Bachelorarbeit, 2009
131 Seiten, Note: 1,0
1. Tiergestützte Interventionen in der stationären Psychiatrie
1.1 Entstehung und Entwicklung der Tiergestützten Interventionen
1.2 International maßgebliche Gesellschaften und Organisationen
1.3 Begriffliche Definitionen und Abgrenzungen der einzelnen tiergestützten Interventionen
1.3.1 Begriffliche Definitionen und Abgrenzungen im anglo-amerikanischen Raum
1.3.2 Begriffliche Definitionen und Abgrenzungen im deutschspachigen Raum
1.4 Standards und Qualitätssicherung für Anbieter und Ausbilder im deutschsprachigen Raum
1.5 Erklärungsansätze und Modelle in der Mensch-Tier-Beziehung
1.5.1 Du-Evidenz
1.5.2 Biophilie-Hypothese
1.5.3 Ableitungen aus der Bindungstheorie
1.5.4 Spiegelneurone
1.5.5 Sonstige Aspekte von Wirkweisen der Mensch-Tier-Beziehung
1.6 Verhaltensaspekte in der Mensch-Tier-Beziehung
1.6.1 Anthropomorphisierung
1.6.2 Mensch-Tier-Kommunikation
1.6.3 Mensch-Tier-Interaktion
1.7 Tiere in Kliniken
1.7.1 Hygiene und Unfallgefahr
1.7.2 Sonstige rechtliche Aspekte
1.7.3 Grenzen, Kritik und Gegenargumente bezüglich Tiergestützter Interventionen in der stationären Psychiatrie
1.8 Konzepte für Tiergestützte Interventionen mit verschiedenen Tierarten
1.8.1 Hunde
1.8.2 Pferde
1.8.3 Nutztiere im Streichelgehege
1.8.4 Lamas und Alpakas
1.8.5 Katzen
1.8.6 sonstige Kleintiere
1.8.7 Insekten
2. Rahmenkonzept für Tiergestützte Interventionen, exemplarisch für Bezirksklinikum
2.1 Voraussetzungen
2.1.1 Ziele
2.1.2 Voraussetzungen bei Klinikleitung und Personal
2.1.3 Voraussetzungen bei Patienten
2.1.4 Voraussetzungen für die Tiere
2.1.5 Finanzierung und Kooperationen
2.1.6 Rahmenbedingungen
2.2 Vorschläge für Tiergestützte Interventionen exemplarisch für Bezirksklinikum
2.2.1 kurzfristig umsetzbare Interventionen
2.2.2 mittelfristig umsetzbare Interventionen
2.2.3 langfristig umsetzbare Interventionen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die heilsame Wirkung von Tieren auf den Genesungsprozess von Patienten in der stationären Psychiatrie theoretisch einzuordnen und ein praxisorientiertes Rahmenkonzept für deren Einsatz an einem Bezirksklinikum zu entwickeln. Die Untersuchung betrachtet dabei Mensch-Tier-Beziehungen unter verschiedenen Erklärungsmodellen und analysiert, wie diese zur Steigerung des Wohlbefindens und zur Verbesserung der Compliance beitragen können.
1.1 ENTSTEHUNG UND ENTWICKLUNG DER TIERGESTÜTZTEN INTERVENTIONEN
Bereits im 8. Jahrhundert lassen sich in Einzelfällen erste konkrete therapeutische Einsätze von Tieren im Umgang mit behinderten Menschen nachweisen. Unter Mithilfe von Hunden wurden im 9. Jahrhundert geistig behinderte Waisenkinder in Belgien therapiert. Erstmals dokumentiert wurde der Einsatz von Tieren 1792 in York/England. In einer „Anstalt für Geisteskranke“ der Quäker wurden in einer Außenanlage Kleintiere gehalten, in deren Versorgung die Patienten mit einbezogen waren. Der Gründer des „York Retreat“, William Tuke, wollte bei den Bewohnern ein Bewusstsein moralischer Verantwortung für die Tiere entwickeln.
