Examensarbeit, 2010
73 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
Die fünf Typen der Transtextualität bei Gérard Genette
1. Hypertextualität als Nachahmung:
Bezüge zwischen „Felix Krull“ und Goethes „Dichtung und Wahrheit“
2. Hypertextualität als Transformation: Das Hermes-Motiv
Antike Hypotexte – Moderne Hypotexte – Autographe Hypotexte
3. Architext, Paratext und Hypotexte: „Felix Krull“ und seine Gattung
Transzendierungen des Autobiographischen – Transzendierungen des Bildungsromans – Transzendierungen des Pikaresken
Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand von Thomas Manns Roman „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ die Anwendbarkeit der transtextuellen Poetik von Gérard Genette. Das primäre Ziel ist es, das komplexe Geflecht aus intertextuellen Bezügen, Nachahmungen und Transformationen im Werk aufzuzeigen und zu analysieren, wie Mann literarische Vorlagen produktiv nutzt und transformiert.
Die fünf Typen der Transtextualität bei Gérard Genette
Genettes Forschungen gehen zurück auf bereits zuvor einsetzende Strömungen innerhalb der Literaturtheorie. Das umfassende Werk und die zahlreichen Konzepte des russischen Wissenschaftlers Michail Bachtin (1895-1975) gaben dabei im 20. Jahrhundert entscheidende Impulse. Seine Gedanken bezüglich der Dialogizität von Sprache waren dabei für die Entwicklung einer Intertextualitätstheorie von besonderer Bedeutung. Dem Konzept liegt die Annahme zugrunde, dass alle Ausdrucksformen durch eine Teilnahme an bestimmten Diskursen geprägt sind und deren Spuren in sich tragen. Dies wurde von der bulgarischen Psychoanalytikerin und Literaturwissenschaftlerin Julia Kristeva aufgegriffen und in einer umfassenden Sprachtheorie verarbeitet, die sie mit dem von ihr eingeführten Begriff der „Intertextualität“ kennzeichnete. Dabei entwickelte sie besonders Bachtins Konzept des polyphonen Romans weiter, ein Begriff, der die Auffassung bezeichnet, dass in einem Roman verschiedene Sprachen und Weltsichten in Dialog treten, wobei negiert wird, dass der Autor als unangefochtener und regulierender Mittelpunkt fungiert. Kristeva geht insofern weiter als Bachtin, als dass sie sich nicht nur auf das Zusammenspiel verschiedener Diskurse im Roman beschränkt, sondern jede Art von Literatur als „Mosaik von Zitaten“ verstanden wissen will. Dabei sieht sie in jedem auf der Textoberfläche auftretenden Wort eine Kreuzung durch die Verbindung zwischen Text und Rezipient auf der einen und zwischen dem Text und der ihm vorausgehenden Literatur auf der anderen Seite.
Entsprechend der strukturalistischen Einflüsse trifft Kristeva vor allem allgemeinphilosophische Aussagen über die Bedingtheit menschlicher Existenz durch präexistente Diskurse. Zum literaturwissenschaftlichen Konzept wurde die Intertextualität erst durch Gérard Genette, der in Palimpseste den Versuch unternimmt, die Aspekte der Theorie in Bezug auf konkrete Texte zu strukturieren und damit nutzbar zu machen. In diesem Werk entwickelt er ein detailliertes terminologisches System verschiedener Arten von Transtextualität, wie er eine wie auch immer geartete Beziehung zwischen zwei oder mehreren Texten allgemein nennt.
Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Intertextualität und das von Gérard Genette entwickelte System ein, welches zur Untersuchung von Thomas Manns „Felix Krull“ genutzt wird.
Die fünf Typen der Transtextualität bei Gérard Genette: Dieses Kapitel erläutert theoretische Grundlagen zu den transtextuellen Bezügen und definiert die von Genette unterschiedenen Konzepte von Inter-, Para-, Meta-, Hyper- und Architextualität.
1. Hypertextualität als Nachahmung: Hier wird untersucht, inwiefern der Roman als Nachahmung (Imitation) der Goethe-Autobiographie „Dichtung und Wahrheit“ gelesen werden kann und wie sich das „mimotextuelle“ Verfahren darstellt.
2. Hypertextualität als Transformation: Das Hermes-Motiv: Dieses Kapitel analysiert das Hermes-Motiv als zentrale Transformation und beleuchtet die Einflüsse antiker und moderner Quellen auf die Charakterisierung des Protagonisten.
3. Architext, Paratext und Hypotexte: „Felix Krull“ und seine Gattung: Das letzte Kapitel untersucht die gattungstheoretischen Einordnungen des Werkes als Autobiographie, Bildungsroman und pikaresker Roman sowie die Bedeutung des Architextes.
Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die Eignung von Genettes Theorie für eine detaillierte Analyse der komplexen transtextuellen Struktur in Manns Werk.
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Die Arbeit untersucht Thomas Manns „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ mithilfe der transtextuellen Poetik von Gérard Genette, um die literarischen Bezüge des Romans zu erschließen.
Im Zentrum stehen die Konzepte der Nachahmung, der Transformation von Motiven (insbesondere des Hermes-Mythos) und die Frage nach der gattungsspezifischen Einordnung des Werkes.
Ziel ist es, das komplexe Geflecht transtextueller Beziehungen in Manns Werk zu identifizieren und zu belegen, wie der Autor verschiedene Vorlagen in seine Erzählstruktur integriert.
Die Arbeit nutzt das terminologische System von Gérard Genette, insbesondere seine Differenzierungen zwischen den Typen der Transtextualität, um literarische Texte systematisch in Beziehung zu setzen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Nachahmungsprozessen (Bezug zu Goethe), Transformationsprozesse (Hermes-Motiv) sowie eine architextuelle Analyse der Gattungszugehörigkeit.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Transtextualität, Hypertextualität, Mimotextualität, Transformation und intertextuelle Bezüge am präzisesten beschreiben.
Hermes fungiert als zentrales, transformiertes Motiv, das die Identität des Protagonisten als Dieb, Liebhaber und Handelsreisender auf verschiedenen Ebenen mit antiken und modernen Mythen verknüpft.
Die Arbeit folgt Genettes Unterscheidung, bei der die Nachahmung (oder Imitation) stärker an das Vokabular und den Stil eines spezifischen Hypotextes gebunden ist, während die Transformation eine strukturelle Umformung des Stoffes oder Motivs bedeutet.
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