Diplomarbeit, 2012
56 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Theoretischer Rahmen: Die Postmoderne
2.1. Zur Geschichte des Terminus „Postmoderne“
2.2. Postmoderne versus Moderne
3. Fokus Realität: Gegentendenz Imagination
3.1. Die Phantasie Nasos gegen die Realität Cottas
3.1.1. Dekomposition von Zeit, Raum und Handlung
3.2. Verwirrungsstrategien
3.3. Historie und Uchronie
4. Fokus Mythos: Gegentendenz Logos
4.1. Vernunftkritik
4.2. Verfall und Untergang
4.3. Metamorphosen
4.4. Der Wahnsinn als Ausweg aus der Diskrepanz zwischen Mythos und Logos
5. Fokus Textautonomie: Gegentendenz zum Diktum der Autorinstanz
5.1. Der ,Tod des Autors’ und die kollektive Autorschaft
5.2. Die Diversifikation der materiellen Datenträger
5.3. Der Konstruktcharakter von Texten
5.4. Intertextualität
6. Fokus Pluralität: Gegentendenz Totalität
6.1. Die Totalität in Rom
6.2. Die Pluralität in Tomi
6.3. Die Pluralität der Deutungsmöglichkeiten
7. Fazit
Die Diplomarbeit untersucht die postmodernen Züge in Christoph Ransmayrs Roman „Die letzte Welt“, indem sie das Werk in einen kritischen Dialog zur Moderne setzt. Ziel ist es, die Dekonstruktion von Wirklichkeit, Vernunft und Autorschaft anhand der Gegensätze zwischen der Metropole Rom und der peripheren Welt von Tomi zu analysieren und dabei aufzuzeigen, wie Ransmayr das Konzept einer einzigen, objektiven Wahrheit zugunsten einer pluralistischen und durch Mythos geprägten Welt auflöst.
3.1.Die Phantasie Nasos gegen die Realität Cottas
Der römische Dichter Ovid, auch Naso genannt, und sein verschollenes Werk Metamorphosen werden von Cotta in der Stadt Tomi, dem Verbannungsort Nasos gesucht. Doch Ovids Metamorphosen werden nicht nur zum Gegenstand der Suche Cottas, „sie wechseln sogar aus dem Raum des Imaginativen in den des Realen“.81 Cotta muss feststellen, dass er sich bereits mitten in den Metamorphosen Nasos befindet und, dass deren Plot für ihn zur Wirklichkeit geworden ist. Folglich wird er Zeuge der mythischen Verwandlungen aus Ovids Metamorphosen, dem Prätext zu Ransmayrs Roman. Hierdurch werden hinter der letzten Welt immer wieder Ovids Metamorphosen sichtbar.
Cotta erlebt dabei, wie die Einwohner Tomis sich unter anderem allmählich zu Steinen82, Vögeln (LW: 31) und Tieren (LW: 80) verwandelt und bleibt davon natürlich nicht unbeeinflusst. Sein von ihm für allgemeingültig gehaltener Wirklichkeitsbegriff gerät folglich ins Wanken. Anfangs geschieht jedoch in Die letzte Welt nur wenig Phantastisches, das dies auslösen könnte. Dennoch weist der Roman eine Vielzahl an Stellen auf, in denen für Cotta die Grenze zwischen Realität und Imagination nicht eindeutig ist. Hierbei werden Zustände angesprochen, die sich an der Grenze der Vernunft und des Bewusstseins befinden. Einige charakteristische Textstellen aus Ransmayrs Roman werden nun diesbezüglich analysiert.
Cottas Wirklichkeit wird unter anderem durch die Beschreibung von Grenzzuständen dekonstruiert, die dem Leser wohl bekannt sind. In Zuständen der Müdigkeit (vgl. LW: 62), des Fiebers (vgl. LW: 80), der Trunkenheit (vgl. LW: 73) und der sexuellen Begierde (vgl. LW: 121f.) verändert sich die Wahrnehmung und auch das Verhalten Cottas. Cottas Wirklichkeit verliert allmählich, wie in einem Traum ihre Konturen. So zum Beispiel als Cotta bei seiner Suche nach Naso auf dessen Knecht Pythagoras in Trachila stößt. Als Cotta ihm durch ein „Labyrinth aus Stämmen und Zweigen“ folgt und dabei zu „müde [ist,] um sich noch gegen die Schläge der Sträucher zu schützen” (LW: 62), verschwimmen Cottas Wirklichkeit und das Phantastische in Trachila, dem letzten Zufluchtsort Nasos: Aus Pythagoras wird plötzlich „ein uraltes, unmenschlich altes Wesen, das an den äußersten Rand des Lebens gekommen war“ (LW: 63). Hierbei wird deutlich, dass das vom Subjekt als Wirklichkeit Erfasste ein Konstrukt seiner Wahrnehmung ist.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die postmoderne Kritik am Vernunft- und Totalitätsanspruch der Moderne ein und stellt Ransmayrs „Die letzte Welt“ als literarische Antwort auf diese Debatte vor.
