Diplomarbeit, 2011
85 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.2. Aufbau der Arbeit
2. Alltägliche Kommunikation
2.1. Verbale und nonverbale Kommunikation
3. Das persönliche Interview
3.1. Die Künstlichkeit des persönlichen Interviews
3.2. Formen des persönlichen Interviews
3.3. Sozioemotionale Dimension des persönlichen Interviews
3.4. Effekte der sozialen Situation im Forschungskontext
3.5. Zusammenfassung
4. Grundlagen der Onlinebefragung
4.1. Kommunikationsform der Onlinebefragung
4.2. Die Entkörperlichung der cvK
4.3. Modelle der computervermittelten Kommunikation
4.3.1. Kanalreduktionsmodelle
4.3.2. Deindividuation
4.3.3. Reproduktionshypothesen
4.3.4. Modelle der Auswahl
4.4. Zusammenfassung
5. Die Kommunikationssituation der Onlinebefragung
5.1. Nutzungsbedingungen der Onlinebefragung
5.2. Soziale Situation der Onlinebefragung
5.2.1. Die Asymmetrie der Onlinebefragung
5.2.2. Soziale Verarmung der Onlinebefragung
5.2.3. Nutzungsmotive der Onlinebefragung
6. Methodeneffekte der Onlinebefragung
6.1. Soziale Erwünschtheit in der Onlinebefragung
6.2. Abbruch-Problematik
6.3. Ziel der Untersuchung
6.3.1. Forschungsfragen und Hypothesen
7. Untersuchungsdesign
7.1. Stichprobe
7.2. Stimulus
7.3. Operationalisierung
7.4. Ablauf
8. Auswertung
8.1. Eckdaten
8.2. Antwortverzerrung
8.2.1. Allgemeine Analyse
8.2.2. Commitment
8.2.3. Engagement
8.2.4. Zufriedenheit mit MSXI als Arbeitgeber
8.2.5. Führungskraft
8.2.6. Arbeitsbedingungen
8.2.7. Information und Kommunikation
8.2.8. Feedback zum Fragebogen
8.3. Abbruchquote
8.4. Antwortaufwand
8.5. Hypothesenprüfung
9. Diskussion
9.1. Zusammenfassung
9.2. Hypothetische Erklärung
9.3. Methodische Erklärung / Methodenkritik
9.3.1. Parametrisierung
9.3.2. Operationalisierung
9.3.3. Stichprobe
9.4. Fazit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung sozioemotionaler Effekte bei Onlinebefragungen im Vergleich zum persönlichen Interview, insbesondere im Hinblick auf die Senkung von Abbruchquoten durch den Einsatz sozialer Hinweisreize.
Die Künstlichkeit des persönlichen Interviews
Persönliche Interviews finden - ähnlich wie die alltägliche Kommunikation - unter Kopräsenz der beteiligten Personen auf verbaler und nonverbaler Ebene statt. Ihre Besonderheit besteht jedoch darin, dass das Interview ein Instrument der empirischen Sozialforschung ist. Scheuch (1967) beschreibt die Interviewsituation als ein „planmäßiges Vorgehen mit wissenschaftlicher Zielsetzung, bei dem die Versuchsperson durch eine Reihe gezielter Fragen oder mitgeteilter Stimuli zu verbalen Informationen veranlasst werden soll“ (S. 138). Dieses Verständnis gibt den künstlichen Charakter des Interviews wider. Die vom Interviewer gestellten Fragen und das damit verbundene nonverbale Verhalten dienen nicht wie im Alltag zum bloßen, beiläufigen sozialen Austausch, sondern dem Generierung von sozialwissenschaftlich relevanten Daten. Im Kontext der empirischen Sozialforschung ist der Interviewer ein Teil des Stimulus und richtet sein Verhalten nach den Gütekriterien der empirischen Sozialforschung. Er wird vorher geschult und ist sich seiner Rolle als Teil des Befragungsinstruments bewusst. Auch der Befragte ist sich über der Künstlichkeit der Kommunikationssituation im Klaren und verhält sich im Idealfall in Angemessenheit zu den vorher festgelegten und mitgeteilten Instruktionen des Untersuchers. Die Künstlichkeit der Interviewsituation kann in Anlehnung an Kromrey (vgl. 2006, S. 361-362) unter drei Aspekten zusammengefasst werden:
Erstens stehen sich bei einer Befragungssituation zwei Fremde gegenüber (Interviewer und Befragter), wobei sich nach Kromrey nur der Interviewer nach Rollenvorschriften verhält. Wenn man jedoch bedenkt, dass auch der Befragte seine Rolle als Befragungsteilnehmer wahrnimmt, kann man auch von selbst auferlegten Rollenvorschriften des Befragten sprechen, nach denen er sein Verhalten richtet. Darüber hinaus erhält er Instruktionen, die ihm bestimmte Verhaltensregeln auferlegen. Dabei ist unstrittig, dass dem Befragten in seinem Verhalten ein größerer Freiraum gewährt wird als dem Interviewer: Es gehört zu seinen ‚Rollenvorschriften’, sich möglichst natürlich zu Verhalten und seine Meinung offen zu legen.
