzerrtes Bild der Realität geschaffen wurde, das politische Handlungsanweisungen stützte.
Es wird der Ansatz des Postmodernen Feminismus angewandt, ergänzt durch Überlegungen zum Konzept der "Securitization", um die Wirkung von Bildern als kommunikative Sprechakte zu analysieren.
Der Hauptteil analysiert Bildmaterial der "New York Times", vergleicht die mediale Präsentation beider Geschlechter und zeigt die Folgen dieser Unterrepräsentation und Fehlproportionierung auf.
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Libyen-Intervention, Postmoderner Feminismus, visuelle Kommunikation, Geschlechterkonstruktion und Securitization definieren.
Der Fall dient als zentrales, diskursmächtiges Beispiel für die Nutzung weiblicher Opferrollen zur Erzeugung von Handlungsdruck und Legitimation militärischer Konsequenzen gegen das Gaddafi-Regime.
Der Autor argumentiert, dass durch die Seltenheit von Frauenbildern in den Medien – und deren Fokus auf Leid – die aktiven und vielfältigen Leistungen von Frauen im Kriegskontext unsichtbar bleiben, was eine angemessene politische Teilhabe erschwert.
Die Arbeit schließt, dass die mediale Berichterstattung die bereits bestehenden konservativen Geschlechterverhältnisse in Libyen eher reproduziert und festigt, statt sie durch eine differenzierte Berichterstattung aufzubrechen.
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