Diplomarbeit, 2003
66 Seiten, Note: gut
1. Einleitung
2. Jungen in ihrer Sozialisation - So wird ein Junge zum Jungen
2.1 Geschlechtsspezifische Sozialisation
2.2 Das Geschlecht - Ein wichtiger Teil der Persönlichkeit des Menschen
2.3 Geschlechtsidentität und Geschlechtsrolle
2.3.1 Eltern und andere Erwachsene
2.3.2 Das Bilderbuch
2.3.3 Spiel und Spielzeug
2.3.4 Peergroups
3. Geschlechtsspezifische Arbeit- Die Geschichte
3.1 Jungenarbeit vor dem Hintergrund von Mädchenarbeit
3.2 Koedukation in der Krise?
4. Bestandsaufnahme: Jungenarbeit und ihre Notwendigkeit
4.1 Bestehende Konzeptionen und Ansätze von Jungenarbeit
4.2 Zielsetzungen und Methoden von Jungenarbeit
5. Theologische Betrachtungen
5.1 Die Bibel mit ihren Männern
5.2 Die Bibel als Grundlage für Jungenarbeit
6. Meine Konzeption von Jungenarbeit
6.1 Der Pädagoge in der Selbstreflexion
6.2 Mitarbeiter in der Jungenarbeit
6.3 Rahmenbedingungen und Voraussetzungen
6.4 Ziele in der Jungenarbeit
6.5 Methoden in der Jungenarbeit
7. Beispiele für Jungenarbeit in meiner Praxis
7.1 Jungenarbeit als Projekt
7.2 Jungenarbeit als ein Bestandteil für geschlechtsspezifische Konfirmandenarbeit
7.3 Jungen in der Gemeinde – biografische Arbeit
8. Abschließende Bemerkungen
Die Arbeit untersucht die Chancen und Risiken geschlechtsspezifischer Jungenarbeit im kirchlichen Kontext. Ziel ist es, unter Einbeziehung theologischer Perspektiven und soziologischer Sozialisationsaspekte ein Konzept für die Arbeit mit 10- bis 14-jährigen Jungen zu entwickeln, das tradierte, oft destruktive Rollenbilder hinterfragt und reflektiert.
2.1 Geschlechtsspezifische Sozialisation
Der Mensch sieht den Menschen nicht als eigenschaftsloses Objekt, sondern er differenziert immer nach Geschlecht, Alter, Hautfarbe, Größe Erscheinungsbild und anderen Eigenschaften. Die eigentlichen inneren Werte eines Menschen sind sekundär, so dass die äußeren Merkmale primär wahrgenommen werden. In der Entwicklung macht der Mensch Erfahrungen, die auf ihn wirken. Daraus resultieren die Verinnerlichung von Erfahrungen und somit auch eine Weitergabe der gewonnenen Erkenntnisse an seine soziale Umwelt. Bezogen auf die Erfahrungen eines Mannes, erlebt dieser in seiner Entwicklung überwiegend ein soziokulturelles System des Patriarchats. Die Gesellschaft ist eher männlich definiert und von Männern in entscheidenden Positionen von Politik, Wissenschaft usw. besetzt. Dies prägt das Bild von einem dualistischen, patriarchalischen System.
Im Verhältnis zum anderen Geschlecht erlebt sich ein Kind als Junge oder als Mädchen; der Junge erlebt sich über die Abgrenzung zum Mädchen und entwickelt als Kleinkind ein klares Ich-Bewusstsein. In diesem Alter entdecken die Jungen auch, dass sie einen Penis haben und sich dadurch von der Frau unterscheiden, dass sie selbst Jungen bzw. Mädchen und alle Menschen entweder weiblich oder männlich sind, wissen nach einer Studie 90% aller Kinder schon mit 18 Monaten. Nachdem die Kinder geschlechtslos gelebt haben, beginnt die Geschlechtsidentität, die den Jungen mit Beginn der Erkenntnis seines Geschlechtes dazu führt, seine eigentliche soziale Rolle und seine Erfahrungen in Frage zu stellen und darüber hinaus, eine veränderte Identität aufzubauen: Eine neue Geschlechtsidentität.
