Diplomarbeit, 2003
112 Seiten, Note: sehr gut
1. Einleitung
2. Zwischen allen Stühlen – Die wechselvolle Geschichte der Russlanddeutschen
2.1. Gen Osten – die ersten Anfänge deutscher Besiedlung
2.2. Deutsche als Flüchtlinge im 18. und 19. Jahrhundert
2.3. Deutsches Leben in Russland bzw. der Sowjetunion
2.3.1. Der Erste Weltkrieg (1914 – 1918)
2.3.2. Die Oktoberrevolution (1917)
2.3.3. Der Zweite Weltkrieg (1939 – 1945)
2.4. Gen Westen – zurück in das Land der Vorfahren
2.4.1. Das Kriegsende
2.4.2. Das Bundesvertriebenengesetz – eine erste gesetzliche Regelung für den Aussiedlerzuzug in die BRD
2.4.3. „Unbemerkte Zuwanderung“ bis Mitte der 80er Jahre
2.4.4. Aussiedlerzuzug unter Glasnost und Perestroika
2.5. Die 90er Jahre – eine Trendwende in der Aussiedlerpolitik der wiedervereinigten Bundesrepublik
3. Aktuelle Entwicklungen: Betrachtung der besonderen Situation russlanddeutscher Spätaussiedler in den neuen Bundesländern unter Einbeziehung einer Befragung sächsischer Betreuender
3.1. Spätaussiedler – eine besondere Migrantengruppe
3.1.1. Rechtliche Grundlagen der Spätaussiedleraufnahme
3.1.2. Das Aufnahmeverfahren
3.1.3. Hilfen für Spätaussiedler in der BRD
3.2. Die Situation von Spätaussiedlern in den neuen Bundesländern im groben Überblick
3.3. Fragen und Thesen zur Situation russlanddeutscher Spätaussiedler in den neuen Bundesländern anhand einer Befragung sächsischer Betreuender
3.3.1. Ablauf und Aussehen der Befragung
3.3.2. Auswertung der Fragebögen
3.3.2.1. Deutsch-deutsche Unterschiede
3.3.2.2. Umzugswünsche
3.3.2.3. Umzugsgründe
3.3.2.4. Vor- und Nachteile der neuen Länder
3.3.2.4.1. Aus städtischer Sicht
3.3.2.4.2. Aus ländlicher Sicht
3.3.2.5. Heimvorteil für „sozialistische Brüder“?
3.4. Zusammenfassende Betrachtung und Perspektiven
4. Russlanddeutsche Spätaussiedler in den neuen Bundesländern – Probleme, Möglichkeiten und Chancen für die Sozialarbeit
Die Arbeit untersucht die spezifische Situation russlanddeutscher Spätaussiedler in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob diese Migrantengruppe im Osten Deutschlands aufgrund struktureller und sozioökonomischer Bedingungen mit größeren Herausforderungen konfrontiert ist als in den alten Bundesländern. Dabei wird insbesondere die Perspektive sächsischer Betreuer beleuchtet, um subjektive Erfahrungen und Integrationshemmnisse zu erfassen.
3.3.1. Ablauf und Aussehen der Befragung
Als Form der Befragung wählte ich, aufgrund großer räumlicher Distanzen zwischen den zu interviewenden Stellen, die briefliche. Insgesamt habe ich 36 Beratungsstellen, Institutionen und Vereine im gesamten sächsischen Freistaat angeschrieben – im Anhang findet sich eine genaue Auflistung dieser Stellen. Die Adressen entnahm ich zum Großteil einer Liste, die der sächsische Ausländerbeauftragte Heiner Sandig auf seinen Internetseiten zur Verfügung stellt. Ergänzt habe ich sie mit privaten Kontakten. Neben einem Erklärungsbrief und der Bitte um das Ausfüllen der Papiere fügte ich den von mir erstellten Fragebogen bei, der folgende Fragen enthielt:
In welcher Funktion oder Form betreuen Sie russlanddeutsche Spätaussiedler? (z. B. Sozialarbeiter in einer Beratungsstelle)
(1) Gemessen an allem, was Sie erleben, über russlanddeutsche Spätaussiedler wissen bzw. diese Ihnen erzählen: Würden Sie sagen, dass sie in den neuen Bundesländern eine andere Situation vorfinden bzw. in einer anderen Situation leben als in den alten Bundesländern? Bitte begründen Sie Ihre Antwort!
