Magisterarbeit, 2011
67 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Romantik
2.1. Zum Begriff „Romantik“
2.2. Entstehung der romantischen Kultur in Deutschland
3. Der Verfasser der Nachtwachen.
Rezeptions- und Wirkungsgeschichte im Überblick
4. Die Strukturanalyse des Textes
4.1. Erzählsituation und Erzählhaltung
4.2. Aufbau und Struktur
4.3. Zur Funktion der romantischen Ironie
5. Die mechanische Welt als Maske: Zum Stil der Nachtwachen
6. Das Marionettenmotiv in der Romantik und in den Nachtwachen
6.1. Der Mensch als Marionette
6.2. Das Leben als Marionettenspiel
6.3. Der Marionettendirektor versus Der wahnsinnige Weltschöpfer
6.4. Der Nachtwächter als Drahtzieher
7. Die Problematik der Gattung und die schwarze Romantik
8. Schlusswort
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Marionettenmotiv in Bonaventuras „Nachtwachen“ und dessen Bedeutung für die Struktur, den Stil und die thematische Gesamtaussage des Werkes. Dabei wird analysiert, wie der Erzähler Kreuzgang durch das Marionettenspiel eine radikale Demaskierung der Welt und der menschlichen Existenz vornimmt.
Die mechanische Welt als Maske: Zum Stil der Nachtwachen
In den Nachtwachen wimmelt es von Masken und Larven. Die Aufgabe, die der Autor seinem Titelhelden gibt, ist der Welt und der ganzen Menschheit die Masken abzureißen. Wie ich schon oben sagte, es ist sein Hauptanliegen zu demaskieren und zu desillusionieren und alles und alle bloßzustellen. Diese Bloßstellug der Menschen mündet meistens in dem Marionettenmotiv, das im Werk in verschiedenen Varianten auftritt, mal in einem auf den Marionettenstil verweisenden Bild oder auch in einer konkreten Figur. Im Folgenden soll ein Überblick über den gesamten Werkverlauf gegeben werden, um das Werkverständnis zu vertiefen, aber vor allem um Kreuzgang in seiner Lieblingsbeschäftigung zu verfolgen und den Marionettenstil der Nachtwachen hervorzuheben.
In den bruchstückhaften Episoden von Nachtwachen ist eine Vielzahl von epischen Grundformen eingestreut, von denen besonders Monolog und Rede hervorzuheben sind, weil sie durch Ironie meistens eine aufklärerische und demaskierende Funktion haben. Gleich in der 1. NW haben wir eine Rede, die der Nachtwächter auf einem seiner nächtlichen Rundgänge einem hält, der wie er, ein Poeten ist: „O du, der du da oben dich herumtreibst, ich verstehe dich wohl, denn ich war einst deinesgleichen! Aber ich habe diese Beschäftigung aufgegeben gegen ein ehrliches Handwerk, das seinen Mann ernährt, und das für denjenigen, der sie darin aufzufinden weiß, doch keineswegs ganz ohne Poesie ist. […] O Freund Poet, wer jetzt leben will, der darf nicht dichten! Ist dir aber das Singen angeboren, und kannst du es durchaus nicht unterlassen, nun so werde Nachtwächter, wie ich, das ist noch der einzige solide Posten wo es bezahlt wird, […] (S. 5)“
1. Einleitung: Vorstellung des Werkes „Nachtwachen“ und Einführung in die langjährige Forschung zur Autorschaft unter dem Pseudonym „Bonaventura“.
2. Romantik: Historische Herleitung und Begriffsbestimmung der Epoche sowie die Skizzierung des intellektuellen Umfelds der Frühromantik in Jena.
3. Der Verfasser der Nachtwachen. Rezeptions- und Wirkungsgeschichte im Überblick: Detaillierter Rückblick auf die wissenschaftlichen Kontroversen und Zuschreibungsversuche des Werkes bis hin zur gesicherten Autorschaft Klingemanns.
4. Die Strukturanalyse des Textes: Untersuchung der erzählerischen Form, der Rolle des Ich-Erzählers Kreuzgang sowie der Funktionen der romantischen Ironie.
5. Die mechanische Welt als Maske: Zum Stil der Nachtwachen: Analyse des marionettenhaften Stils als Mittel zur Demaskierung und Entlarvung der menschlichen Gesellschaft.
6. Das Marionettenmotiv in der Romantik und in den Nachtwachen: Erörterung der literarischen Entwicklung des Motivs und dessen spezifische Anwendung durch Klingemann als Ausdruck für die Entfremdung des Menschen.
7. Die Problematik der Gattung und die schwarze Romantik: Auseinandersetzung mit der gattungsgeschichtlichen Einordnung der „Nachtwachen“ und ihrer Zugehörigkeit zur schwarzen Romantik.
8. Schlusswort: Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse bezüglich der Verschränkung von Rollenspiel, Existenzkrise und Erzähltechnik.
Bonaventura, Nachtwachen, August Klingemann, Frühromantik, Marionettenmotiv, Ironie, schwarze Romantik, Erzählstruktur, Nihilismus, Identität, Maske, Welttheater, Literaturkritik, Demaskierung, Kreuzgang
Die Arbeit analysiert Bonaventuras „Nachtwachen“ unter dem Fokus des Marionettenmotivs und untersucht, wie dieses Werk die Frühromantik parodiert und demaskiert.
Die zentralen Felder sind die Rolle des Marionettenmotivs, die romantische Ironie, die Rezeptionsgeschichte der Autorschaft sowie die Einordnung in die schwarze Romantik.
Das Ziel ist es, durch die Analyse der Struktur und des Marionettenmotivs aufzuzeigen, wie Klingemann die künstliche, mechanische Natur der menschlichen Welt entlarvt.
Es wird eine textanalytische Vorgehensweise gewählt, die auf motivgeschichtliche und strukturalistische Ansätze der literaturwissenschaftlichen Forschung zurückgreift.
Im Hauptteil werden die Struktur des Werkes, die Erzählerfigur Kreuzgang, die Funktion der Ironie sowie die symbolische Bedeutung von Marionetten und Masken intensiv diskutiert.
Schlüsselbegriffe sind Identität, Rollenspiel, Nihilismus, existenzielle Entfremdung und die parodistische Brechung romantischer Ideale.
Im Gegensatz zu Kleist, der die Marionette als Symbol für Grazie und verlorene Einheit sah, nutzt Klingemann sie als groteskes Instrument zur Darstellung eines mechanischen, entfremdeten Menschenbildes.
Die Forschung ist besonders aufgrund der jahrzehntelangen, ungelösten Autorschaftsfrage („Bonaventura“) und der schwierigen gattungstheoretischen Einordnung als „Roman“ hochgradig kontrovers.
Kreuzgang fungiert als eine Art Regisseur, der durch sein „Nachtwächterhorn“ die Welt demaskiert und die anderen Figuren als Marionetten agieren lässt, während er selbst die Fäden in der Hand hält.
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