2. Theoretischer Rahmen: Die Postmoderne: Dieses Kapitel erläutert die begriffliche Geschichte der Postmoderne und definiert sie als Geisteshaltung, die in einem ständigen, ironischen Dialog zur Moderne steht.
3. Fokus Realität: Gegentendenz Imagination: Es wird analysiert, wie die Wirklichkeit des Protagonisten Cotta durch Grenzerfahrungen und den Einbruch des Phantastischen dekonstruiert wird, wobei Zeit und Raum an Stabilität verlieren.
4. Fokus Mythos: Gegentendenz Logos: Dieses Kapitel untersucht die Vernunftkritik des Romans, in der das rationale römische Weltbild zugunsten einer durch Mythen geprägten, wandelbaren Wirklichkeit aufgegeben wird.
5. Fokus Textautonomie: Gegentendenz zum Diktum der Autorinstanz: Hier steht die Abkehr vom klassischen Autor im Mittelpunkt, wobei die kollektive Autorschaft und der Konstruktcharakter von Texten durch Intertextualität verdeutlicht werden.
6. Fokus Pluralität: Gegentendenz Totalität: Es wird die Diskrepanz zwischen der Totalität Roms und der Pluralität Tomis thematisiert, um aufzuzeigen, wie Ransmayr einheitliche Deutungsmuster durch eine Vielzahl an Interpretationsmöglichkeiten ersetzt.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass „Die letzte Welt“ keine einfache Verneinung der Moderne darstellt, sondern eine komplexe, postmoderne Literatur, die das Suchen nach Sinn thematisiert, ohne ihn autoritär vorzugeben.
Postmoderne, Moderne, Christoph Ransmayr, Die letzte Welt, Ovid, Metamorphosen, Wirklichkeit, Mythos, Logos, Textautonomie, Tod des Autors, Dekonstruktion, Intertextualität, Uchronie, Pluralität
Die Arbeit analysiert, wie Ransmayrs Roman „Die letzte Welt“ postmoderne Denkmuster wie die Dekonstruktion von Wirklichkeit, das Scheitern rationaler Vernunft und die Autonomie von Texten literarisch umsetzt.
Zentrale Felder sind die Spannung zwischen Rom und Tomi, das Verhältnis von Mythos zu Logos, die Problematik von historischer Wahrheit und die Rolle des Autors in einer poststrukturalistischen Literaturauffassung.
Das Ziel ist aufzuzeigen, dass Ransmayr durch die Gegenüberstellung von Moderne und Postmoderne ein intertextuelles Bezugssystem schafft, das traditionelle Wahrheitsansprüche in Frage stellt.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die begriffsgeschichtliche Konzepte mit narratologischen und poststrukturalistischen Theorien verbindet, um die postmodernen Züge des Romans herauszuarbeiten.
Der Hauptteil gliedert sich in vier Fokus-Bereiche: Realität versus Imagination, Mythos versus Logos, Textautonomie gegenüber der Autorinstanz und Pluralität versus Totalität.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Postmoderne, Dekonstruktion, Textautonomie, Intertextualität und Pluralität.
Das Nashorn dient als Symbol für die scheinbare Beständigkeit und Unveränderlichkeit der römischen Macht, die jedoch im Roman als brüchig und dem Verfall unterworfen dargestellt wird.
Aus tomitanischer Sicht ist Cotta nicht einfach psychisch krank, sondern hat eine neue Perspektive gewonnen, in der die quälende Dissonanz zwischen Fiktion und Wirklichkeit aufgelöst wurde.
Das Buch der Steine ist ein zentrales Element der kollektiven Autorschaft und der mythischen Erzähltradition, die im Roman das ursprüngliche, von Ovid verlorene Werk ersetzt.
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