Masterarbeit, 2012
182 Seiten, Note: 1 (12 auf der dänischen Skala)
Einleitung
1. Einführung in die Thematik
1.1. Märchen und Märchentradition
1.2. Traditionen deutscher Märchenforschung vor Grimm
1.3. Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm
1.4. Traditionen deutscher Märchenforschung nach Grimm
1.5. Unvereinbare Hauptrichtungen und unbeantwortete Fragen
1.6. Methode und Gliederung der Studie
2. Das Märchen vom Märchen
2.1. Naturromantik, Volksdichtung und Vorbilder
2.1.1. Das romantische Ideal
2.1.2. Volksdichtung und Fakten
2.1.3. Das Vorbild Philipp Otto Runge
2.2. Die Brüder Grimm und ihre Quellen
2.2.1. Junge Frauen aus Kassel
2.2.2. Die Märchenfrau
2.2.3. Mündliche Quellen
2.3. Gattung Grimm: Kinder- und Hausmärchen als Erziehungsbuch
2.3.1. Reinheit in der Wahrheit
2.3.2. Jugendfreie Märchen
2.3.3. Mutterpädagogik und Familienwerte
3. Beispiele der Arbeitsmethoden der Brüder Grimm
3.1. Beispiel Froschkönig
3.1.1. Das Mädchen und der Frosch
3.1.2. Entwicklung des Froschkönig-Märchens
3.1.3. Der Froschkönig bei Grimm
3.2. Beispiel Rotkäppchen
3.2.1. Das Mädchen und der Wolf
3.2.2. Entwicklung des Rotkäppchen-Märchens
3.2.3. Rotkäppchen bei Grimm
3.3. Beispiel Schneewittchen
3.3.1. Das Mädchen und die Stiefmutter
3.3.2. Entwicklung des Schneewittchen-Märchens
3.3.3. Schneewittchen bei Grimm
4. Der Mythos vom Volksmärchen
4.1. Ein Mythos entsteht
4.2. Eine jahrhundertelange volkskundliche Tradition
4.2.1. Elias Lönnrot
4.2.2. Karl Felix Wolff
4.2.3. Evald Tang Kristensen
5. Zusammenfassung
6. Resümee in dänischer Sprache
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Arbeitsmethoden der Brüder Grimm bei der Erstellung der "Kinder- und Hausmärchen" sowie deren maßgebliche Rolle bei der Begründung des Mythos über das "deutsche Volksmärchen". Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen den Behauptungen der Grimms über ihre Sammeltätigkeit und den tatsächlichen, oftmals literarisch bearbeiteten Quellen aufzuzeigen.
3.1.2. Entwicklung des Froschkönig-Märchens
Die Brüder Grimm geben zuerst an, ihr Märchen Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich stamme aus Hessen. Es ist durchaus anzunehmen, dass die ursprüngliche Niederschrift durch die Grimms sich auf einer Tradition im Hause Wild in Kassel basiert. Im Anmerkungsband vergleichen die Grimms ihre Version mit einem weiteren hessischen Märchen über einen König, der seine drei Töchter nacheinander zum Wasserholen an einen Brunnen schickt. Die Parallelen nicht nur zum Grimmschen Froschkönig, sondern ebenfalls zum alten schottischen Märchen sind auffällig: Auch in der zweiten hessischen Version konzentriert die Handlung sich auf die jüngste Prinzessin, den Brunnen und den Frosch, der dem Mädchen hilft und als Gegenleistung darum bittet, ihr Geselle bzw. ihr Schätzchen zu werden. Die Brüder Grimm greifen demnach auf eine alte Tradition zurück:
Das Märchen gehört zu den ältesten in Deutschland, man kannte es unter dem Namen Von dem eisernen Heinrich nach dem treuen Diener, der sein kummervolles Herz in eiserne Bande hatte legen lassen.
Dem Motiv des gebändigten Herzens folgen die Grimms anhand von Sprichwörtern und Beispielen in deutschen Volksliedern bis ins Hochmittelalter zurück. Nicht nur die Motive dieses Märchens scheinen demnach uralt zu sein; es besteht der Eindruck, dass ebenfalls der Titel Froschkönig – der Georg Rollenhagens 1595 erschienenen Tierepos Froschmeuseler entlehnt wurde – weitaus älter als die übrigen Grimmschen Märchentitel ist. Die in Verse gefasste Bitte des Frosches um Einlass – „Königstochter, jüngste, mach mir auf!“ – ist ebenfalls keine Erfindung der Brüder Grimm; diese Zeilen finden sich sowohl in den hessischen und schottischen Parallelversionen als auch bei dem Philologen Friedrich David Gräter und scheinen demnach ein altes, kollektives europäisches Kulturgut zu sein.
