Diplomarbeit, 2011
60 Seiten
I. Einleitung
II. Die Problematik übermäßiger Staatsverschuldung
II.1 Ökonomische Grundsätze der staatlichen Schuldenaufnahme
II.1.1 Die Gründe staatlicher Verschuldung
II.1.2 Gefahren übermäßiger Staatsverschuldung
II.2 Das Szenario eines Sovereign Default
II.2.1 Die Kosten eines Staatsbankrotts
II.2.2 Vertrauen auf die „unsichtbare Hand“ oder Marktversagen?
II.3 Besonderheiten eines Sovereign Defaults in der EWU
III. Ein neues Fiskalregime für die Eurozone
III.1 Die Geschichte der fiskalischen Regulierung
III.1.1 Restrukturierung und Haircut – Zwei bewährte Instrumente
III.1.2 Historische Fiskalregimes – Ein Überblick
III.1.3 Lehren aus der Geschichte
III.1.4 EFSF und ESM – Der Euro Rettungsschirm
III.2 Der Rahmen eines optimalen Fiskalregimes
III.2.1 Aufgaben und Herausforderungen für ein europäisches Fiskalregime
III.2.2 Das Kriterium der Anreizkompatibilität
III.3 Neue Vorschläge für eine europäische Fiskalordnung
III.3.1 Das Instrument der Eurobondemission
III.3.2 „Contractual Approaches“
III.3.3 „Statutory Approaches“
IV. Fazit
Das Hauptziel dieser Diplomarbeit ist es, ein effektives neues Fiskalregime für die Eurozone zu konzipieren, das die aktuelle Staatsschuldenkrise löst und zukünftige Krisen verhindert, ohne die Europäische Währungsunion in eine dauerhafte Transferunion zu verwandeln.
II.2.2 Vertrauen auf die „unsichtbare Hand“ oder Marktversagen?
Manche Ökonomen sind der Ansicht, dass ein Fiskalregime zum Umgang mit Staatsverschuldung nicht nötig sei und berufen sich dazu auf Marktautomatismen, die den Markt für Staatspapiere durch den Ausgleich von Angebot und Nachfrage in ein Gleichgewicht bringen. Dieses Vertrauen auf die „unsichtbare Hand des Marktes“ wird beispielsweise von Eaton und Gersovitz (1981) propagiert.
In ihrem Paper erläutern diese, warum ein Markt für Sovereign Debt überhaupt existieren kann, obwohl er aufgrund der in Kapitel II.1 beschriebenen Charakteristika und der Gefahr eines Staatsbankrotts, gefolgt von einem Forderungsausfall für die Gläubiger, als sehr unsicher eingestuft werden kann. Die Autoren zeigen in einem theoretischen und einem stochastischen Modell, dass ein „Borrowing Equilibrium“ existiert, bei dem der Markt für Staatsanleihen im Gleichgewicht ist. Die Existenz des Gleichgewichts basiert auf den Annahmen, dass der Staat nur das Mittel der Schuldenaufnahme zur Konsumglättung bei Output Schocks besitzt und dass eine Überschuldung mit einem permanenten Ausschluss vom Kapitalmarkt bestraft wird. Unter diesen Annahmen entsteht eine konkave Nutzenfunktion des Staates, welche die Risikoaversion gegenüber einem Default impliziert. Die Schuldenaufnahme ist umso höher, desto geringer der Disnutzen aus dem Ausschluss vom Kapitalmarkt ist (Eaton und Gersovitz, 1981). Somit schützt die Risikoaversion eines Staates automatisch vor einer zu exzessiven Schuldenaufnahme und hat demnach eine Versicherungsfunktion für die Gläubiger.
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Staatsverschuldung und das Risiko eines Staatsbankrotts in der EWU ein und erläutert die Forschungsfrage hinsichtlich eines neuen Fiskalregimes.
II. Die Problematik übermäßiger Staatsverschuldung: Das Kapitel analysiert die ökonomischen Gründe für Verschuldung sowie die Gefahren, die bei übermäßiger Kreditaufnahme bis hin zum Sovereign Default drohen.
III. Ein neues Fiskalregime für die Eurozone: Hier werden Lösungsansätze diskutiert, Kriterien für eine effektive Fiskalordnung erarbeitet und verschiedene institutionelle Vorschläge kritisch bewertet.
IV. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstützt die Einführung eines institutionellen Rahmens um den ESDRM zur Stabilität der Währungsunion.
Staatsverschuldung, Europäische Währungsunion, Fiskalregime, Sovereign Default, Eurokrise, Transferunion, Moral Hazard, Anreizkompatibilität, Eurobonds, Restrukturierung, EFSF, ESM, EWF, ESDRM, Schuldenstandsquote
Die Arbeit untersucht, wie ein neues, stabiles Fiskalregime für die Eurozone gestaltet werden kann, um Schuldenkrisen zu bewältigen und gleichzeitig eine Umwandlung in eine Transferunion zu verhindern.
Die zentralen Themen umfassen die ökonomischen Grundlagen der Staatsverschuldung, das Risiko eines Staatsbankrotts, das Moral-Hazard-Problem innerhalb der EWU sowie die kritische Analyse verschiedener Lösungsvorschläge für eine europäische Fiskalordnung.
Die zentrale Frage ist, ob ein effektives europäisches Regime zur Reduktion von Staatsschulden implementiert werden kann, ohne dass dies die Europäische Währungsunion dauerhaft in eine Transferunion transformiert.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse sowie einer spieltheoretischen Betrachtung zur Anreizkompatibilität, um das Verhalten souveräner Staaten bei der Teilnahme an einem Fiskalregime zu modellieren.
Im Hauptteil werden historische Lösungsansätze (z.B. London Club), der aktuelle Euro-Rettungsschirm sowie moderne Konzepte wie Eurobonds, Contractual Approaches (CACs) und Statutory Approaches (EWF, ECRM, ESDRM) analysiert und bewertet.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Fiskalregime, Sovereign Default, Moral Hazard, Anreizkompatibilität und Transferunion charakterisiert.
Moral Hazard entsteht, wenn Staaten bei einer Rettung durch andere (Bail-Out) keine Anreize zur disziplinierten Fiskalpolitik haben, was die Stabilität der gesamten Währungsunion gefährdet.
Der Autor stützt im Fazit die Einführung eines Regimes um den ESDRM (European Sovereign Debt Restructuring Mechanism), da dieser die notwendige Finanzkraft und einen klaren Ordnungsrahmen besitzt.
Eine Transferunion würde laut Autor dazu führen, dass finanzstarke Länder dauerhaft die Schulden der Peripherieländer finanzieren, was die Solidarität in der Gemeinschaft untergräbt und keine fiskalische Disziplinierung fördert.
Es besagt, dass ein Fiskalregime so konstruiert sein muss, dass es für alle beteiligten Staaten einen Nutzenzuwachs generiert, damit sie freiwillig und dauerhaft an den Mechanismen teilnehmen.
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