Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
18 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1 Auswahl des Datenmaterials
2. Die Objektive Hermeneutik der qualitativen Methoden – Besonderheiten bei der Auswertung von Bilddaten
2.1 Wörtlichkeit und Sequenzialität
2.2 Kontextfreiheit, Extensivität und Sparsamkeit
2.3 Mead’s Conversation of Gestures
3. Bewertung des Datenmaterials vor der Auswertung
4. Datenauswertung nach dem objektiv-hermeneutischen Verfahren
4.1 Erstes Merkmal
4.2 Zweites Merkmal
4.3 Drittes Merkmal
4.4 Viertes Merkmal
5. Zusammenfassung der Auswertung
6. Kritische Betrachtung der Datenauswertung
7. Fazit und Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit der objektiven Hermeneutik, einer primär textbasierten Methode, auf visuelles Datenmaterial. Ziel ist es, am Beispiel eines Paarbildes aus dem Jahr 1971 gesellschaftliche Interaktionsmuster und den Wandel der Frauenrolle zu analysieren und dabei die methodischen Herausforderungen der Bildinterpretation kritisch zu reflektieren.
4.1 Erstes Merkmal
Die beiden abgebildeten Personen, aus Sicht des Betrachters steht er rechts und sie links, stehen dicht beieinander, dabei in einem Winkel, der etwas unter 180° liegt, also beide jeweils leicht dem anderen zugewandt. Er steht dabei mit seiner rechten Schulter leicht hinter ihrer linken Schulter, sodass sie sich an ihn anzulehnen scheint. Beide stehen nicht exakt gerade, sondern weisen eine leicht nach links gebogene Haltung auf. Während er mit beiden Füßen in einer klassischen Standbein-Spielbein-Haltung auf dem Boden steht, hat sie einen Fuß über den anderen gekreuzt und berührt nur mit dessen Spitze den Boden.
Die Köpfe beider Personen sind nicht gesenkt, ihr Kopf wirkt sogar leicht nach oben gehalten. Während sie gerade in die Kamera schaut, ist sein Kopf leicht verdreht, was seine linke Gesichtshälfte ein wenig mehr zeigt, als die rechte Hälfte.
Dieses Merkmal kann nun zunächst auf zwei Weisen in Deutungsmuster gekleidet werden.
1. Ein Paar wird vor dem eigenen repräsentativen Haus fotografiert.
2. Das Paar wird nach einer bestimmten Situation fotografiert, in welcher sie erfolgreich eine schwierige Aufgabe absolviert haben und die Situation des Fotografierens unmittelbar mit dieser Situation zusammenhängt.
Beide Lesearten verdeutlichen, dass das Paar, sich stolz und souverän präsentiert, wie man es auch vor Besitz im Hintergrund, beispielsweise einem Eigenheim täte, wobei die zweite Lesart das Sparsamkeitsprinzip fast bricht.
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsabsicht, das Verfahren der objektiven Hermeneutik auf ein Paarbild anzuwenden und das methodische Vorgehen zu erläutern.
2. Die Objektive Hermeneutik der qualitativen Methoden – Besonderheiten bei der Auswertung von Bilddaten: Theoretische Herleitung der Anpassung hermeneutischer Prinzipien wie Kontextfreiheit und Extensivität auf die Bildanalyse.
3. Bewertung des Datenmaterials vor der Auswertung: Historische Einordnung des Fotos in das Jahr 1971 als Phase des gesellschaftlichen Wandels zwischen traditionellen und modernen Rollenbildern.
4. Datenauswertung nach dem objektiv-hermeneutischen Verfahren: Detaillierte, merkmalsbasierte Analyse von Körperhaltung, Kleidung und Berufssignalen der abgebildeten Personen.
5. Zusammenfassung der Auswertung: Synthese der Einzelergebnisse zu einer modernen, emanzipierten Paarkonstellation, die den gesellschaftlichen Umbruch der Zeit widerspiegelt.
6. Kritische Betrachtung der Datenauswertung: Reflexion über die methodischen Grenzen, insbesondere bezüglich der fehlenden Sequenzialität und der Spekulation über unzugängliche Kontexte.
7. Fazit und Schlussbetrachtung: Bestätigung der Eignung des Verfahrens für Bildanalysen und Ausblick auf künftige vergleichende Studien.
Objektive Hermeneutik, Bildanalyse, Paarstudie, soziale Interaktion, Frauenrolle, gesellschaftlicher Wandel, nonverbale Kommunikation, Kontextfreiheit, Extensivität, 68er Bewegung, Selbstdarstellung, Methodenentwicklung, Interpretationsanalyse, Sozialwissenschaften, qualitative Sozialforschung.
Die Arbeit untersucht, wie die Methode der objektiven Hermeneutik, die ursprünglich für die Analyse von Texten entwickelt wurde, erfolgreich auf Bildmaterial angewendet werden kann.
Im Zentrum stehen die Analyse der nonverbalen Kommunikation eines Paares, die Untersuchung ihrer Inszenierung vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Umbrüche um 1971 sowie die methodische Reflexion der Bildinterpretation.
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob und wie fundierte Aussagen über soziale Verhältnisse durch die hermeneutische Analyse eines kontextfreien Paarbildes getroffen werden können.
Die Arbeit nutzt die objektive Hermeneutik, modifiziert diese jedoch für die Bildauswertung, indem sie statt auf klassische Sequenzialität auf eine Unterteilung in beobachtbare Merkmale setzt.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung der Methode, die Kontextualisierung des Materials sowie eine detaillierte Auswertung von vier zentralen Merkmalen: Körperhaltung, Armposition, Kleidung und die berufliche Repräsentation.
Wichtige Begriffe sind objektive Hermeneutik, Bildanalyse, soziale Dynamik, Rollenwandel der Frau und die methodische Reflexion qualitativer Forschung.
Da Bilder keine vorgegebene zeitliche Sequenz wie Texte besitzen, ersetzt der Autor die klassische Sequenzanalyse durch eine merkmalsbasierte Analyse, um Auffälligkeiten systematisch zu interpretieren.
Das Jahr markiert für den Autor einen gesellschaftlichen Wendepunkt, in dem sich das Paar als "Mischform" zwischen traditionellen konservativen Werten und modernen, emanzipierten Lebensentwürfen positioniert.
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