Examensarbeit, 2012
64 Seiten, Note: 1,7
Didaktik für das Fach Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
1. Handlungs- und produktionsorientiertes Unterrichten im Literaturunterricht
2. Märchen
2.1 Historische Entwicklung des Märchens
2.2 Definition und Abgrenzung des Märchens
2.3 Merkmale des Märchens
2.3.1 Themen, Motive und Konflikte
2.3.2 Figuren, Requisiten und Symbole
2.3.3 Form, Struktur und Sprache
3. Pädagogik und Didaktik des Märchens
3.1 Historische Entwicklung der Märchenpädagogik und -didaktik
3.2 Literaturwissenschaftlicher Ansatz – Märchen als Sujet literarischen Lernens
3.3 Volkskundlicher Ansatz – Märchen als Sujet interkulturellen Lernens
3.4 Soziologischer Ansatz – Märchen als Sujet gesellschaftkritischen Lernens
4. Werteerziehung
4.1 Begriff „Werte“
4.2 Werthaltungen bei Kindern und Jugendlichen
4.2.1 Entwicklung der moralischen Sozialisation nach L. KOHLBERG
4.2.2 Wichtige Werte für Kinder und Jugendliche heute
4.3 Werteerziehung
4.3.1 Pädagogische Grundmodelle der Werteerziehung
4.3.2 Werteerziehung im Unterricht
5. Begründung und Intention der Unterrichtsreihe
5.1 Relevanz der Unterrichtsreihe für die Lernenden
5.2 Relevanz der Unterrichtsreihe im Lehrplan
6. Analyse des Lehr- und Lernfeldes
6.1 Lehrkraft und Klasse
6.2 Lernvoraussetzungen der Schüler
7. Didaktische Analyse
7.1 Didaktische Prinzipien der Unterrichtsreihe
7.2 Übergeordnete Lernziele der Unterrichtsreihe
7.3 Aufbau und Struktur der Unterrichtsreihe
7.3.1 Überblick
7.3.2 Beschreibung
7.4 Präsentation der Unterrichtsergebnisse
7.4.1 Gestaltung eines Märchenbuches als besondere Form der Produktionsorientierung
7.4.2 Gestaltung eines Vorlesemorgens im Kindergarten als besondere Form der Handlungsorientierung
8. Dokumentation der unterrichtspraktischen Realisierung anhand ausgewählter Einzelstunden
8.1 Advance Organizer und Märchen-Lernlandkarte – Darstellung des Lernprozesses als Einstieg in die Unterrichtsreihe
8.1.1 Sachanalyse
8.1.2 Methodisch-didaktische Überlegungen
8.1.3 Lernziele
8.1.4 Stundenverlauf
8.1.5 Reflexion
8.2 „Der Froschkönig“ – Darstellung des Verfremdungsprinzips im Vergleich von Märchenversionen
8.2.1 Sachanalyse
8.2.2 Methodisch-didaktische Überlegungen
8.2.3 Lernziele
8.2.4 Stundenverlauf
8.2.5 Reflexion
8.3 „Hans im Glück“ – Darstellung des Wertes „Glück“ im Märchen
8.3.1 Sachanalyse
8.3.2 Methodisch-didaktische Überlegungen
8.3.3 Lernziele
8.3.4 Stundenverlauf
8.3.5 Reflexion
8.4 Schreibkonferenz „Märchen-Werkstatt“ – Darstellung eines selbstorganisierten Lernprozesses
8.4.1 Sachanalyse
8.4.2 Methodisch-didaktische Überlegungen
8.4.3 Lernziele
8.4.4 Stundenverlauf
8.4.5 Reflexion
9. Reflexion und Auswertung der Unterrichtsreihe
9.1 Sicht der Schüler
9.2 Sicht der Lehrperson
10. Ausblick
Ziel dieser Arbeit ist es, aufzuzeigen, wie ein handlungs- und produktionsorientierter Deutschunterricht am Beispiel der Gattung Märchen einen Beitrag zur Werteerziehung von Schülern in der Unterstufe leisten kann. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie literarische Bildung durch aktive Auseinandersetzung mit Texten nicht nur kognitive Analysen fördert, sondern auch moralische Urteilsfähigkeit und Persönlichkeitsentwicklung unterstützt.
2.1 Historische Entwicklung des Märchens
Bei den deutschen Bezeichnungen Märchen oder Märlein (mhd. maerlîn) handelt es sich um Diminutivbildungen zu „Mär“ (ahd.: mârî; mhd.: maere), was so viel wie Kunde, Bericht, Erzählung oder Gerücht bedeutet (vgl. LÜTHI 2004, S. 1). Der Begriff wurde zur Bezeichnung einer einfachen kurzen Erzählung erstmals um 1500 erwähnt. Ebenfalls belegt sind die Adjektive „mären“ (verkünden, erzählen) und „mr-i“ (berühmt). Eine „Mähre“ definiert RÖLLEKE als „Botschaft von einer Sache […] die berühmt ist oder berühmt zu werden verdient, sodass sie sich herumspricht.“ (RÖLLEKE 2004, S. 10).
