Diplomarbeit, 2012
91 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Begriffsdefinitionen und Grundlagen
2.1 Risikobegriffe
2.2 Bedeutung von Korrelationen im Portfoliokontext
3 Kreditrisikobehandlung im Rahmen von Basel II
3.1 Auf internen Ratings basierenden Ansätze
3.2 Vorgaben und Prinzipien zur Ermittlung von Verlustquoten
4 Befunde aus der empirischen Literatur
4.1 Zusammenhang zwischen Ausfall- und Recovery-Risiken bei Anleihen
4.2 Verlustquoten bei Bankkrediten
4.2.1 Untersuchungen mit Datenpools von Ratingagenturen
4.2.2 Bankinterne Daten
4.3 Ausfall- und Recovery-Risiken auf Unternehmensebene
4.4 Werthaltigkeit von Kreditsicherheiten
4.5 Bedeutung des Diskontsatzes
4.6 Zusammenfassende Betrachtung der Empirie
5 Besondere Aspekte bei der DLGD-Ermittlung
5.1 Methoden zur Schätzung des DLGD
5.2 Granularität bei der DLGD-Ermittlung
5.3 Diskussion möglicher Diversifikationseffekte
6 Das Miu-Ozdemir-Modell
6.1 Struktur des Modells
6.2 Analytische Darstellung der Korrelationsstruktur
6.3 Monte Carlo Simulation von Kreditportfolien
6.3.1 Fallstudie mit Parametern von Miu und Ozdemir (2005)
6.3.2 Fallstudie mit Parametern von Pederson et al. (2009)
6.3.3 Zwischenfazit und Diskussion
6.3.4 Weiter Simulationsexperimente
6.4 Kritische Würdigung
7 Besonderheiten der Parameterschätzung
8 Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Interaktion zwischen Ausfallwahrscheinlichkeit (PD) und Verlustquote (LGD) bei der Messung von Kreditrisiken in Banken. Ziel ist es, die Problematik einer unzureichenden Kapitalausstattung im Portfoliokontext zu beleuchten, wobei insbesondere die Anforderungen an konservative LGD-Schätzungen (Downturn LGD, DLGD) im Rahmen von Basel II und deren Auswirkungen auf das Portfoliorisiko analysiert werden.
3.1 Auf internen Ratings basierenden Ansätze
Mit der neuen Baseler Rahmenvereinbarung verabschiedete das Baseler Komitee 2004 ein Regelwerk, das im Vergleich zu den Regelungen im ersten Baseler Akkord eine differenziertere Unterlegung des Kreditrisikos mit Eigenkapital zulässt. Dies gilt insbesondere für die auf internen Ratings basierenden Ansätze, dem Basis-IRB- (BIRB) und fortgeschrittenem IRB-Ansatz (FIRB), deren Bedeutung in der Bankenwelt immer weiter zunimmt. Diese Ansätze ermöglichen zur Berechnung der Kapitalunterlegung die Verwendung von bankintern geschätzten Risikoparametern. Der IRB-Formel liegt ein asymptotisches Ein-Faktor-Kreditrisikomodell (ASRF-Modell) nach Vasicek (1987, 2002) und Gordy (2003) zugrunde (für eine analytische Darstellung des Modells siehe Anhang B). Um zu gewährleisten, dass die IRB-Ansätze von möglichst vielen Instituten in verschiedenen Ländern anwendbar werden, sollte das Modell die Eigenschaft der Portfolio-Invarianz aufweisen. Das heißt, dass das benötigte Kapital eines neuen Kredits nur von dessen Risiko, nicht jedoch von der Zusammensetzung des Portfolios abhängen sollte, in das der neue Kredit hinzugefügt wird. Die Invarianz-Eigenschaft resultiert nach Gordy (2003) durch die Verwendung nur eines einzigen systematischen Faktors und der Annahme eines unendlich granularen Portfolios. Unter diesen Prämissen werden die idiosynkratischen Risiken als vollständig diversifiziert angenommen, das Portfoliorisiko resultiert daher lediglich aus systematischen Risiken.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der drei Risikoparameter PD, LGD und EaD ein und erläutert die Problematik der bisher oft angenommenen Unabhängigkeit von PD und LGD.
2 Begriffsdefinitionen und Grundlagen: Hier werden zentrale Kreditrisikomodelle und Risikomaße erläutert sowie die Bedeutung von Korrelationen im Portfoliokontext dargelegt.
