Bachelorarbeit, 2010
39 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Zum Epiphaniebegriff
2.1 Die Epiphanie als religiöses Erlebnismuster
2.2 Die Epiphanie in der literarischen Moderne
3. Die Epiphanie in der Prosa Wilhelm Genazinos. Zur Ver- und Entzauberung der Alltagswelt
3.1 Eine Phänomenologie des Sehens
3.1.1 Sehen wie ein Kind
3.1.2 Der Streuner und sein Straßenglück des Sehens
3.2 Das Epiphanie-Erlebnis als Alltagskunst
3.2.1 Vom Belauschen der Dinge – Banales und Alltägliches in Genazinos Prosa
3.2.2 Die Verschmelzung von Augenblicks-Bild und Erinnerung
3.2.3 „Medici Groschengrab“ – Der ästhetische Bezug zwischen Subjekt und Objekt
3.3 Das Epiphanie-Erlebnis als Individuationserlebnis
3.3.1 Die Verzauberung der Objektwelt in einer entzauberten Welt - Alltagsepiphanien als Kompensationsstrategie
3.3.2 Retten und Bewahren – Sehen und Erzählen gegen das Verschwinden
3.3.3 Das Epiphanie-Erlebnis als Motor und Ausdruck der Individuation des Subjekts
4. Fazit
Die Arbeit untersucht die Struktur und Funktion von Epiphanie-Erlebnissen in der Prosa von Wilhelm Genazino. Dabei wird analysiert, wie die Protagonisten durch eine spezifische Beobachtungstechnik und eine kreative Bedeutungszuweisung zu banalen Alltagsgegenständen Sinnmomente schaffen, die in einer als chaotisch und entzaubert wahrgenommenen modernen Welt als Kompensationsstrategie und Mittel zur Individuation dienen.
3.2.1 Vom Belauschen der Dinge – Banales und Alltägliches in Genazinos Prosa
Die Profanisierung der Epiphanien – wie sie schon für Hofmannsthal, Proust und Joyce konstatiert wurde – schreitet in Genazinos Prosa weiter voran. Die Objekte, die Genazinos Protagonisten interessieren und die für sie zum Auslöser einer Epiphanie werden, müssen nicht mehr – wie z.B. die Uhr am Ballast Office bei Joyce – ins Stadtbild integriert sein, sondern sie liegen oder stehen buchstäblich in der Stadt herum. So kann eine im Straßengraben liegende Handtasche sofort die Phantasie des Protagonisten entzünden:
„Sofort ist klar, was mit der Tasche geschehen ist: Ein Mann hat sie einer Frau von der Schulter gerissen und ist mit ihr entkommen. Drei Straßen weiter hat er die Tasche geleert und dann weggeworfen. Jetzt liegt sie da und zwingt den Menschen kleine Empörungen ab.“
Es ist wohl anzunehmen, dass die meisten Menschen über eine im Straßengraben liegende Handtasche wohl kaum dergleichen Vermutungen anstellen bzw. diese Vermutungen als Tatsachenbehauptungen formulieren würden. Die Phantasie und Assoziationsgabe von Genazinos Protagonisten entzündet sich gerade an solch herrenlos und oft achtlos herumliegenden Objekten des alltäglichen Gebrauchs.
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Hypothese, dass Genazinos Protagonisten durch den persönlichen Bezug zu banalen Dingen Epiphanie-Erlebnisse auslösen, die die chaotische moderne Welt für sie sinnvoll machen.
2. Zum Epiphaniebegriff: Dieser Abschnitt skizziert die Genese des Begriffs von der religiösen Tradition bis hin zu Schriftstellern der literarischen Moderne wie Hofmannsthal, Proust und Joyce.
3. Die Epiphanie in der Prosa Wilhelm Genazinos. Zur Ver- und Entzauberung der Alltagswelt: Im Hauptteil wird Genazinos spezifische Beobachtungstechnik untersucht, wobei die Bedeutung von Kindheitserinnerungen, die ästhetische Aufwertung des Alltäglichen und die kompensatorische Funktion des Sehens analysiert werden.
4. Fazit: Das Fazit bestätigt, dass Genazino das klassische Epiphanie-Konzept weiterentwickelt hat, indem er die Erkenntnis radikal subjektiviert und an die Beobachtung profaner Alltagsobjekte bindet.
Wilhelm Genazino, Epiphanie, Alltagswelt, Phänomenologie des Sehens, gedehnter Blick, Streuner, Alltagskunst, Individuation, Kompensationsstrategie, moderne Literatur, Ding-Diskurs, ästhetische Erfahrung, Subjekt-Objekt-Beziehung, Erinnerung, Entzauberung.
Die Arbeit analysiert das literarische Konzept der Epiphanie in den Romanen von Wilhelm Genazino und untersucht, wie dessen Protagonisten durch die Beobachtung banaler Alltagsobjekte zu persönlichen Sinn- und Erkenntnismomenten gelangen.
Zentrale Themen sind die Wahrnehmung des Alltäglichen, die psychologische Funktion von Beobachtung als Kompensationsstrategie gegen Entfremdung, die Transformation von Banalität in Kunst sowie die Suche nach individueller Identität in der modernen Großstadt.
Ziel ist es, die Struktur und Funktion der Epiphanie-Erlebnisse bei Genazino zu bestimmen und diese im Vergleich zu den Epiphanie-Konzepten von Autoren wie Joyce, Proust und Hofmannsthal als spezifische Weiterentwicklung einzuordnen.
Die Arbeit folgt einem textanalytischen Ansatz, der die Romane Genazinos unter Einbeziehung philosophischer und kulturwissenschaftlicher Konzepte zum Sehen, zur Wahrnehmung und zur Ästhetik untersucht.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des kindlichen „gedehnten Blicks“, der Praxis des „Streunens“, der ästhetischen Aufwertung alltäglicher Gegenstände und der Rolle der Epiphanie als Individuationsmittel und Schutz vor dem Verschwinden.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Epiphanie, Alltagswelt, gedehnter Blick, Streuner, Kompensationsstrategie, Individuation und ästhetische Erfahrung beschreiben.
Während bei Joyce die Epiphanie häufig auf eine objektive Erkenntnis über das Wesen eines Gegenstandes zielt, ist sie bei Genazino radikal subjektiviert. Das auslösende Objekt dient oft lediglich als assoziativer Ankerpunkt für persönliche Erinnerungen oder kreative Tagträume.
Das „Retten“ von ansonsten wertlosen Objekten durch den Blick des Protagonisten fungiert als Spiegelung der eigenen Identitätssuche. Indem der Protagonist das Ding aufwertet, vergewissert er sich seiner eigenen Existenz in einer funktionsorientierten und entzauberten Welt.
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