Magisterarbeit, 2012
125 Seiten, Note: 1,3
1. Die Unsichtbarkeit von weiblicher Homosexualität
2. Reaktionen der westlichen Gesellschaft auf weibliche Homosexualität
2.1. Historischer Überblick auf den Umgang mit weiblicher Homosexualität
2.1.1. Desinteresse an Frauen(-Liebe) über Jahrtausende
2.1.2. Wandel einer „intensiven Freundschaft“ zur „Krankheit“ im 19.Jahrhundert
2.1.3. Weibliche Homosexualität während der NS-Zeit
2.1.4. Rechte und Alltag für homosexuelle Frauen
2.2. Der Umgang mit weiblicher Homosexualität im Spielfilm
2.2.1. Abwehreinstellungen in der Gesellschaft
2.2.1.1. Gesellschaftlicher Tod in Infam
2.2.1.2. Hinrichtung in Die Töchter des Chinesischen Gärtners
2.2.2. Gesellschaftliche Randgruppen als einziger Freundeskreis
2.2.2.1. Im Kreis von Zirkus-Artisten in Wenn die Nacht beginnt
2.2.2.2. Homosexuelle unter sich in Women love Women
3. Erscheinungsbild und Auftreten einer homosexuellen Frau
3.1. Die homosexuelle Frau in der westlichen Kultur
3.1.1. Vorstellungen und Vorurteile über homosexuelle Frauen
3.1.2. „Weiblichkeit und Männlichkeit“ – Forschungsansätze über geschlechtsspezifische Verhaltensweisen
3.1.3. Das KV/Femme-Phänomen
3.2. Die homosexuelle Frau im Spielfilm
3.2.1. „Kesse Väter und männlich betonte Frauen“
3.2.2. Definitionskriterien für die Femme fatale aus dem Film Noir
3.2.3. „Vampire und andere Femme fatales“
3.2.4. Das KV/Femme (fatale)-Phänomen
3.2.4.1. Das KV/Femme (fatale)-Phänomen in Die Büchse der Pandora
3.2.4.2. Das KV/Femme (fatale)-Phänomen in Bound – Gefesselt
3.2.4.3. Das KV/Femme (fatale)-Phänomen in Rossini – Oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief
3.2.4.4. Das KV/Femme (fatale)-Phänomen in The Girl
4. Beziehungsverhalten unter homosexuellen Frauen
4.1. Psychologische Sichtweisen von weiblicher Homosexualität
4.1.1. Das Streben von Frauen nach Symbiose
4.1.2. Studien über das Sexualleben von lesbischen Frauen
4.2. Die Inszenierung von homosexueller Liebe im Film
4.2.1. Der Mann als dominierender Konkurrent
4.2.1.1. Ein Mann als Trennungsgrund in Zwei Freundinnen
4.2.1.2. Bekehrung zur Heterosexualität in Basic Instinct
4.2.2. Bekennende Lesben im Film
4.2.2.1. Homosexuelle Frauen als Nebenfiguren
4.2.2.2. Endgültige Trennung eines lesbischen Paares
4.2.2.3. Radikaler Abbruch mit dem alten Leben
5. Homogene Inszenierungsmethoden als Folge einer defizitären Präsenz in der Öffentlichkeit
Die Arbeit untersucht, wie weibliche Homosexualität im Spielfilm inszeniert wird und inwiefern diese Darstellung durch eine defizitäre öffentliche Präsenz sowie bestehende theoretische Lücken beeinflusst ist. Die zentrale Forschungsfrage hinterfragt, ob aufgrund fehlender oder widersprüchlicher Quellen homogene, stereotype Inszenierungsmethoden im Spielfilm entstehen.
