Bachelorarbeit, 2012
73 Seiten, Note: 2,0
Christoph Schlingensief – Eine Annäherung
Überlegungen vorab
Um wen und worum geht es?
Aspekte des Copings bei Christoph Schlingensief
Krankheitsstadien und Bewältigung
I Verdacht auf Krebs und Entschluss zum PET
Schreiben zur Bewältigung von Ungewissheit
Über die Macht des Wortes
Hinwendung zur Religion
Wissenschaftlicher Exkurs „Religion und Psyche“
Den Tatsachen ins Auge sehen
Wissenschaftlicher Exkurs „Diagnostische Abklärung“
Ordnen – Klarsehen - Strukturieren
Wissenschaftlicher Exkurs „Sinn- und kohärenzorientierte Theorien“
Sich Gefühle zugestehen
Wissenschaftlicher Exkurs über das „Aushalten von Angst“
Pläne schmieden
II Diagnose: Adenokarzinom
Klarheit tut weh
Frage nach der Ursache
Wissenschaftlicher Exkurs „Ursachen von Krebs“ / „Krebspersönlichkeit“
Im Strudel der Gefühle
Abwendung von Gott
Allgemeiner Überblick über Belastungen und Anforderungen nach der Diagnosestellung
III MRT und Weiterbehandlung
„Demoralisierung“
Wissenschaftlicher Exkurs „Existentielle Belastung und sinnorientierte Interventionen“
Umdenken
Aktiv bleiben, um nicht zu leiden
Krankheit als Chance
IV Operation
Sehnsucht, alleine zu sein
„Abrechnung“ mit den Eltern
Erneute Abwendung von Gott und Jesus
Auf Augenhöhe mit dem behandelnden Arzt
Wissenschaftlicher Exkurs „Hilflosigkeit, Kontrollverlust, Autonomieverlust“
Allgemeiner Überblick über Belastungen und Anforderungen während der Behandlungsphase
V Intensivstation
Akzeptanz des inneren Kindes
Wissenschaftlicher Exkurs „Wie das nicht beachtete Innere Kind in unser Leben wirkt“
VI Verlegung auf „Normal“station
Entschleunigen
Wissenschaftlicher Exkurs „Fatigue“
Natur erleben
Emotionalität und Spiritualität
Wissenschaftlicher Exkurs „Adaptives Coping und Spiritualität bei Krebspatienten“
VII Wieder Zuhause
Nachhause kommen ist nicht gleich „Ankommen“
Allgemeiner Überblick über Belastungen und Anforderungen während der Remission
VIII Chemotherapie
Ein Kind mit Aino
Sich die Freiheit nehmen, eine Klinik auszuwählen, die zu einem passt
Die Chemo beginnt
IX Diagnose erneuter Metastasen
Wissenschaftlicher Exkurs „Rezidiv (Rückfall)“
Allgemeiner Überblick über Belastungen und Anforderungen während der Neuerkrankung (Rezidiv)
X Erfahrung von Endlichkeit
Allgemeiner Überblick über Belastungen und Anforderungen während des fortgeschrittenen Krankheitsstadiums
Worüber wir nachdenken sollten
Coping – Entwicklung und Tendenzen
Psychoonkologie und Coping
Was bleibt für mich
Biografie Christoph Schlingensief
Diese Arbeit untersucht die psychologischen Bewältigungsstrategien (Coping) des Künstlers Christoph Schlingensief während seines Verlaufs einer Krebserkrankung. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schlingensief trotz existentieller Bedrohung durch Krankheit, Angst und Ohnmacht, durch kreative und spirituelle Auseinandersetzung Wege fand, seine Autonomie zu wahren und Lebensqualität zu sichern.
Den Tatsachen ins Auge sehen
Klarheit ist besser als Ungewissheit, selbst wenn diese bedeutet, einen malignen Tumor zu haben. Jedes Ergebnis ist besser als keines, ist „geradezu eine Erleichterung“.
Nach der ersten Auswertung des PETs geht der Radiologe mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Tumor aus. Leber und Skelett seien noch nicht befallen, aber um Gewissheit zu haben, müsse man noch einmal punktieren.
Anstatt in diesem Moment seine Ungewissheit erneut mit „trügerischem Hoffen“ zu beruhigen, entschließt sich Schlingensief, den Tatsachen ins Auge zu sehen. „Ich habe das eigentlich alles sehr kühl aufgenommen.“, merkt er an. „Das war für mich heute der Stichtag. Ergebnis: Tumor.“
Warten, weiß man nicht, wie das konkrete Ergebnis aussehen wird, zermürbt. Man ist sozusagen zur Tatenlosigkeit verdammt. Und unfreiwillige Tatenlosigkeit, gerade bei einem Menschen wie Schlingensief, der immer „in Aktion“ zu sein scheint, ist wie „Gefesseltsein“ und nimmt schließlich alle Kräfte, die doch so dringend gebraucht werden.
