Essay, 2012
6 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Verschiedene Auffassungen über Bismarcks Einstieg in die Kolonialpolitik
3. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Beweggründe Otto von Bismarcks für den plötzlichen und kurzzeitigen Beginn der deutschen Kolonialpolitik im Jahr 1884. Ziel ist es, die wissenschaftliche Debatte und die verschiedenen historischen Interpretationsansätze zu analysieren, um zu klären, ob machtpolitische Kalküle, innenpolitischer Druck oder außenpolitische Strategien gegenüber Großbritannien und Frankreich ausschlaggebend waren.
2. Verschiedene Auffassungen über Bismarcks Einstieg in die Kolonialpolitik
In der Forschung gibt es verschiedene Ansichten darüber, weshalb Bismarck plötzlich für eine Kolonialpolitik Deutschland eingesetzt hatte. Im Handbuch der deutschen Geschichte beispielsweise heißt es, dass ihn zwei Motive geleitet hätten: Einerseits seien die deutschen Kolonien für ihn keine Erweiterungen des deutschen Herrschaftsbereich gewesen und keine militärischen Stützpunkte, sondern ausschließlich Stützpunkte für den deutschen Handel, die den deutschen Kaufleuten im überseeischen Konkurrenzkampf mit Kaufleuten anderer Nationen einen Rückhalt geben sollten. Anderseits sei sein Eintreten in die Kolonialpolitik das Bestreben gewesen, dem deutschen Volk wieder eine große nationale Aufgabe zu geben, die wie früher die Reichsgründung ein einigendes Element sein sollte.
Hermann Oncken und Friedrich Meinecke setzten ihren Schwerpunkt darauf, dass Bismarck dem Druck der Kolonialbewegung und -propaganda in der deutschen Öffentlichkeit nachgegeben habe.
A. J. P. Taylor legt besonderen Wert auf die europäische Mächtekonstellation und will im deutschen Kolonialerwerb ein Instrument Bismarcks sehen, mit dem Bismarck mit Frankreich eine Kolonialentente gegen England einzuleiten versuchte.
Hans-Ulrich Wehler, der alle anderen Ansichten negiert, entwickelt eine Sozialimperialismus-These.
In der Biographie über Bismarck vertritt Wilhelm Mommsen die Auffassungen, dass Bismarck im Erwerb deutscher Kolonien in erster Linie die Gewinnung neuer Absatzmärkte sah, also keine machtmäßige Festsetzung; und dass er sich dem Druck der deutschen Öffentlichkeit gebeugt habe. Die letzte Auffassung schwächte er jedoch ab, indem er hinzufügt, dass die kolonialen Bestrebungen von nicht sehr breiten Schichten des deutschen Volkes getragen wurde.
1. Einleitung: Dieses Kapitel skizziert das internationale Umfeld der 1880er Jahre, in dem europäische Mächte vermehrt Gebiete besetzten, und beschreibt den für das Deutsche Reich untypischen späten Einstieg in die koloniale Expansion.
2. Verschiedene Auffassungen über Bismarcks Einstieg in die Kolonialpolitik: Das Kapitel stellt die verschiedenen wissenschaftlichen Deutungsversuche vor, von wirtschaftlichen Interessen und Sozialimperialismus bis hin zu taktischen außenpolitischen Manövern gegen den britischen Liberalismus.
3. Schlussbetrachtung: Hier werden die widerstreitenden Thesen, insbesondere jene von Winfried Baumgart und Klaus Hildebrand, gegeneinander abgewogen, wobei die endgültige Klärung der Motive Bismarcks als weiterhin offene historische Frage bestehen bleibt.
Otto von Bismarck, Kolonialpolitik, Deutsches Reich, 1884, Außenpolitik, Imperialismus, Sozialimperialismus, Großbritannien, Frankreich, Gladstone, Kolonialverein, Handelsinteressen, Machtkonstellation, Geschichtswissenschaft, nationale Identität
Die Arbeit behandelt die Hintergründe der deutschen Kolonialpolitik unter Bismarck und fragt nach den Ursachen für den abrupten Einstieg Deutschlands in das koloniale Zeitalter im Jahr 1884.
Die Schwerpunkte liegen auf der internationalen Mächtekonstellation, Bismarcks persönlicher außenpolitischer Strategie und den verschiedenen historischen Interpretationen seiner Motive.
Das Ziel ist die Analyse und Gegenüberstellung verschiedener historischer Erklärungsmodelle zur kolonialen Kehrtwende Bismarcks.
Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse und den Vergleich verschiedener historiographischer Positionen, wie etwa die von Wehler, Taylor oder Baumgart.
Der Hauptteil setzt sich intensiv mit den unterschiedlichen Forschungstheorien auseinander, insbesondere mit der These des "Ministerium Gladstone" als außenpolitischem Feindbild Bismarcks.
Neben dem zentralen Akteur Bismarck sind dies Kolonialpolitik, Sozialimperialismus, Machtpolitik und die spezifische europäische Situation der 1880er Jahre.
Bismarck sah im britischen Liberalismus unter Gladstone eine Bedrohung für monarchische Strukturen und nutzte die Kolonialpolitik unter anderem als taktisches Mittel, um gegen diese politische Ausrichtung zu agieren.
Es besteht Konsens, dass Bismarck sowohl vor 1884 als auch nach Erwerb der ersten Gebiete eine eher ablehnende Haltung gegenüber Kolonien einnahm, was die kurzzeitige Phase der Expansion besonders erklärungsbedürftig macht.
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