Hausarbeit, 2007
27 Seiten, Note: 3,0
1. Einleitung
2. Der Parodiebegriff
3. Episches Theater vs. Klassisches Theater
4. Parodie klassischer Sprachformen und Motive
4.1 Parodie der Klassiker Goethe und Schiller
4.2 Die Johanna-Gestalt bei Schiller und Brecht
5. Intentionen des parodistischen Verfahrens
6. Fazit
7. Literatur
Die vorliegende Arbeit untersucht Bertolt Brechts Drama „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ im Hinblick auf seine Funktion als Parodie klassischer Sprachformen und Motive. Dabei wird analysiert, wie Brecht durch die Verfremdung idealistischer Traditionen die Widersprüche einer kapitalistischen Gesellschaftsordnung freilegt und die gesellschaftliche Funktion des Theaters im 20. Jahrhundert neu definiert.
4. Parodie klassischer Sprachformen und Motive
Aus den Recherchen und Erfahrungen Brechts und vor allem unter dem Einfluss des Werks Schillers "Die Jungfrau von Orleans" entsteht schließlich "Die heilige Johanna der Schlachthöfe". Das Stück beginnt mit einem Gespräch der skrupellosen Fleischkönige Mauler und Cridle, die im pathetischen Stil den hohen Tonfall des klassischen Dramas Goethes und Schillers nachahmen:
Mauler:
Erinnere, Cridle, dich, wie wir vor Tagen –
Wir gingen durch den Schlachthof, Abends war’s –
An unsrer neuen Packmaschine standen.
[...] (Bild 1, S.271)
Maulers erste Worte „sind bewußt als Parodie einer klassischen Exposition, nämlich eines Gesprächs des Helden mit seinem 'Vertrauten', angelegt.“16 Was auf den ersten Blick aussieht wie eine „blasphemische Verhöhnung der klassischen deutschen Dichtung, hat aber bei Brecht zweifellos eine völlig andere Funktion, die der Verfremdung.“17 Brecht lässt die beiden Personen in dieser Szene im jambischen Pentameter über ihre schmutzigen Schlachthofgeschäfte sprechen und betont damit die Diskrepanz zwischen idealistischer Form und realem Inhalt. Ihr Stil und Tonfall wird somit in Beziehung zu ihren wahren Interessen gebracht, die dadurch verhüllt werden sollen.
1. Einleitung: Hinführung zur Fragestellung, ob Brechts Stück als Parodie auf die Klassik zu verstehen ist und welche methodischen Zugänge (Textanalyse, Vergleich) gewählt werden.
2. Der Parodiebegriff: Klärung der Definition von Parodie als „Gegengesang“ und Einordnung von Brechts Absicht, damit Kritik an der weltfremden Ideologie der Klassik zu üben.
3. Episches Theater vs. Klassisches Theater: Gegenüberstellung der veralteten aristotelischen Dramatik mit den Anforderungen des 20. Jahrhunderts und Darstellung des epischen Theaters als notwendiges Korrektiv.
4. Parodie klassischer Sprachformen und Motive: Untersuchung der spezifischen parodistischen Techniken, insbesondere der Übernahme klassischer Versmaße und Motive zur Entlarvung ökonomischer Machtverhältnisse.
4.1 Parodie der Klassiker Goethe und Schiller: Analyse der Schlussszenen und spezifischer Anspielungen auf „Faust“ und „Die Jungfrau von Orleans“ als Höhepunkt der parodistischen Verfahren.
4.2 Die Johanna-Gestalt bei Schiller und Brecht: Vergleich der beiden Protagonistinnen hinsichtlich ihrer Naivität, ihrer Entwicklung und der unterschiedlichen Konsequenzen aus ihrem Handeln.
5. Intentionen des parodistischen Verfahrens: Zusammenfassende Betrachtung des Ziels, die Diskrepanz zwischen der Fassade des Kapitalismus und dessen versteckten Gesetzen aufzudecken.
6. Fazit: Zusammenführung der Ergebnisse, wonach das Stück als Instrument zur Ideologiekritik fungiert, das den Zuschauer dazu animiert, gesellschaftliche Verhältnisse selbst zu verändern.
7. Literatur: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Bertolt Brecht, Die heilige Johanna der Schlachthöfe, Parodie, Episches Theater, Weimarer Klassik, Ideologiekritik, Verfremdung, Friedrich Schiller, Johann Wolfgang von Goethe, Kapitalismus, Johanna Dark, intertextuelle Bezüge, soziale Realität, Klassik-Rezeption, Dramentheorie.
Die Arbeit untersucht die Funktion der Parodie in Bertolt Brechts „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ und analysiert, wie Brecht klassische literarische Vorbilder nutzt, um die sozialen und wirtschaftlichen Missstände seiner Zeit zu kritisieren.
Zentral sind der Kontrast zwischen idealistischer Sprache und kapitalistischer Realität, die Theorie des epischen Theaters sowie der kritische Bezug auf Goethe und Schiller.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Brecht durch das parodistische Verfahren eine Entlarvung der bürgerlichen Ideologie erreicht und den Zuschauer zu einer kritischen Distanz gegenüber dem Bühnengeschehen bewegt.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse in Verbindung mit einem komparatistischen Ansatz verwendet, um die intertextuellen Bezüge zwischen Brecht und seinen klassischen Vorbildern herauszuarbeiten.
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition des Parodiebegriffs, den Vergleich zwischen epischem und klassischem Theater, sowie eine detaillierte Analyse der parodistischen Anspielungen auf Goethe, Schiller und die Bibel.
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Parodie, Episches Theater, Klassik-Rezeption, Kapitalismuskritik, Verfremdungseffekt und Ideologiekritik.
Brecht nutzt den Blankvers als Stilmittel der Distanzierung, um die Diskrepanz zwischen dem hohen Tonfall der idealistischen Klassik und den profanen, skrupellosen „Geschäften“ der Kapitalisten aufzuzeigen.
Während Schillers Johanna eine tragische Heldin im Sinne der Ideologie ist, scheitert Brechts Johanna an ihrem naiven Idealismus; sie erkennt erst spät, dass die Welt nicht durch Mitleid, sondern nur durch irdische, kollektive Veränderungen verbessert werden kann.
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