Das Geschlecht eines Menschen ist immer auch eine Rolle, die gelernt, umgesetzt und eingenommen wird, die damit auch Charakterzüge bestimmt, die gerade bei Jungen eher unreflektiert übernommen werden. Der Junge und das Mädchen leben, wie in der Definition beschrieben, in Rollensystemen. Ein Mädchen hat oft durch die Mutter ein Identitätsgegenüber und kann die Eigenschaften und das Verhalten ihrer Mutter erproben und überpüfen, wobei sich die meisten Jungen nur über das Gegenteil der eigene Mutter oder Frauen definiert.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Motivation des Autors zur Auseinandersetzung mit Jungenarbeit, die aus Erfahrungen mit destruktiven Verhaltensmustern in koedukativen Gruppen erwuchs.
2. Jungen in ihrer Sozialisation - So wird ein Junge zum Jungen: Dieses Kapitel analysiert, wie Jungen durch Sozialisationsinstanzen wie Eltern, Medien und Peergroups in gesellschaftliche Rollensysteme hineinwachsen.
3. Geschlechtsspezifische Arbeit- Die Geschichte: Der Autor skizziert den historischen Ursprung der Jungenarbeit, die sich maßgeblich als Reaktion auf die Frauen- und Mädchenbewegung entwickelte.
4. Bestandsaufnahme: Jungenarbeit und ihre Notwendigkeit: Hier wird argumentiert, warum Jungenarbeit aufgrund ambivalenter Identitätserfahrungen und struktureller Anforderungen notwendig ist.
5. Theologische Betrachtungen: Dieses Kapitel untersucht biblische Männerbilder und hinterfragt das patriarchale Erbe, um einen theologischen Zugang für die Arbeit mit Jungen zu finden.
6. Meine Konzeption von Jungenarbeit: Der Autor legt hier sein eigenes pädagogisches Konzept dar, das auf Selbstreflexion des Pädagogen, Beziehungsarbeit und klaren methodischen Grundprinzipien basiert.
7. Beispiele für Jungenarbeit in meiner Praxis: Es werden konkrete Praxisbeispiele wie Projektarbeit, geschlechtsspezifische Konfirmandenarbeit und biografische Methoden vorgestellt.
8. Abschließende Bemerkungen: Das Fazit fasst die Herausforderungen bei der Umsetzung von Jungenarbeit in Kirchengemeinden zusammen und betont die Notwendigkeit professioneller Begleitung.
Jungenarbeit, Sozialisation, Geschlechtsidentität, Rollensysteme, Kirchengemeinde, Geschlechtsspezifische Pädagogik, Antisexistische Arbeit, Reflektierte Jungenarbeit, Theologische Betrachtung, Männlichkeit, Identitätsbildung, Biografiearbeit, Konfirmandenarbeit, Koedukation.
Die Diplomarbeit befasst sich mit den Chancen und Risiken der geschlechtsspezifischen Arbeit mit Jungen im Raum der Kirchen und entwickelt dafür ein konzeptionelles Modell.
Zentrale Themen sind die geschlechtsspezifische Sozialisation, die historische Entwicklung der Jungenarbeit, theologische Reflexionen über Männerbilder sowie die pädagogische Praxis der Jungenarbeit.
Das Ziel ist es, eine reflektierte Jungenarbeit in Kirchengemeinden zu etablieren, die Jungen dabei unterstützt, ihr Mannsein kritisch zu hinterfragen und alternative, nicht-destruktive Männlichkeitskonzepte zu entwickeln.
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse soziologischer und pädagogischer Grundlagen, kombiniert mit einer theologischen Auslegung biblischer Texte und einer Selbstreflexion der eigenen pädagogischen Praxis.
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Jungendsozialisation, die Geschichte und Notwendigkeit von Jungenarbeit, eine theologische Einordnung, das eigene pädagogische Konzept des Autors sowie spezifische Praxisbeispiele.
Wichtige Begriffe sind Jungenarbeit, Sozialisation, Geschlechtsidentität, Kirchengemeinde, patriarchale Strukturen, Männlichkeit und reflektierte Pädagogik.
Die Theologie dient als Spiegel, um tradierte patriarchale Männerbilder in der Bibel kritisch zu hinterfragen und Jesus als ein Beispiel für einen Menschen zu betrachten, der weibliche und männliche Anteile vereinte.
Weil der Jungenarbeiter selbst als Mann agiert und als Identifikationsfigur oder Vorbild wirkt; daher muss er sich seiner eigenen Männlichkeitsmythen bewusst sein, um diese nicht unreflektiert an die Jungen weiterzugeben.
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