Masterarbeit, 2011
118 Seiten, Note: 1,5
1 Einleitung
1.1 Positivistischer Ansatz
1.2 Relevanz
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Protestbewegungen als kollektives Handlungsproblem
2.1 Logik des kollektiven Handelns und Begriffsdefinitionen
2.2 Wahlfälschungen als focal points of action
2.3 Bewegungsforschung
2.3.1 Ressourcenmobilisierungstheorie und Mobilisierungsstruktur
2.3.2 Politische Gelegenheitsstruktur
2.3.3 Framing
2.3.4 Zusammenfassung Bewegungsforschung
2.4 Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT)
2.4.1 Von der Organisation zum Netzwerk und zu Smart Mobs
2.4.2 Von Massenmedien zu alternativen Kommunikationskanälen
2.4.3 Von nationalen zu transnationalen Zielen
2.4.4 ICT in nicht-demokratischen Staaten
2.5 Zusammenfassung der Lösungsansätze
3 Tranformations- und Autoritarismusforschung
3.1 Regimetypen
3.2 Die „Farbenrevolutionen“ und ihre Erklärungsansätze
3.2.1 Eliten und Protestmobilisierung
3.2.2 Diffusion
3.2.3 Externe Demokratieförderung
3.2.4 Zusammenfassung der identifizierten Faktoren
3.3 Autoritarismusforschung und Protest
3.3.1 Postelektoraler Protest in kompetitiven autoritären Regimen
3.3.2 Postelektoraler Protest in hegemonialen autoritären Regimen
3.3.3 Zusammenfassung der identifizierten Faktoren
4 Theoretische Integration und Hypothesenbildung
4.1 Regimetypen und Protestbewegungen
4.2 Regimetypen und externe Akteure
4.3 Erklärungsfaktor Wahlfälschung
4.4 Erklärungsfaktor ICT
4.5 Identifikation der unabhängigen Variablen, der Kontrollvariablen und Hypothesenbildung
5 Methode, Operationalisierung und Fallauswahl
5.1 Methode
5.2 Regionalvergleich
5.3 Zeithorizont
5.4 Operationalisierung der Variablen
5.4.1 Abhängige Variable: Protestbewegung (dichotom ja/nein)
5.4.2 Kontrollvariable I: Wahltyp (Präsidentschaftswahl ja/nein)
5.4.3 Kontrollvariable II: Wahlfälschung (dichtom ja/nein)
5.4.4 Kontrollvariable III: Grad der Nutzbarkeit von ICT
5.4.5 Unabhängige Variable: Regimetyp
5.5 Fallauswahl
6 Empirische Untersuchung
7 Analyse der Ergebnisse
8 Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht, unter welchen Bedingungen nach gefälschten Präsidentschaftswahlen in postsowjetischen Staaten Protestbewegungen entstehen und in welchen Fällen dies unterbleibt, wobei insbesondere die Rolle des Regimetypus und der Einfluss von Informations- und Kommunikationstechnologien kritisch geprüft werden.
2.1 Logik des kollektiven Handelns und Begriffsdefinitionen
Kollektives Handeln ist in der sozialwissenschaftlichen Literatur als Handeln eines Individuums zum Erreichen eines Gruppenziels definiert. Dabei produzieren Individuen ein kollektives Gut, das von allen Mitgliedern der Gruppe genutzt wird und nur durch eine Gruppe geschaffen werden kann. Kollektives Handeln gilt unter Annahme eins homo oeconomicus als irrational, weil dem Gruppeninteresse am kollektiven Gut Individualinteressen entgegenstehen. Da das Erreichen des Ziels kollektiven Handelns zur Produktion eines kollektiven Guts führt, das keinem Individuum vorenthalten werden kann, ist es für das Individuum in einer großen Gruppe zweckrational, sich nicht an den Kosten der Produktion, jedoch am antizipierten Nutzen des Guts zu beteiligen. Mancur Olson, der dieses freerider- oder kollektive Handlungsproblem erstmals erfasst, geht davon aus, dass dieses nur durch selektive Anreize, wie etwa Gehälter, die einzelne zur Investition in die Herstellung des kollektiven Guts motivieren, sowie in kleinen Gruppen oder aber durch eine formale Organisation überwunden werden kann.
