Magisterarbeit, 2011
77 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
2 Wann ist der Mann ein Mann? – Definitionen von Männlichkeit
2.1 Soziologische Ansätze
2.2 Klaus Theweleit: Männerphantasien
2.3 Geschichtswissenschaftliche Annäherungen
3 Erster Weltkrieg
3.1 Walter Flex: Der Wanderer zwischen beiden Welten
3.1.1 Der Führer Ernst Wurche – eine synthetisierte Trinität des Wanderns
3.1.2 Gebetsmühlen: Unschuldige Reinheit und homoerotische Freundschaft
3.1.3 Grablege und Wiederkehr des Flammenengels
3.2 Ernst Jüngers Frühwerk
3.2.1 Vater Krieg und die männliche Form der Zeugung
3.2.2 Anleihen bei Nietzsche
3.2.3 Konflikt des Kämpfers mit dem Schriftsteller: Schreiben vom Krieg
3.2.4 Eros als Kontrast
3.2.5 Sturm als Revision?
3.3 Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues und Der Weg zurück
3.3.1 Die Ich- und Wir-Erzähler der verlorenen Generation: Bäumer und Birkholz
3.3.2 Küchendragoner zur Triebabfuhr
3.3.3 Kameradschaft als Solidaritäts- und Totengemeinschaft
4 Zweiter Weltkrieg
4.1 Heinrich Böll: Wo warst du, Adam?
4.1.1 Orden für einen Scheißkrieg
4.1.2 Liebe für Augenblicke unter Wölfen
4.1.3 Sinnlos, dachte er, wie vollkommen sinnlos
4.2 Alfred Andersch: Die Kirschen der Freiheit
4.2.1 Ein Vater-Sohn-Konflikt durch Zeit und Raum
4.2.2 Außenseitertum in NS-Staat und Wehrmacht
4.2.3 Der Deserteur in der Wüste und unter dem früchtetragenden Baum
4.3 Franz Fühmann: Kameraden
4.3.1 Anmerkungen zu Inhalt, Genese und Rezeption von Kameraden
4.3.2 Das Triumvirat der Kameraden
4.3.3 Richtende Väter und Übertretungen des Rechts
4.3.4 Verletzungen und Tod als unentrinnbarer Ausgang
5 Schlussbetrachtung
Die vorliegende Magisterarbeit analysiert vergleichend die Konstruktion von Männlichkeitsentwürfen in der deutschsprachigen Literatur, die den Ersten und Zweiten Weltkrieg thematisiert. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, inwiefern literarische Motive, die im Kontext des Ersten Weltkriegs Männlichkeit konstituierten, in der Literatur nach 1945 aufgegriffen, transformiert oder kritisch reflektiert werden.
3.1.2 Gebetsmühlen: Unschuldige Reinheit und homoerotische Freundschaft
Die besondere Qualität der kurzen, aber intensiven Freundschaft zwischen Wurche und Flex bemüht sich der Überlebende als eine Seelenverwandtschaft zu deuten, die schon vor der ersten Begegnung im Frühling 1915 begonnen habe. Zu Anfang der Erzählung erinnert sich Flex an sein Gedicht „Wildgänse rauschen durch die Nacht / Mit schrillem Schrei nach Norden –“, das als Erlebnisdichtung bei Beobachtung der „wandernde[n] Graugänse“ (FW 67) auf nächtlichem Horchposten entstanden sein soll. Monate später soll sich Freund Ernst auf eben jene Nacht, die er an anderer Stelle der Front verbracht hat, mittels des Gedichts aus dem Notizbuch lebhaft zurückbesinnen. „Als ,augurialer’ Text“ und Erzählklammer verweist der Text des Liedes, das auch jenseits des rechten Lagers populär wurde, auf das Ende der Erzählung und den Tod Wurches im Herbst, wenn die Vögel wieder nach Süden ziehen.