Einleitung: Es wird die Forschungsfrage skizziert, ob die "Kinder- und Hausmärchen" lediglich ein statisches Produkt oder ein über Ausgaben hinweg wandelbares, ideologisch geprägtes Erziehungsbuch sind.
1. Einführung in die Thematik: Dieses Kapitel verortet die Grimmsche Sammlung im Kontext der damaligen Märchenforschung und hinterfragt die Authentizität des Grimmschen Märchenbegriffs.
2. Das Märchen vom Märchen: Hier wird untersucht, wie die Grimms den Mythos einer "deutschen Volksdichtung" konstruierten und wie stark sie dabei tatsächlich auf literarische Vorbilder zurückgriffen.
3. Beispiele der Arbeitsmethoden der Brüder Grimm: Anhand der konkreten Fallbeispiele Froschkönig, Rotkäppchen und Schneewittchen wird aufgezeigt, wie Wilhelm Grimm Texte für das Biedermeier-Publikum umformte.
4. Der Mythos vom Volksmärchen: Dieses Kapitel reflektiert, wie der "Mythos vom deutschen Volksmärchen" entstand und vergleicht das Vorgehen der Grimms mit anderen europäischen Sammlern.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass die Grimms ein "Erziehungsbuch" schufen, das bewusst literarische Bearbeitung und mündliche Überlieferung verschmolz.
6. Resümee in dänischer Sprache: Eine zusammenfassende Reflexion der Ergebnisse auf Dänisch.
Brüder Grimm, Kinder- und Hausmärchen, Volksmärchen, Märchenforschung, Biedermeier, Philologie, literarische Bearbeitung, Volksdichtung, Wilhelm Grimm, Jacob Grimm, Froschkönig, Rotkäppchen, Schneewittchen, Mündliche Überlieferung, Erziehungsbuch.
Die Arbeit untersucht kritisch die Arbeitsmethoden der Brüder Grimm bei der Ausarbeitung ihrer "Kinder- und Hausmärchen" und analysiert, wie diese Märchen gezielt als Erziehungsinstrument für das Biedermeier-Publikum umgestaltet wurden.
Zentral sind die Konstruktion des "deutschen Volksmärchen"-Mythos, die Diskrepanz zwischen offiziellen Behauptungen der Grimms und ihrer tatsächlichen redaktionellen Praxis sowie die Einordnung ihrer Arbeit in einen literatur- und kulturgeschichtlichen Kontext.
Ziel ist es, den Mythos der "naturwüchsigen" Volksdichtung zu dekonstruieren und aufzuzeigen, wie Wilhelm Grimm aus fragmentarischen Stoffen eine abgerundete, pädagogisch wertvolle Ganzheit schuf.
Die Arbeit verfolgt einen textnahen, hermeneutischen Ansatz, der verschiedene Ausgaben der Märchen vergleicht und mit kulturhistorischen Fakten sowie zeitgenössischer Literaturkritik in Beziehung setzt.
Der Hauptteil analysiert detailliert drei bekannte Märchen – Froschkönig, Rotkäppchen und Schneewittchen – und zeigt auf, wie durch Eingriffe, Tilgungen und Hinzufügungen ein spezifischer "Gattung Grimm"-Stil entstand.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Volksmärchen, Grimm-Forschung, Biedermeier-Moral, philologische Redaktion und literarische Konstruktion geprägt.
Philipp Otto Runge gilt den Brüdern Grimm als stilistisches Vorbild, da seine Märcheninterpretationen bereits die von den Grimms angestrebte, abgerundete Form des Volksmärchens vorwegnahmen.
Das Biedermeier-Publikum forderte moralische und jugendfreie Unterhaltung. Daher mussten die Grimms anstößige oder zu "derbe" Inhalte tilgen und die Märchen zu einem pädagogisch wertvollen "Erziehungsbuch" formen.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