(2) Wie (stark) erleben Sie den Wunsch von russlanddeutschen Spätaussiedlern, in die alten Bundesländer umzuziehen?
(3) Welche Gründe sind Ihnen aus der Sicht der Spätaussiedler dafür bekannt?
(4) Im Gegensatz zu den alten Bundesländern gesehen: Welche Vorteile und/oder Mängel bieten Ihrer Meinung nach die neuen Bundesländer russlanddeutschen Spätaussiedlern? (z. B. gemessen an ihrer Integration, Vernetzung, der Einstellung der Einheimischen, der wirtschaftlichen Lage)
(5) Erleben Sie, dass sich aus der „gemeinsamen Zugehörigkeit der DDR und der Sowjetunion zu einem politischen und ideologischen System“ für russlanddeutsche Spätaussiedler in den neuen Bundesländern positive oder negative Konsequenzen ergeben? (z. B. in der Einstellung der Einheimischen gegenüber Russlanddeutschen oder der Einstellung Russlanddeutscher gegenüber den neuen Bundesländern)
1. Einleitung: Die Verfasserin stellt das Thema der Aussiedlung nach Deutschland vor und erläutert ihren Fokus auf die Situation russlanddeutscher Spätaussiedler in den neuen Bundesländern anhand einer Befragung sächsischer Experten.
2. Zwischen allen Stühlen – Die wechselvolle Geschichte der Russlanddeutschen: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss der Siedlungsgeschichte, der Lebensumstände in der Sowjetunion und der Migrationsbewegungen zurück nach Deutschland.
3. Aktuelle Entwicklungen: Der Hauptteil analysiert die rechtliche Situation von Spätaussiedlern, die spezifische Problematik in den neuen Bundesländern und wertet eine durchgeführte Expertenbefragung aus.
4. Russlanddeutsche Spätaussiedler in den neuen Bundesländern – Probleme, Möglichkeiten und Chancen für die Sozialarbeit: Hier werden die Ergebnisse der Arbeit auf die praktische Sozialarbeit übertragen und Perspektiven für eine erfolgreichere Integration aufgezeigt.
Russlanddeutsche, Spätaussiedler, neue Bundesländer, Integration, Sozialarbeit, Migrationsgeschichte, Arbeitsmarkt, Identität, Wohnortzuweisung, Expertenbefragung, Aussiedlerpolitik, Kriegsfolgenbereinigungsgesetz, soziale Unterstützung, Sachsen, Zuwanderung.
Die Arbeit befasst sich mit der spezifischen Lebenssituation von russlanddeutschen Spätaussiedlern in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung.
Die zentralen Themen sind die historische Einordnung der Russlanddeutschen, die rechtlichen Rahmenbedingungen der Spätaussiedleraufnahme sowie die aktuellen sozioökonomischen Bedingungen im Osten Deutschlands.
Das Ziel ist die Untersuchung der These, dass russlanddeutsche Spätaussiedler in den neuen Bundesländern mit deutlich schlechteren Voraussetzungen und schwierigeren Integrationsbedingungen konfrontiert sind als in den alten Bundesländern.
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse sowie eine schriftliche Expertenbefragung von 36 Institutionen und Betreuungsstellen im sächsischen Raum.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, die Darstellung der aktuellen gesetzlichen Lage für Spätaussiedler und eine detaillierte Auswertung der Experteninterviews zu Themen wie Umzugswünsche, Arbeitsmarktsituation und Akzeptanz durch die Bevölkerung.
Die wichtigsten Begriffe sind Spätaussiedler, neue Bundesländer, Sozialarbeit, Integration, Arbeitslosigkeit und das Kriegsfolgenbereinigungsgesetz.
Die Wohnortzuweisung wird als strukturelle Barriere identifiziert, die Spätaussiedler an strukturschwache Regionen bindet und somit deren Chancen auf Arbeit und soziale Integration im Osten Deutschlands erheblich einschränkt.
Die Experten beurteilen diese Parallele ambivalent: Während sie einerseits als Basis für Verständnis durch Sprachkenntnisse der Einheimischen gesehen wird, führt sie andererseits oft zu Abgrenzung und negativen Stereotypisierungen („Russen“-Bild).
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