Anhand von Schillers Idealvorstellung von „Anmut und Würde“ führt Flex eine weitere männliche Eigenschaft des normativen Stereotyps vor – die Selbstbeherrschung und Kontrolle der Gefühle. Für Schiller stellt die im öffentlichen Raum praktizierte Würde in manchen Fällen eine „gewisse Einschränkung der Begierden und Neigungen“ dar, die durch eine „Stumpfheit des Empfindungsvermögens (Härte)“ oder nur unter großer „Anspannung“ geleistet wird. Nur in Verbindung mit der Anmut könne man von wahrhaftiger Würde sprechen, denn die Anmut zeuge nämlich „von einem ruhigen, in sich harmonischen Gemüt und von einem empfindenden Herzen“. Ein Faszinosum an seinem jüngeren Freund stellt für Flex diese „Anmut des Jünglings“ (FW 71) dar, die er nicht müde wird, gebetsformelhaft zu wiederholen: „Gelassenheit war eines seiner Lieblingsworte, in ihr sah er das Wesen menschlicher und männlicher Würde, heitere und lässige Sicherheit lag immer wie ein Glanz über seinem Wesen, und es war in ihr soviel menschliche Anmut wie männliche Würde.“ (FW 82)
1 Einleitung: Die Einleitung legt das Ziel der motivgeschichtlichen Analyse dar, Männlichkeitskonstruktionen in der Kriegsliteratur von 1914 bis nach 1945 zu vergleichen und die Transformation zentraler Motive aufzuzeigen.
2 Wann ist der Mann ein Mann? – Definitionen von Männlichkeit: Dieses Kapitel erörtert theoretische Ansätze aus Soziologie, Geschichtswissenschaft und Psychoanalyse (u.a. Bourdieu, Connell, Theweleit), um den Begriff und die Konstruktion von Männlichkeit zu definieren.
3 Erster Weltkrieg: Der Hauptteil analysiert exemplarische Werke von Walter Flex, Ernst Jünger und Erich Maria Remarque, wobei der Fokus auf dem Heldenbild, der Rolle der Kameradschaft und der ästhetischen Verarbeitung des Kriegsgeschehens liegt.
4 Zweiter Weltkrieg: Dieser Teil betrachtet literarische Männlichkeitsentwürfe nach 1945 bei Heinrich Böll, Alfred Andersch und Franz Fühmann, wobei die Zerstörung des heroischen Idealbildes und die Thematisierung von Desertion und Schuld im Zentrum stehen.
5 Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert die Kontinuitäten und Brüche in der literarischen Männlichkeitsforschung und stellt fest, dass nach 1945 das heroische Leitbild einer kritischen Perspektive auf den verbrecherischen Krieg gewichen ist.
Männlichkeit, Kriegsliteratur, Kameradschaft, Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg, Ernst Jünger, Heinrich Böll, Erich Maria Remarque, Männlichkeitsforschung, Soldatentum, Heldentum, Desertion, Geschlechterrollen, Nationalsozialismus, Motivgeschichte.
Die Magisterarbeit untersucht literarische Männlichkeitsentwürfe in der deutschen Literatur zum Ersten und Zweiten Weltkrieg und vergleicht, wie Autoren die männliche Identität unter den Extrembedingungen des Krieges konstruierten.
Zu den zentralen Themen gehören das Bild des Soldaten, die Funktion der Kameradschaft, der Umgang mit Sexualität und Tod, das Verhältnis von Macht und Gewalt sowie die Transformation dieser Motive durch die historische Erfahrung der beiden Weltkriege.
Die Arbeit fragt, ob und wie zentrale literarische Motive, die Männlichkeit im Ersten Weltkrieg konstruierten, in der Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg aufgegriffen und unter dem Eindruck veränderter historischer und ethischer Vorzeichen transformiert wurden.
Die Autorin/der Autor wendet eine motivgeschichtliche Analyse an, die literarische Texte durch das Prisma soziologischer und kulturwissenschaftlicher Männlichkeitstheorien (z.B. von Pierre Bourdieu, Robert W. Connell und Klaus Theweleit) interpretiert.
Der Hauptteil ist zweigeteilt: Er analysiert zunächst Werke zum Ersten Weltkrieg (Flex, Jünger, Remarque) und danach Texte zum Zweiten Weltkrieg (Böll, Andersch, Fühmann), wobei für jeden Autor spezifische Konzepte wie der Führer-, Helden- oder Vaterfiguren sowie die Kameradschaft untersucht werden.
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Männlichkeit, Kriegsliteratur, Kameradschaft, Soldatentum, Geschlechterrollen, Heldentum und Motivgeschichte.
Die Arbeit zeigt, dass die Kameradschaft sowohl als Inbegriff von Solidarität und Familienersatz als auch als repressives Organisationsprinzip zur militärischen Konformität und Vertuschung von Kriegsverbrechen instrumentalisiert wurde.
Während in der Literatur zum Ersten Weltkrieg der Tod oft noch ästhetisiert oder religiös überhöht wurde, ist die Darstellung in der Nachkriegsliteratur nach 1945 eher durch Sinnlosigkeit, Absurdität und destruktive Endgültigkeit gekennzeichnet.
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