Masterarbeit, 2012
91 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1. Der Exilautor Vladimir Nabokov in Berlin: kulturellhistorische Hintergründe
1.1 Das Leben an einem Ort des „Zwischen“
1.2 Vladimir Nabokov und die Literatur des Zwischenraums
1.3 Exilautor Vladimir Nabokov: von der Lyrik hin zur Prosa
1.4 Der Exilschauplatz Berlin
2. Die Dichterfiguren in den frühen Romanen Vladimir Nabokovs
2.1 Nabokovs potentielle Dichter
2.2 Der Dichter und der Wahnsinnige bei Nabokov
3. Potentielle Dichter zwischen Heilung und Wahnsinn
3.1 Der geheilte Dichter im Debütroman Mašen’ka
3.1.1 Die Gegenwart unter dem Zeichen des Wahnsinns
3.1.2 Die Heilung durch die Kunst der Erinnerung
3.2 Der Wahnsinn und der Tod durch die Kunst in Zaščita Lužina
3.2.1 Der Schachspieler als potentieller Dichter
3.2.2 Zwischen Schachwelt und Realität: dvoemirie in Zaščita Lužina
3.2.3 Die unheilvolle Macht der Erinnerung
3.3 Das Duell zwischen dem wahren und dem falschen Dichter im Roman Otčajanie
3.3.1 Das Verbrechen als ein quasi-poetischer Akt
3.3.2 Das ästhetische Scheitern an der Verkennung der Realität
3.3.3 Der Kampf zwischen dem wahren und dem falschen Dichter
Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht die Darstellung potentieller Dichterfiguren in Vladimir Nabokovs russischsprachigen Frühromanen Mašen’ka, Zaščita Lužina und Otčajanie. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern die künstlerische Begabung, verknüpft mit der Exilsituation, als ein ambivalenter Prozess zwischen geistiger Heilung und existenziellem Wahnsinn verstanden werden kann, wobei die Stabilität der Anbindung an die alltägliche Realität eine zentrale Rolle spielt.
3.1.2 Die Heilung durch die Kunst der Erinnerung
Im Exil angekommen, kann sich Lev Ganin zunächst nicht mehr an seine eigene Vergangenheit in Russland erinnern, wird jedoch ständig vom Gefühl heimgesucht, auch seine aktuelle Lage sei unecht und illusorisch. Ganins geschwätziger und unangenehmer Nachbar Alfërov scheint sich dagegen sehr wohl an das Leben im Exil angepasst zu haben. Im Gegensatz zu Ganin, dem Nabokov Züge eines Dichters verleiht, ist Alfërov Vertreter der Mathematik, einer uninspirierten, auf Logik und Zahlen basierten Wissenschaft. Für Nabokov, der sich gegen jegliche Normalisierung und Verallgemeinerung wehrte, stellt Mathematik eine gemachte Rationalität dar, um die Welt erfolgreich ordnen zu können. Doch mathematische Symbole, wie reibungslos ihr Zusammenspiel sonst auch sein mag, können in der von positiver und kreativer Irrationalität regierten Welt der Kunst nicht gedeihen.
Somit wird Mathematiker Alfërov als Ganins Gegenpart par excellence konzipiert. Ein künstlerisches Gedächtnis ist ihm vom Autor nicht gegönnt, und so ist Alfërov völlig unfähig, seine Erinnerungen an die russische Heimat ästhetisch zu verarbeiten. Deshalb fällt es ihm auch leicht, Russland zu einer unwahren Kategorie, ja der Einbildung der Psyche zu erklären.
1. Der Exilautor Vladimir Nabokov in Berlin: kulturellhistorische Hintergründe: Dieses Kapitel beleuchtet das Berliner Exil als prägenden kulturellen Zwischenraum, der die Identitätssuche und das schriftstellerische Schaffen der russischen Emigration maßgeblich beeinflusste.
2. Die Dichterfiguren in den frühen Romanen Vladimir Nabokovs: Hier wird Nabokovs Typologie des Dichterischen eingeführt, wobei insbesondere der Antagonismus zwischen dem „Alltagsmenschen“ und dem Künstler sowie die Abgrenzung von Genie, Wahnsinnigem und Verbrecher im Vordergrund stehen.
3. Potentielle Dichter zwischen Heilung und Wahnsinn: Das Hauptkapitel analysiert die drei Romane: Lev Ganin gelingt durch die Ästhetisierung der Erinnerung die Heilung, während Aleksandr Lužin durch Obsession in den Wahnsinn und German Karlovič durch ein missglücktes Verbrechens-Konstrukt in das ästhetische und psychische Scheitern getrieben werden.
Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel führt die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Realisierung des künstlerischen Potentials bei Nabokov zwingend eine stabile Verankerung im Realen voraussetzt, um nicht am eigenen Schaffen zu zerbrechen.
Vladimir Nabokov, Russisches Exil, Berliner Frühromane, Dichterfiguren, Mašen’ka, Zaščita Lužina, Otčajanie, Erinnerung, Wahnsinn, dvoemirie, Künstlertum, Realitätsverlust, Identitätssuche, ästhetische Schöpfung, Besessenheit.
Die Arbeit untersucht die Frühromane Vladimir Nabokovs und analysiert, warum die Protagonisten als "potentielle Dichter" dargestellt werden, die zwischen dem schöpferischen Potenzial der Kunst und der Gefahr des Wahnsinns stehen.
Zentrale Themen sind die Auswirkungen des Exils auf die russische Identität, das Verhältnis von Erinnerung und Realität sowie der komplexe psychologische Zustand von Künstlern in einer als fremd empfundenen Umgebung.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum Nabokov seine Dichterfiguren in "banalen" Masken (wie Filmstatist, Schachspieler, Fabrikbesitzer) versteckt und unter welchen Bedingungen die künstlerische Gabe entweder zur geistigen Gesundung oder in den Untergang führt.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Romananalyse durchgeführt, die kulturhistorische Hintergründe (Berliner Exil) mit poetologischen Ansätzen Nabokovs (Essay: The Art of Literature and Commonsense) verknüpft.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse der Romane Mašen’ka, Zaščita Lužina und Otčajanie, wobei jede Figur hinsichtlich ihrer Verankerung in der Realität und ihrem Scheitern oder Erfolg als Dichter untersucht wird.
Wichtige Begriffe sind Nabokov, Exil, Dichterfiguren, Wahnsinn, dvoemirie (Zweiweltenmodell), Erinnerung, Identitätskrise und künstlerische Transformation.
Das Modell verdeutlicht Lužins Flucht aus der unvorhersehbaren Realität in eine geordnete, aber tödliche Schachwelt, wobei die Grenze zwischen diesen beiden Sphären im Verlauf seines Wahnsinns verschwimmt.
Das Scheitern Germans wird als Folge seiner Unfähigkeit zur Selbsterkenntnis gewertet; er betrachtet sein Verbrechen als Kunstwerk, scheitert jedoch, da er die Realität nicht als solche erkennt und von der "echten" Schöpferinstanz Nabokovs entlarvt wird.
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