Im 19. Jahrhundert reformierte Florence Nightingale die Krankenpflege und erkannte schon damals den therapeutischen Nutzen von Tieren für den Heilungsprozess. Ende des 19. Jahrhunderts entstand in Bethel bei Bielefeld ein Epileptikerzentrum. Dort wurde von Anfang an und bis heute auf die heilenden Kräfte von Hunden, Katzen, Schafen und Ziegen vertraut. Heute wird dort unter anderem auf die Reittherapie gesetzt. In einem Washingtoner Krankenhaus wurde 1919 zuerst auf einer psychiatrischen Männerstation damit begonnen, Tierbesuche durchzuführen.
Während des Zweiten Weltkriegs, 1942, baute ein Luftwaffenkrankenhaus im US-Bundesstaat New York auf dem angrenzenden Gelände einen Bauernhof auf. Die Soldaten konnten sich hier von ihren Kriegstraumata erholen. Indem sie halfen, die Tiere zu versorgen, schöpften sie wieder neue Kraft. Die Maßnahme wurde aber nicht dokumentiert.
Die eigentliche Geburtsstunde der Tiergestützten Therapie fand 1962 mit der Veröffentlichung der ersten systematischen Untersuchungen des Kinderpsychologen Boris Levinsons statt. Alles begann mit rein zufälligen Beobachtungen des Psychologen im Jahre 1954. Folgende Geschichte wird immer wieder erzählt: Der Kinderpsychiater Boris Levinson saß an seinem Schreibtisch in seiner New Yorker Praxis und arbeitete. Wie immer lag sein Hund Jingles, ein Retriever, zu seinen Füßen und schlief. Als es an der Tür klingelte, öffnete Levinson. Ein Elternpaar mit seinem Sohn, das eine Stunde zu früh zur verabredeten Therapiestunde kam, stand vor der Tür.
1. Tiergestützte Interventionen in der stationären Psychiatrie: Einleitung in die Thematik der Tiergestützten Interventionen, Klärung zentraler Begrifflichkeiten und Darstellung der historischen Entwicklung des Feldes.
2. Rahmenkonzept für Tiergestützte Interventionen, exemplarisch für Bezirksklinikum: Vorstellung eines konkreten Implementierungskonzepts, das Voraussetzungen für Personal und Patienten definiert sowie stufenweise Vorschläge für verschiedene Interventionen unterbreitet.
Tiergestützte Interventionen, Psychiatrie, Mensch-Tier-Beziehung, Therapiebegleithunde, Hippotherapie, Salutogenese, Biophilie-Hypothese, Bindungstheorie, Spiegelneurone, Krankenhaus-Hygiene, Insektenpädagogik, Sozialhunde, Patientenzentrierte Therapie, Qualitätssicherung, Rehabilitationskonzept.
Die Arbeit befasst sich mit dem theoretischen und praktischen Einsatz von Tieren als Unterstützung in der stationären psychiatrischen Behandlung.
Die Schwerpunkte liegen auf den Erklärungsmodellen der Mensch-Tier-Beziehung, den rechtlichen und hygienischen Anforderungen in Kliniken sowie der Konzeption konkreter tiergestützter Projekte.
Das Ziel ist die Erstellung eines Rahmenkonzepts, das psychiatrischen Kliniken als Vorlage für eine fundierte und sichere Implementierung tiergestützter Angebote dient.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse, historischen Abrissen sowie der Auswertung von Studien und Richtlinien (z.B. der IAHAIO) basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit Modellen wie der Du-Evidenz und Bindungstheorie sowie einen praktischen Teil, der spezifische Tierarten und deren Einsatzmöglichkeiten beschreibt.
Wichtige Begriffe sind Tiergestützte Interventionen, Psychiatrie, Mensch-Tier-Beziehung, Salutogenese und Qualitätssicherung.
Der Fokus liegt nicht auf einer mechanistischen Heilung, sondern auf der Stärkung von Ressourcen, der Förderung der sozialen Integration und der Verbesserung des Lebensgefühls durch die "Ressource Tier".
Die Autorin greift hier auf pädagogische Konzepte zurück, die zeigen, dass auch die Beobachtung kleiner Lebewesen soziale Lernprozesse initiieren und den Blick für Details sowie den achtungsvollen Umgang mit der Natur schärfen kann.
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