Die Gattung Märchen ist eine der ältesten Formen des Kulturgutes und hat in mündlicher Tradierung von Generation zu Generation, jahrhundertelang überlebt. In der Frage wann, wie und wo Märchen entstanden, sind sich die Wissenschaften uneinig, da konkrete Belege fehlen. Wenige Anhaltspunkte deuten auf die Ursprünge des Märchens hin. Funde von Papyrusschriften im alten Ägypten, in Griechenland und in Rom wiesen auf Erzählungen, ähnlich dem Märchenstil, hin (vgl. LÜTHI 2004, S. 40). Die in der Zeit um 1200 v. Chr. entstandenen Erzählungen von Wahrheit und Lüge enthalten bekannte Motive wie die Hindernisflucht, warnende Tiere, Todeszeichen und Unheilsprophezeiungen. Beschränkt auf diese wenigen märchenhaften Motive bleibt ein Beleg des Märchenursprunges unzulässig. „Die einzelnen Elemente können nicht ausschließlich dem Märchen zugesprochen werden, und die Ähnlichkeit des Handlungsablaufs ist nicht groß genug, um beweiskräftig zu sein“ (LÜTHI 2004, S. 41), somit können die genannten Hinweise nicht als Beweis für deren Existenz im Altertum dienen. Diese Wesensmerkmale können ebenso aus anderen Erzählformen wie Mythen und Epen stammen und nach deren Muster in die späteren Märchen aufgenommen worden sein. Auch für die überlieferte Literatur aus dem Mittelalter lässt sich lediglich mutmaßen, ob es sich bei den enthaltenen Elementen um tatsächliche Motive der Volksmärchen handelt.
Handlungs- und produktionsorientiertes Unterrichten im Literaturunterricht: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Unterrichtskonzepts, das auf aktiver Mitgestaltung der Schüler basiert.
Märchen: Hier erfolgt eine historisch-literarische Einordnung des Märchens, inklusive Definitionen und der Bestimmung zentraler Gattungsmerkmale.
Pädagogik und Didaktik des Märchens: Der Fokus liegt auf den verschiedenen pädagogischen Forschungsansätzen, wie Märchen für den Unterricht nutzbar gemacht werden.
Werteerziehung: Dieses Kapitel verknüpft den Wertbegriff mit der moralischen Entwicklung nach Kohlberg und leitet daraus Ansätze für die schulische Praxis ab.
Begründung und Intention der Unterrichtsreihe: Es wird dargelegt, warum Märchen für die Unterstufe geeignet sind und wie sie Lehrplanziele erfüllen.
Analyse des Lehr- und Lernfeldes: Hier werden die Rahmenbedingungen der spezifischen Lerngruppe und deren Lernvoraussetzungen analysiert.
Didaktische Analyse: Die didaktischen Prinzipien werden erläutert und die konkrete Struktur der Unterrichtsreihe in sechs Bausteinen dargelegt.
Dokumentation der unterrichtspraktischen Realisierung anhand ausgewählter Einzelstunden: Detaillierte Darstellung spezifischer Stundenbilder inklusive Vorbereitung und Reflexion.
Reflexion und Auswertung der Unterrichtsreihe: Die Arbeit schließt mit einer Bilanzierung durch Schüler- und Lehrerperspektive.
Ausblick: Hier werden weiterführende Perspektiven, wie der interkulturelle Vergleich von Märchen, aufgezeigt.
Märchen, Werteerziehung, Literaturunterricht, Handlungsorientierung, Produktionsorientierung, Wertepluralismus, Identitätsbildung, moralische Entwicklung, Lawrence Kohlberg, Märchenpädagogik, Schreibkonferenz, Lesekompetenz, Persönlichkeitsentwicklung, interkulturelles Lernen, Service Learning.
Die Arbeit untersucht, wie ein handlungs- und produktionsorientierter Deutschunterricht im Rahmen einer Märchen-Unterrichtsreihe zur Werteerziehung von Schülern der 5. Jahrgangsstufe beitragen kann.
Zentral sind die Verbindung von literarischer Gattungsanalyse (Märchen), pädagogischen Konzepten der Werteerziehung und die praktische Anwendung durch kreative Lernsettings.
Das Ziel ist der Nachweis, dass durch aktives, gestalterisches Arbeiten mit Märchen komplexe ethische Werte reflektiert und in die eigene Persönlichkeitsentwicklung integriert werden können.
Die Arbeit basiert auf einem Literaturunterrichtskonzept, das Erkenntnisse der Rezeptionsästhetik und des Konstruktivismus mit fachdidaktischen Methoden der Produktionsorientierung kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Märchen-Didaktik und Werteerziehung sowie einen praktischen Teil, der die Unterrichtsreihe und deren Evaluation dokumentiert.
Schlüsselwörter sind insbesondere Märchen, Werteerziehung, Handlungsorientierung, Literaturunterricht, Identitätsbildung und Persönlichkeitsentwicklung.
Die Schreibkonferenz dient im 5. Baustein als Methode, bei der Schüler selbstgesteuert Märchentexte verfassen und durch gegenseitige Rückmeldungen den Schreibprozess optimieren.
Das Service-Learning im Kindergarten ermöglicht es den Schülern, ihr erworbenes Wissen in einem authentischen, sozialen Kontext anzuwenden, was ihre Selbstwirksamkeit stärkt und Empathie für andere Altersgruppen fördert.
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