I Verdacht auf Krebs und Entschluss zum PET: Dieses Kapitel beschreibt die erste Phase der Ungewissheit und Schlingensiefs Entscheidung, den Tumor durch ein PET medizinisch abzuklären.
II Diagnose: Adenokarzinom: Hier wird die psychische Reaktion auf die konkrete Krebsdiagnose und das damit verbundene Gefühl des Zusammenbruchs der Normalität analysiert.
III MRT und Weiterbehandlung: Das Kapitel beleuchtet die panikartige Belastung während technischer Untersuchungen wie dem MRT und das Ringen um die Kontrolle.
IV Operation: Hier wird die Phase unmittelbar vor und während des operativen Eingriffs behandelt, inklusive der sozialen Rückzugstendenzen des Künstlers.
V Intensivstation: Thema ist die unmittelbare Zeit nach der Operation, das Gefühl der Einsamkeit und die psychologische Bedeutung des „Inneren Kindes“.
VI Verlegung auf „Normal“station: Das Kapitel fokussiert auf das Bedürfnis nach Entschleunigung und die Entdeckung der Natur als Quelle der Kraft.
VII Wieder Zuhause: Hier wird der schwierige Übergang von der klinischen Umgebung zurück in den privaten Raum und das schwierige Ankommen thematisiert.
VIII Chemotherapie: Dieses Kapitel befasst sich mit der psychischen Last der medikamentösen Behandlung und dem Wunsch nach einer ganzheitlichen Betrachtung der Krankheit.
IX Diagnose erneuter Metastasen: Die Analyse konzentriert sich auf den Schock des Rückfalls (Rezidiv) und die damit verbundenen Anforderungen an das erneute Coping.
X Erfahrung von Endlichkeit: Zum Abschluss steht die bewusste Auseinandersetzung mit dem nahenden Tod und die Suche nach Sinnhaftigkeit im Sterbeprozess im Zentrum.
Christoph Schlingensief, Psychoonkologie, Coping, Krebs, Krankheitsbewältigung, Tagebuch einer Krebserkrankung, Existenzielle Belastung, Autonomie, Spiritualität, Fatigue, Rezidiv, Identität, Lebenssinn, Sterben, Psychosomatik.
Die Arbeit analysiert die psychische Auseinandersetzung des Regisseurs Christoph Schlingensief mit seiner Krebserkrankung basierend auf seinen Tagebuchaufzeichnungen.
Im Zentrum stehen Themen wie Krankheitsbewältigung, existentielle Krisen, das Suchen nach Autonomie und die Bedeutung von Spiritualität und Kreativität im Umgang mit einer lebensbedrohlichen Diagnose.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schlingensief verschiedene Bewältigungsstrategien anwendete, um trotz körperlicher und psychischer Belastungen ein hohes Maß an Selbstbestimmung aufrechtzuerhalten.
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse, bei der Schlingensiefs persönliche Aufzeichnungen in einen wissenschaftlichen Kontext der Psychoonkologie gestellt werden.
Der Hauptteil gliedert den Krankheitsverlauf chronologisch in zehn Phasen, von der ersten Diagnose bis zur Erfahrung der Endlichkeit, und untersucht in jeder Phase die spezifischen Bewältigungsanforderungen.
Kernsätze sind Psychoonkologie, Coping, Autonomie, Schlingensief und Lebensqualität.
Anstatt sich in Verleugnung zu flüchten, nutzt er die Diagnose als Stichtag, um Tatsachen ins Auge zu sehen und seine Handlungsfähigkeit sowie Autonomie zurückzugewinnen.
Es ist ein therapeutischer Prozess der Versöhnung mit eigenen Schwächen und Ängsten, der es ihm ermöglicht, nicht länger gegen sich selbst und seine Gefühle anzukämpfen.
Die Spiritualität dient Schlingensief als Gedankengenerator und seelischer Halt, der hilft, das Leben als Prinzip zu verstehen, in das auch das Sterben eingebettet ist.
Die Arbeit betont, dass Psychoonkologie Patienten individuell unterstützen muss, um nicht nur körperliche Symptome zu lindern, sondern auch die kognitive Auseinandersetzung mit der Krise zu erleichtern.
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