Auch im Falle von Protestbewegungen, die das Explanandum dieser Arbeit bilden, kann ein kollektives Handlungsproblem identifiziert werden. Man spricht hier von contentious collective action. Contention kann als die Erhebung eines Anspruches gegenüber anderen definiert werden. Die Bedeutung des Wortes contention ist somit unweit der Bedeutung des Wortes Protest, das im Lateinischen Missfallenskundgebung oder Einspruch bedeutet. Handeln wird contentious, wenn Individuen Forderungen in einer Weise stellen, die andere oder Autoritäten fundamental herausfordert. The irreducible act that lies at the base of all social movements, protests and revolutions is contentious collective action.
1 Einleitung: Stellt die Forschungsfrage nach den Entstehungsbedingungen von Protestbewegungen nach Wahlfälschungen und definiert den theoretischen Rahmen sowie die Relevanz der Arbeit.
2 Protestbewegungen als kollektives Handlungsproblem: Diskutiert theoretische Lösungsansätze für kollektive Handlungsprobleme, einschließlich der Rolle von Wahlfälschungen und ICT.
3 Tranformations- und Autoritarismusforschung: Analysiert Regimetypen und spezifische Ansätze zur Erklärung von Protesten, insbesondere im Kontext der "Farbenrevolutionen".
4 Theoretische Integration und Hypothesenbildung: Verknüpft die Erkenntnisse aus der Bewegungsforschung und der Autoritarismusforschung zu einem konsistenten Erklärungsmodell.
5 Methode, Operationalisierung und Fallauswahl: Legt das methodische Vorgehen (MSSD) fest und operationalisiert die relevanten Variablen für die empirische Analyse.
6 Empirische Untersuchung: Präsentiert die Daten der ausgewählten Fälle zur Überprüfung der aufgestellten Hypothesen.
7 Analyse der Ergebnisse: Diskutiert die empirischen Befunde im Kontext der theoretischen Erwartungen und der Hypothese.
8 Fazit und Ausblick: Fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert über die Rolle von ICT sowie zukünftige Forschungsnotwendigkeiten.
Protestbewegungen, Kollektives Handeln, Wahlfälschung, Autoritarismus, Regimetyp, Transformation, Informations- und Kommunikationstechnologien, ICT, Framing, Mobilisierungsstruktur, Politische Gelegenheitsstruktur, Rational-Choice, Post-Sowjetischer Raum, Contentious Politics, Demokratieförderung.
Die Arbeit analysiert, warum es in einigen postsowjetischen Staaten nach gefälschten Präsidentschaftswahlen zu Protesten kommt, während in anderen Staaten solche Bewegungen ausbleiben.
Die zentralen Themen sind Protestforschung, kollektives Handeln, die Varianz verschiedener autoritärer Regimetypen und der Einfluss von Technologien auf soziale Bewegungen.
Das Ziel ist die Identifikation der Faktoren, die das Entstehen von Protestbewegungen nach Wahlfälschungen in autoritären Regimen begünstigen oder verhindern.
Es wird eine vergleichende Fallstudie (MSSD - Most Similar Systems Design) verwendet, um bei möglichst ähnlichen Fällen die Wirkung der unabhängigen Variablen auf Protestbewegungen zu prüfen.
Der Hauptteil umfasst eine theoretische Fundierung zu Protestbewegungen und Autoritarismus, die Operationalisierung der Variablen sowie eine empirische Überprüfung anhand von Daten aus dem postsowjetischen Raum.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Protestbewegungen, Wahlfälschung, Regimetypen, autoritäre Herrschaft und das kollektive Handlungsproblem.
Die Autorin hinterfragt kritisch, ob ICT tatsächlich als „Befreiungstechnologie“ fungiert, und kommt zu dem Schluss, dass ihre Wirkung stark vom politischen Kontext und den vorhandenen Mobilisierungsstrukturen abhängt.
Die Analyse zeigt, dass in kompetitiven autoritären Regimen (KAR) eher Proteste nach Wahlfälschungen entstehen, da dort existierende Mobilisierungsstrukturen und politische Nischen eine Koordination der Opposition ermöglichen.
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