Bachelorarbeit, 2011
53 Seiten, Note: 1,1
1. Einleitung
2. Der deutsche Kolonialismus im politischen Diskurs
3. Der Simplicissimus – Geschichte und Positionierung
4. Die Rezeption des Hererokriegs im Simplicissimus
5. Das Verhältnis des Simplicissimus zu seinen Lesern
6. Fazit
Diese Bachelorarbeit analysiert, inwiefern die Satirezeitschrift Simplicissimus den Hererokrieg in der Zeit von 1904 bis 1907 thematisierte, in welcher Form dies geschah und wie sich das Medium innerhalb des politischen Diskurses des Deutschen Kaiserreichs positionierte.
Die Rezeption des Hererokriegs im Simplicissimus
Im Folgenden wird untersucht, wie der Hererokrieg im Simplicissimus dargestellt wurde. Um dabei die Positionierung auch in Bezug auf die politische Haltung aufzuzeigen, werden exemplarische Quellen aus den verschiedenen Themenbereichen analysiert, die im bereits erläuterten Diskurs um den Kolonialismus eine zentrale Rolle gespielt haben. Hauptsächlich werden dazu Darstellungen herangezogen, dich sich ausdrücklich mit der Kolonie Südwest beschäftigen. Wie jedoch bereits die Tabelle zeigt, wurde der Kolonialismus im Allgemeinen weitaus öfter thematisiert. Dies heißt jedoch nicht unbedingt, dass der Hererokrieg weniger Raum einnahm, denn nahezu alle Beiträge beziehen sich zumindest indirekt auch auf Südwestafrika. Allgemeine Darstellungen fließen demzufolge ebenfalls in die Untersuchung mit ein.
Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Zeitschrift eine kolonialkritische Haltung einnahm. Eine gute Übersicht über die kritisierten Aspekte zeigt eine Erzählung aus dem Jahr 1906. In Silvesternacht wird beschrieben, wie einem Deutschen namens Maier zum Jahreswechsel der Erzengel Michael erscheint. Dieser bittet Maier, ihm die Zustände im Deutsche Reich zu erklären. Dessen erste Aussage ist, dass er ihm nichts berichten könne, da er Untertan ist und demnach nichts wüsste. Der Erzengel spricht ihn zuerst auf die Marokkofrage an, die Deutschland zu der Zeit in internationale Konflikte brachte und dadurch wirtschaftliche Beziehung gefährdete. Michael kritisiert das riskante Vorgehen der Regierung, Maier lässt sich aber nicht beirren, da man ja nicht nur für den Gewinn, sondern wegen des „moralischen Prestiges“ handle. Der Erzengel erzählt daraufhin, dass im Himmel auch Deutsche angekommen seien, jedoch nicht in Pickelhaube, sondern mit Hut. „Hurra! Unsere Afrikaner,“ ruft Maier. Auch die kämpfen laut ihm für das Prestige. Im Folgenden erklärt er umständlich, dass das heißt, man kämpfe nicht für materiellen Gewinn, sondern für die Ehre. Der Erzengel versteht dies nicht und lässt ihn weiter ausführen. Maier: „Sehen Sie, da haben wir Kolonien. Wir bezahlten viele Millionen darauf und profitierten nichts. Aber trotzdem haben wir
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema des imperial turn ein und stellt die Relevanz des Hererokriegs als Genozid sowie die Eignung satirischer Medien zur Diskursanalyse dar.
2. Der deutsche Kolonialismus im politischen Diskurs: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Motive für den deutschen Kolonialismus und stellt die unterschiedlichen Positionen der politischen Strömungen wie SPD und Liberale gegenüber.
3. Der Simplicissimus – Geschichte und Positionierung: Die Geschichte der Gründung des Simplicissimus wird skizziert, wobei die satirische Ausrichtung, der künstlerische Anspruch und die kritische Grundhaltung gegenüber dem wilhelminischen System hervorgehoben werden.
4. Die Rezeption des Hererokriegs im Simplicissimus: Es wird analysiert, wie die Zeitschrift den Hererokrieg behandelte, wobei deutlich wird, dass der Fokus primär auf innenpolitischen Aspekten und wirtschaftlicher Kritik lag, anstatt auf dem Genozid selbst.
5. Das Verhältnis des Simplicissimus zu seinen Lesern: Hier wird diskutiert, wie die Zeitschrift ihr bürgerliches Publikum ansprach und warum die Notwendigkeit kommerzieller Absätze oft zu einer Art Selbstzensur führte.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass der Simplicissimus zwar kolonialkritisch eingestellt war, den Genozid jedoch als zweitrangig gegenüber der innerdeutschen Gesellschaftskritik behandelte.
Simplicissimus, Hererokrieg, deutscher Kolonialismus, Genozid, Satire, Karikatur, Wilhelminismus, politische Diskursanalyse, Sozialdemokratie, Liberalismus, Bürgertum, Wirtschaftspolitik, Pressegeschichte, Lothar von Trotha, Südwestafrika.
Die Arbeit untersucht, wie die bekannte satirische Zeitschrift Simplicissimus zwischen 1904 und 1907 auf den Hererokrieg und die deutsche Kolonialpolitik in Südwestafrika reagiert hat.
Die zentralen Themen sind die koloniale Wirtschaftspolitik, der Umgang der Regierung mit dem Aufstand, die Rolle der deutschen Soldaten und die kritische Auseinandersetzung des Mediums mit dem wilhelminischen Bürgertum.
Das Ziel ist es, die politische Haltung des Simplicissimus im Hinblick auf den Kolonialismus zu bestimmen und zu klären, warum das genozidale Vorgehen gegen die Herero weniger thematisiert wurde als innenpolitische Missstände.
Die Arbeit nutzt die Bild- und Textanalyse von exemplarischen Quellen (Artikeln und Karikaturen) der Jahre 1904 bis 1907, ergänzt durch historische Kontextualisierungen und den Briefwechsel der Redaktion.
Im Hauptteil werden der politische Diskurs des Kolonialismus, die Geschichte des Simplicissimus, die konkrete Berichterstattung zum Krieg und das Spannungsfeld zwischen Redaktionsanspruch, Leserschaft und finanziellen Zwängen analysiert.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Simplicissimus, Hererokrieg, Kolonialkritik, politische Satire, Gesellschaftskritik und liberale Presse.
Die Zeitschrift bewertet das Profitstreben der Großunternehmer extrem negativ und deckt Korruption bei Rüstungs- und Transportverträgen als skandalös auf, wobei sie dies als bezeichnend für die Gier des Bürgertums darstellt.
Das bürgerliche Zielpublikum und der Wunsch nach hohen Verkaufszahlen führten zu einer vorsichtigen, teilweise selbstzensierenden Linie, um das liberale Publikum nicht durch zu radikale oder sozialdemokratische Töne abzuschrecken.
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