Bachelorarbeit, 2012
84 Seiten, Note: 2,3
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
1. Einleitung
2. Entwicklung des Forschungsstandes und Annahmen zur Entschlussbildung zum Völkermord vor dem Aufsatz von Gerlach
2.1 Exkurs: Zur Begrifflichkeit der „Endlösung der Judenfrage“ – eine Bezeichnung mit mehreren Synonymen?
3. Christian Gerlachs Thesen im Aufsatz „Die Wannsee-Konferenz, das Schicksal der deutschen Juden und Hitlers politische Grundsatzentscheidung, alle Juden Europas zu ermorden“
3.1 Hitlers Grundsatzentscheidung zur Ermordung der europäischen Juden
4. Ablehnung vs. Akzeptanz – Die Thesendiskussion in den freien Medien und fachspezifischer Literatur
4.1 Die Jahre 1997-2004
4.2 Die Jahre 2005-2011
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Thesen des Historikers Christian Gerlach hinsichtlich einer behaupteten politischen Grundsatzentscheidung Adolf Hitlers zur Ermordung aller europäischen Juden. Ziel ist es, die wissenschaftliche Debatte, die Gerlachs Aufsatz in der historischen Fachwelt und den Medien ausgelöst hat, kritisch nachzuzeichnen und die methodische Herangehensweise der Entscheidungsfindung im NS-Regime zu analysieren.
1. Einleitung
„Wir sind beisammen, um uns die Ungeheuerlichkeit zu vergegenwärtigen, die sich unter deutschem Namen in diesem Haus zugetragen hat. Vor 40 Jahren wurde hier vorbereitet und beschlossen, was die Nationalsozialisten die „Endlösung [sic] der Judenfrage“ nannten [...]. Dazu sollte auf der Konferenz die Mitwirkung der Parteiämter und der Reichsbehörden sichergestellt werden [...].“
An diesem Textausschnitt des späteren Bundespräsidenten Richard v. Weizsäcker ist erkennbar, dass die Wannsee-Konferenz, einerseits, die verschiedenen nationalsozialistischen Institutionen, die sich mit jüdischen Angelegenheiten betraut sahen, in der Beantwortung der „Endlösung der Judenfrage“ parallel ausrichten sollte. Andererseits zeigt die Verwendung des Wortes „beschlossen“, welche noch weitverbreitete Annahme in der Öffentlichkeit über das Ziel der Konferenz vorherrschte. Überwiegend war bzw. ist teilweise heutzutage noch, die Meinung, dass auf der Konferenz die Ermordung der jüdischen Bevölkerung als das Hauptanliegen der Konferenz besprochen und beschlossen wurde.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Wannsee-Konferenz und die verbreitete Wahrnehmung der Konferenzziele im Kontrast zur historischen Realität.
2. Entwicklung des Forschungsstandes und Annahmen zur Entschlussbildung zum Völkermord vor dem Aufsatz von Gerlach: Detaillierte Betrachtung der historiographischen Debatte, unterteilt in die intentionalistische und strukturalistische Forschungsperspektive.
2.1 Exkurs: Zur Begrifflichkeit der „Endlösung der Judenfrage“ – eine Bezeichnung mit mehreren Synonymen?: Kritische Analyse des NS-Terminus „Endlösung“ und seiner variierenden Bedeutungsgehalte in der Forschung.
3. Christian Gerlachs Thesen im Aufsatz „Die Wannsee-Konferenz, das Schicksal der deutschen Juden und Hitlers politische Grundsatzentscheidung, alle Juden Europas zu ermorden“: Darstellung der Argumentation Gerlachs, der eine spezifische politische Grundsatzentscheidung Hitlers postuliert.
3.1 Hitlers Grundsatzentscheidung zur Ermordung der europäischen Juden: Untersuchung der von Gerlach angeführten Indizien, insbesondere der Rolle Heinrich Himmlers und Adolf Hitlers im Dezember 1941.
4. Ablehnung vs. Akzeptanz – Die Thesendiskussion in den freien Medien und fachspezifischer Literatur: Analyse der Reaktionen auf Gerlachs Thesen, gegliedert nach zeitlichen Phasen der Debatte.
4.1 Die Jahre 1997-2004: Darstellung der frühen, kontroversen Reaktionen auf die Veröffentlichung des Aufsatzes in der Fachwelt.
4.2 Die Jahre 2005-2011: Beobachtung der Entwicklung der Debatte im späteren Forschungsverlauf bis zum Zeitpunkt der Untersuchung.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der wissenschaftlichen Debatte und der Validität der Beweisführung bezüglich einer zentralen Entscheidung Hitlers.
Wannsee-Konferenz, Endlösung der Judenfrage, Christian Gerlach, Adolf Hitler, Holocaust, Völkermord, NS-Forschung, Nationalsozialismus, Intentionalismus, Strukturalismus, Entscheidungsprozess, Vernichtungspolitik, Historikerstreit, Indizienkette, Zeitgeschichte.
Die Arbeit analysiert kritisch die These von Christian Gerlach, dass es im Dezember 1941 eine zentrale, politisch verkündete Grundsatzentscheidung Adolf Hitlers zum Völkermord an den europäischen Juden gegeben habe.
Die zentralen Felder umfassen die historische Entscheidungsfindung im Nationalsozialismus, die methodische Einordnung der Wannsee-Konferenz und die historiographische Kontroverse zwischen den intentionalistischen und strukturalistischen Erklärungsmodellen.
Das Ziel besteht darin, die von Gerlach vorgelegte Indizienkette auf ihre wissenschaftliche Belastbarkeit zu prüfen und aufzuzeigen, wie unterschiedliche Forschungslager mit der mageren Quellenlage umgehen.
Der Autor führt eine historiographische Analyse durch, bei der er die Argumentationen führender Historiker, Tagebuchaufzeichnungen der NS-Führungsriege und aktuelle Quellenpublikationen vergleichend auswertet.
Der Hauptteil befasst sich mit der Entwicklung des Forschungsstandes, einer semantischen Analyse der Begriffe der NS-Vernichtungspolitik sowie der detaillierten Diskussion der von Gerlach benannten Quellen (Himmler-Dienstkalender, Goebbels-Tagebücher) und der fachspezifischen Kritik an seinen Thesen.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Wannsee-Konferenz“, „Endlösung“, „intentionaler/strukturalistischer Ansatz“, „Entscheidungsfindung“ und „Christian Gerlach“ charakterisiert.
Sie ist zentral, da die historische Forschung aufzeigen konnte, dass diese Begriffe im NS-Sprachgebrauch zeitlich und inhaltlich verschiedene Eskalationsstufen der Judenverfolgung markierten.
Der Autor erkennt Gerlachs Quellenarbeit als überzeugend an, betont jedoch, dass die Quellenlage zu dünn bleibt, um ein exaktes Datum für eine finale Grundsatzentscheidung Hitlers historisch zweifelsfrei zu belegen.
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