3 Kreditrisikobehandlung im Rahmen von Basel II: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die aufsichtsrechtlichen Ansätze zur Kreditrisikounterlegung und die Anforderungen an eine konservative DLGD-Ermittlung.
4 Befunde aus der empirischen Literatur: Die Arbeit fasst hier den Stand der Forschung zu zyklischen LGD-Risiken und deren Korrelation mit Ausfallrisiken zusammen.
5 Besondere Aspekte bei der DLGD-Ermittlung: Hier werden praktische Methoden zur Schätzung von Downturn-LGDs kritisch diskutiert und die Problematik der Granularität sowie Diversifikationseffekte beleuchtet.
6 Das Miu-Ozdemir-Modell: Dieses Kapitel stellt ein spezifisches Kreditrisikomodell vor, das PD- und LGD-Korrelationen explizit einbezieht und mittels Monte-Carlo-Simulationen auf ihre Auswirkungen testet.
7 Besonderheiten der Parameterschätzung: Es wird die Herausforderung thematisiert, PIT- und TTC-Methoden bei der Schätzung von Risikoparametern in der Bankpraxis adäquat anzuwenden.
8 Schlussbetrachtung: Die Arbeit resümiert die gewonnenen Erkenntnisse und unterstreicht die Notwendigkeit, PD/LGD-Interaktionen bei der Kapitalunterlegung stärker zu berücksichtigen.
Kreditrisiko, Ausfallwahrscheinlichkeit, Verlustquote, LGD, PD, Basel II, IRB-Ansatz, Downturn LGD, Portfoliorisiko, Korrelation, ökonomisches Kapital, regulatorisches Kapital, Risikomodellierung, Recovery Rate, Simulation.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der mathematischen und ökonomischen Analyse der Interaktion zwischen Ausfallwahrscheinlichkeit und Verlustquote bei der Kreditrisikomessung in Banken, insbesondere unter den strengen regulatorischen Anforderungen von Basel II.
Zentral sind die Modellierung systematischer Risiken, die Schätzung von Downturn-Verlustquoten (DLGD), die Auswirkungen der PD/LGD-Korrelation auf das Portfoliorisiko sowie die Kritik an bestehenden aufsichtsrechtlichen Vereinfachungen.
Das Ziel ist es, die Risikounterschätzung durch die Annahme unabhängiger PD- und LGD-Parameter aufzuzeigen und die Relevanz der PD/LGD-Korrelation für eine risikoadäquate Eigenkapitalunterlegung zu belegen.
Es erfolgt eine fundierte theoretische Aufarbeitung der Literatur sowie eine quantitative, komparativ-statische Analyse mittels Monte-Carlo-Simulationen, basierend auf dem Miu-Ozdemir-Modell.
Der Hauptteil analysiert empirische Befunde zu LGD-Zyklen, diskutiert methodische Ansätze zur DLGD-Ermittlung und präsentiert eine Simulationsstudie zur Quantifizierung der Auswirkungen von Korrelationen auf das ökonomische Kapital.
Kreditrisiko, PD/LGD-Korrelation, Basel II, Downturn LGD, Portfoliorisiko, ökonomisches Kapital und Monte-Carlo-Simulation.
Das Modell ermöglicht es, systematische und kreditnehmerspezifische Risikotreiber getrennt zu betrachten und somit die PD/LGD-Korrelation explizit in die Risikosimulation zu integrieren, was mit Standardmodellen nicht möglich wäre.
Diversifikationseffekte können die aggregierte Kapitalunterlegung beeinflussen, wenn LGD-Zyklen verschiedener Segmente oder Branchen nicht perfekt korrelieren; ihre Vernachlässigung kann zu einer überhöhten Kapitalanforderung führen.
Dieser Effekt beschreibt, dass bei Instrumenten mit sehr niedrigem erwarteten LGD (z.B. besicherte Kredite) die relative Zunahme des Verlustrisikos in einer Abschwungphase prozentual deutlich stärker ausfällt als bei hochverzinslichen Anleihen.
Die Arbeit empfiehlt, bei der DLGD-Ermittlung flexibler mit den aufsichtsrechtlichen Prinzipien umzugehen und fortgeschrittene Portfolioansätze zu nutzen, um eine risikoadäquatere, wenn auch komplexere Kapitalunterlegung zu erreichen.
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