2.1.1. Desinteresse an Frauen(-Liebe) über Jahrtausende
Nachforschungen über vergangene Frauenbeziehungen haben ergeben, dass in den Geschichtsbüchern so gut wie nichts zu diesem Thema zu finden ist. Barbara Gissrau begründet den Mangel damit, dass diese Freundschaften den „meist männlichen Autoren (…) offenbar nicht erwähnenswert“4 waren. Der Begriff „Homo-Sexualität“ wurde erstmalig von Karl Maria Benkert im Jahr 1869 gebraucht,5 in dieser Arbeit soll er nun als gängige Beschreibung für den sexuellen Kontakt zwischen Frauen verwendet werden. Die Bezeichnung einer „Lesbierin“ oder einer „Lesbe“ findet ihren Ursprung bereits in der Antike. Ungefähr 600 vor Christus lebte die Dichterin Sappho auf der Insel Lesbos und in Anlehnung an ihre Gedichte, welche die Liebe zwischen Frauen thematisieren, wurden lange Zeit „‛Lesbische’ und ‛sapphische’ Liebe (…) synonym benutzt.“6 Sapphos eigene sexuelle Orientierung ist jedoch bis heute umstritten.7 Der aus dem Römischen stammende Begriff „Tribadie“, der bis heute noch gebraucht wird, wurde auch schon in der Antike verwendet.8
Die erste Frau, die nachweislich eine Tribade sein soll und auf der Insel Lesbos lebt, ist eine fiktive Figur aus dem 2. Jahrhundert vor Christus.9 In seinem Werk „Hetärengespräche“ (Έταιρικοì διάλογοι) schreibt der Sophist und Satiriker Lukian von Samosata „about a woman married to another woman.“10
1. Die Unsichtbarkeit von weiblicher Homosexualität: Die Einleitung thematisiert die geringe wissenschaftliche und öffentliche Präsenz weiblicher Homosexualität und stellt die Hypothese auf, dass diese Lücke zu stereotyper filmischer Inszenierung führt.
2. Reaktionen der westlichen Gesellschaft auf weibliche Homosexualität: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss von der Antike bis in die Moderne, der aufzeigt, wie weibliche Homosexualität erst ignoriert, dann pathologisiert und schließlich in Randgruppen gedrängt wurde.
3. Erscheinungsbild und Auftreten einer homosexuellen Frau: Hier werden gängige Vorurteile und wissenschaftliche Ansätze zu Rollenbildern analysiert, insbesondere die Tendenz zur binären Aufteilung in maskuline und feminine Rollen.
4. Beziehungsverhalten unter homosexuellen Frauen: Das Kapitel untersucht psychologische Konzepte wie Symbiose und analysiert, wie diese in Filmbeispielen dargestellt werden, wobei der Mann häufig als destruktiver Konkurrent auftritt.
5. Homogene Inszenierungsmethoden als Folge einer defizitären Präsenz in der Öffentlichkeit: Das Fazit fasst zusammen, dass die filmische Homogenität direkt mit dem Mangel an fundierter Theorie und öffentlicher Sichtbarkeit korreliert.
Weibliche Homosexualität, Filmwissenschaft, Stereotype, Femme fatale, Inszenierungsmethoden, Lesbenbewegung, Geschlechterrollen, Pathologisierung, Weiblichkeit, Männlichkeit, Identitätsfindung, Symbiose, Film Noir, Diskriminierung, Unsichtbarkeit.
Die Arbeit analysiert die filmische Darstellung weiblicher Homosexualität und prüft, ob und wie stereotype Schemata genutzt werden, um das Fehlen von fundierten Informationen und historischer Sichtbarkeit auszugleichen.
Im Zentrum stehen historische Diskurse, die mediale Konstruktion von Geschlechtlichkeit, das Phänomen der Femme fatale im Film Noir sowie psychologische Konzepte symbiotischer Beziehungen unter lesbischen Frauen.
Ziel ist es, die Homogenität der Inszenierungsmethoden von weiblicher Homosexualität im Spielfilm als Konsequenz einer defizitären Präsenz in der realen Öffentlichkeit nachzuweisen.
Die Autorin verwendet eine literatur- und filmwissenschaftliche Analyse, bei der historische Theorien und eine Vielzahl von Spielfilmbeispielen herangezogen werden, um wiederkehrende dramaturgische Strukturen aufzudecken.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse gesellschaftlicher Reaktionen, die Untersuchung der medialen Typisierung (z. B. Butch/Femme-Rollen) und eine tiefgehende Auseinandersetzung mit den Inszenierungsmethoden von Liebesbeziehungen im Film.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Weibliche Homosexualität, Stereotype, Inszenierungsmethoden, Film Noir, Geschlechterrollen und gesellschaftliche Randgruppen charakterisieren.
Die Arbeit zeigt auf, dass in nahezu allen analysierten Filmen ein Mann als Störfaktor oder Rivale in eine lesbische Liebesgeschichte integriert wird, um die heterosexuelle Ordnung zu bekräftigen.
Die Arbeit stellt fest, dass lesbische Paare am Ende eines Films oft nur dann ein Happy End erfahren oder zusammenbleiben dürfen, wenn sie einen radikalen Bruch mit ihrem bisherigen Leben vollziehen oder ihr altes Umfeld verlassen.
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