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Beliebtheit und die methodischen Herausforderungen von Onlinebefragungen im Vergleich zu traditionellen Methoden.
2. Alltägliche Kommunikation: Es werden die Grundlagen der zwischenmenschlichen Interaktion, insbesondere die Bedeutung von verbalen und nonverbalen Zeichen, dargelegt.
3. Das persönliche Interview: Dieses Kapitel analysiert das persönliche Interview als künstliche Situation mit speziellem Fokus auf sozioemotionale Dimensionen.
4. Grundlagen der Onlinebefragung: Hier werden technische Modelle der computervermittelten Kommunikation (cvK) und deren Einfluss auf die soziale Interaktion vorgestellt.
5. Die Kommunikationssituation der Onlinebefragung: Die spezifischen Nutzungsbedingungen und sozialen Aspekte der Onlinebefragung werden in Abgrenzung zur Face-to-Face-Kommunikation untersucht.
6. Methodeneffekte der Onlinebefragung: Es erfolgt eine Analyse von Effekten wie sozialer Erwünschtheit und Abbruchquoten sowie die Vorstellung der Forschungsfragen.
7. Untersuchungsdesign: Dieses Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen der empirischen Mitarbeiterbefragung bei MSX International.
8. Auswertung: Die erhobenen Daten werden statistisch analysiert, um die Auswirkungen von Bild- und Textreizen auf das Antwortverhalten zu prüfen.
9. Diskussion: Die Ergebnisse werden interpretiert, kritisch reflektiert und in einem Fazit zusammengeführt.
Onlinebefragung, Medienpsychologie, Face-to-Face-Interview, Computervermittelte Kommunikation, Soziale Erwünschtheit, Abbruchquote, Soziale Präsenz, Methodeneffekte, Mitarbeiterbefragung, Parasoziale Interaktion, Antwortverzerrung, Datengüte, Kommunikationssituation, Theorie sozialer Identität, Motivation
Die Arbeit untersucht die sozioemotionalen Aspekte von Onlinebefragungen und analysiert methodenbedingte Effekte, die bei der Datenerhebung im Vergleich zum klassischen persönlichen Interview auftreten.
Die zentralen Felder umfassen die computervermittelte Kommunikation, die soziale Situation in Befragungskontexten, Methoden zur Reduzierung von Abbruchquoten und die Untersuchung von Antwortverzerrungen.
Ziel ist es, den menschlichen Charakter der Onlinebefragung hervorzuheben und durch den gezielten Einsatz sozialer Hinweisreize die Abbruchquoten bei den Teilnehmenden zu senken.
Es wurde eine empirische Online-Mitarbeiterbefragung bei der Firma MSX International durchgeführt, wobei die Versuchspersonen in vier verschiedene Experimentalgruppen (Variationen von Bild und Text) eingeteilt wurden.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den theoretischen Modellen der computervermittelten Kommunikation, der Analyse der Kommunikationssituation bei Online-Umfragen und der empirischen Überprüfung von Hypothesen zu Antwortverhalten und Abbrüchen.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Onlinebefragung, soziale Erwünschtheit, Abbruchquote, cvK und parasoziale Interaktion definiert.
Die Studie zeigt, dass der Einsatz eines persönlichen Bildes in Kombination mit einem persönlich formulierten Text die Bindung an die Befragung erhöhen und somit die Abbruchquote beeinflussen kann.
Die Untersuchung ergab, dass soziale Hinweisreize im Allgemeinen nur geringe Auswirkungen auf die Tendenz zur sozial erwünschten Antwort haben, was die Stabilität der Online-Datenqualität unterstreicht.
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