Bachelorarbeit, 2009
36 Seiten, Note: 1,3
I EINLEITUNG
II ARMUT
II.I RESSOURCENANSATZ
II.II LEBENSLAGENANSATZ
II.III CAPABILITY-ANSATZ
II.IV ARMUT UND ARMUTSMESSUNG BEI KINDERN
III DIE REPRODUKTION SOZIALER LAGEN NACH PIERRE BOURDIEU
III.I KAPITAL
III.II HABITUS
III.III HABITUS UND KAPITAL IM SOZIALEN RAUM
IV KINDERARMUT IN DEUTSCHLAND
IV.I URSACHEN VON ARMUTSLAGEN BEI KINDERN
IV.II ARMUT UND LEBENSCHANCEN
V ZUR REPRODUKTION VON ARMUTSLAGEN IN DEUTSCHLAND
V.I KAPITAL
V.II HABITUS
V.III POLITISCHE RAHMENBEDINGUNGEN
VI ARMUT UND LEBENSCHANCEN – EINE ABSCHLIEßENDE BETRACHTUNG
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit Kinderarmut in Deutschland in Anlehnung an Pierre Bourdieu als spezifische Reproduktionsform sozialer Lagen verstanden werden kann, mit dem Ziel, die Mechanismen aufzuzeigen, die eine intergenerationale Vererbung von Lebenschancen begünstigen.
III.II Habitus
Die gesellschaftliche Lage einer Person spiegelt sich nach Bourdieu nicht nur in ihrem verfügbaren Kapital, sondern auch in ihr selbst wieder. So werden die äußeren Lebensbedingungen im Laufe der Sozialisation zu einem inneren Dispositionssystem, einer Art inkorporierten Sozialstruktur, umgewandelt (Bourdieu 1987b: 101-102). Dieser sogenannte Habitus besteht einerseits aus klassenspezifischen Wahrnehmungs-, Bewertungs- und Denkschemata mit deren Hilfe die Umwelt klassifiziert wird, bietet andererseits jedoch auch ein Repertoire an konkreten Handlungsmustern (Bourdieu 1987: 280). Er setzt dadurch einen Rahmen des sozial Möglichen und Logischen, innerhalb dessen sich Individuen frei bewegen können (Bourdieu 1987b: 103-104). Die Persönlichkeit bildet dabei eine Variante des klassenspezifischen Habitus, welche durch individuelle Erfahrungen und Lebensverläufe gekennzeichnet ist (Bourdieu 1987b: 113). Im Rahmen der gesellschaftlichen Interaktion wirkt der Habitus als sozialer Selbstverortungssinn (sens pratique), mit dessen Hilfe die Akteure quasi instinktiv erkennen, welches Verhalten ihrer sozialen Position angemessen ist (Bourdieu 1987b: 108). Nach außen zeigt sich der Habitus in der individuellen Hexis, d.h. in Sprache, Haltung oder Bewegung, und wird damit wiederum zur Basis der Klassifikation durch Dritte (Bourdieu 1987b: 135-136). So ist er nicht nur ein Produkt der sozialen Lage (opus operatum), sondern trägt durch die Strukturierung der menschlichen Praxis (modus operandi) auch zu ihrer Reproduktion bei (Bourdieu 1987: 281).
I EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Kinderarmut als gesellschaftliches Phänomen und Darlegung der zentralen Forschungsfrage zur intergenerationalen Vererbung von Lebenschancen.
II ARMUT: Erläuterung theoretischer Konzepte zur Armutsdefinition sowie spezifische Herausforderungen bei der Messung von Armut im Kindesalter.
III DIE REPRODUKTION SOZIALER LAGEN NACH PIERRE BOURDIEU: Vorstellung der zentralen Begriffe Kapital, Habitus und sozialer Raum als theoretisches Fundament für die Untersuchung sozialer Ungleichheit.
IV KINDERARMUT IN DEUTSCHLAND: Analyse der aktuellen Armutssituation von Kindern unter Berücksichtigung von Ursachen am Arbeitsmarkt und den Auswirkungen auf Lebenschancen.
V ZUR REPRODUKTION VON ARMUTSLAGEN IN DEUTSCHLAND: Untersuchung, wie Kapital und Habitus in Verbindung mit politischen Rahmenbedingungen zur Verfestigung von Armut beitragen.
VI ARMUT UND LEBENSCHANCEN – EINE ABSCHLIEßENDE BETRACHTUNG: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Diskussion möglicher Ansätze für eine präventive Armutspolitik.
Kinderarmut, Bourdieu, Kapital, Habitus, soziale Reproduktion, Lebenslagenansatz, Capability-Ansatz, Lebenschancen, Bildungsbenachteiligung, Sozialpolitik, Armutsprävention, soziale Ungleichheit, soziale Exklusion, materielle Unterversorgung, intergenerationale Verfestigung.
Die Bachelorarbeit setzt sich kritisch mit der Problematik der Kinderarmut in Deutschland auseinander und untersucht, wie diese dazu führt, dass soziale Nachteile von einer Generation an die nächste weitergegeben werden.
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Armut, die theoretische Rahmung durch Pierre Bourdieus Konzepte, die Ursachen von Kinderarmut im deutschen Wohlfahrtsstaat sowie die Auswirkungen auf Bildungs- und Entwicklungschancen.
Das Ziel ist es, die individuellen und institutionellen Mechanismen zu identifizieren, die dazu führen, dass Kinder aus armen Verhältnissen aufgrund ihrer sozialen Herkunft systematisch benachteiligt werden und Armutslagen sich verfestigen.
Die Arbeit nutzt einen theoretischen und analytischen Ansatz, indem sie soziologische Konzepte (speziell Bourdieu) mit empirischen Studien und sozialpolitischen Analysen zur Kinderarmut verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die Darstellung der Armutsursachen, die Analyse der Wirkungsmechanismen auf Kinder (unter Einbeziehung von Kapital und Habitus) sowie die kritische Prüfung politischer Interventionsmöglichkeiten.
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Habitus, Kapital (ökonomisch, kulturell, sozial), Vererbung von Lebenschancen, soziale Reproduktion und Multidimensionalität der Armut definiert.
Der Habitus prägt Denkmuster und Erwartungshaltungen. Kinder aus bildungsfernen Schichten entwickeln oft einen fatalistischen Habitus, der den sozialen Aufstieg erschwert, während Kinder aus der Mittelschicht eher einen "sense of entitlement" entwickeln, der ihnen hilft, Institutionen besser für ihre Zwecke zu nutzen.
Die Arbeit zeigt, dass die deutsche Sozialpolitik Armut oft nur kurzfristig abfedert, anstatt durch gezielte Prävention die Startchancen nachhaltig zu verbessern. Vorhandene Angebote werden zudem oft nicht von den Gruppen genutzt, die sie am dringendsten benötigen.
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