Diplomarbeit, 2011
61 Seiten
1 Einleitung
2 Was ist soziale Gerechtigkeit?
2.1 Begriffsklärung
2.2 Geschichtlicher Abriss des Gerechtigkeitsbegriffs
3 Soziale Gerechtigkeit im politischen Kontext
3.1 Weimarer Reichsverfassung
3.2 Grundgesetz
3.3 Sozialgesetzbuch
3.4 Exkurs: Die Europäische Union
3.5 Ministerien
3.5.1 Bundesministerium für Arbeit und Soziales
3.5.2 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
3.5.3 Bundesministerium für Bildung und Forschung
3.6 Konkrete Einrichtungen
3.6.1 Arbeitsagentur
3.6.2 Sozialamt
3.6.3 Sozialhilfe
3.6.4 Sozialversicherung
4 Soziale Gerechtigkeit im gesellschaftlichen Kontext
4.1 Gerechtigkeitsindex 2011
4.2 „Gleichheit ist Glück“, Studien von Wilkinson und Pickett
4.3 Hartz IV und seine Vorurteile
4.4 Vereine, Organisationen, Initiativen
5 Soziale Gerechtigkeit im theologischen Kontext
5.1 Der Öffentlichkeitsauftrag der Kirche
5.1.1 Martin Luther und die Obrigkeit
5.1.2 Karl Barth und die Leistungen der Kirche für den Staat
5.1.3 Dietrich Bonhoeffer und das verantwortliche Leben
5.1.4 EKD: „Das rechte Wort zur rechten Zeit“
5.2 Gerechtigkeit als Begriff der christlichen Ethik
5.3 Gerechtigkeit als biblischer Begriff
5.3.1 Altes Testament
5.3.2 Neues Testament
5.3.3 St. Martin als populärste Erzählung gelebter Nächstenliebe
5.4 „Gemeinwohl und Eigennutz“
5.4.1 Wirtschaft als Ort christlicher Verantwortung
5.4.2 Ergebnisse, Folgerungen, Perspektiven
5.4.3 Bewertung der Denkschrift
5.5 „Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit“
5.5.1 Perspektiven und Impulse aus dem christlichen Glauben
5.5.2 Ziele und Wege
5.5.3 Aufgaben der Kirchen
5.5.4 Bewertung der Stellungnahme
5.6 „Gerechte Teilhabe“
5.6.1 Theologisch-sozialethische Orientierung
5.6.2 Wege aus der Armut
5.6.3 Zusammenfassung und Empfehlungen
5.6.4 Bewertung der Denkschrift
5.7 „Unternehmerisches Handeln in ethischer Perspektive“
5.7.1 Anlass und Zielsetzung der Denkschrift
5.7.2 Unternehmerisches Handeln in der Perspektive des christlichen Glaubens
5.7.3 Gesellschaftliche Verantwortung von Wirtschaftsunternehmen – Wirtschaftliches Handeln von Kirche und Diakonie
5.7.4 Fazit und Empfehlungen
5.7.5 Bewertung der Denkschrift
5.8 Allgemeine Bewertung der Stellungnahmen
6 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern soziale Gerechtigkeit ein zentrales Thema der Theologie ist und wie sich die Kirche aktiv für deren Umsetzung in Politik und Gesellschaft einsetzt.
2.2 Geschichtlicher Abriss des Gerechtigkeitsbegriffs
Um die Geschichte der sozialen Gerechtigkeit aufzuzeigen, ist bei der Gerechtigkeit an sich zu beginnen. Fest steht, dass es den Gedanken der sozialen Gerechtigkeit bereits sehr früh gab. Er entstand weit vor Taparellis oben genanntem Werk, wenngleich unter anderem Topos.
Bereits Platon (428/7 - 348/7 v. Chr.) maß der Gerechtigkeit eine wichtige Bedeutung zu. Neben Weisheit, Tapferkeit und Besonnenheit gehörte sie zu den Kardinalstugenden und hat die Ordnungsfunktion. Der Gerechte erlangt höheres Glück als der Ungerechte. Jedoch lehnt Platon das suum cuique ab, das Gleiches mit Gleichem vergelten will. Gerechtigkeit ist für ihn eine innerseelische Angelegenheit, die nicht durch Bezug zu den Mitmenschen erschlossen werden kann. Sie ist eine ewige, unveränderliche, überweltliche Idee, an der die Seele Anteil hat. In seiner Schrift „Politeia“ weist Platon darauf hin, dass jeder das Seine zu tun habe, in Art und Umfang, die seinem Wesen und individuellen Möglichkeiten entsprechen. Später wurde dies als Idiopragieformel bezeichnet und in zahlreiche Staatstheorien übertragen. Dabei lehnte Platon eine Einmischung in die Zuständigkeiten anderer Personen als ungerechtes Handeln, das der Gemeinschaft schadet, ab.
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die zunehmende Bedeutung sozialer Gerechtigkeit in einer von Krisen und Kluften zwischen Arm und Reich geprägten Gesellschaft und erläutert den theologischen Fokus der Arbeit.
2 Was ist soziale Gerechtigkeit?: Dieses Kapitel definiert den Begriff soziale Gerechtigkeit und bietet einen geschichtlichen Abriss von der Antike bis zum modernen Verständnis.
3 Soziale Gerechtigkeit im politischen Kontext: Es werden die gesetzlichen und staatlichen Grundlagen in Deutschland, wie das Grundgesetz und das Sozialgesetzbuch, sowie die Rolle der Ministerien und EU-Richtlinien beleuchtet.
4 Soziale Gerechtigkeit im gesellschaftlichen Kontext: Dieser Abschnitt analysiert aktuelle gesellschaftliche Probleme wie Armut, Bildungsdefizite und Vorurteile gegenüber Hartz-IV-Empfängern im Lichte von Studien und Medien.
5 Soziale Gerechtigkeit im theologischen Kontext: Das Hauptkapitel untersucht den Öffentlichkeitsauftrag der Kirche, biblische Grundlagen und analysiert vier zentrale Denkschriften der EKD zur wirtschaftlichen und sozialen Verantwortung.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass soziale Gerechtigkeit kein starrer Begriff ist, sondern ein ständiges Handlungsgebot, bei dem die Kirche eine wichtige Anwaltsrolle für Benachteiligte einnimmt.
Soziale Gerechtigkeit, Kirche, Theologie, Sozialstaat, Armut, Hartz IV, EKD, Gemeinwohl, Bildungsgerechtigkeit, Solidarität, Ethik, Menschenwürde, Wirtschaftsverantwortung, Teilhabe, Sozialethik.
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen sozialer Gerechtigkeit, politischem Handeln und theologischer Verantwortung aus Sicht der Kirche in Deutschland.
Zentrale Themen sind der geschichtliche Gerechtigkeitsbegriff, die politische Umsetzung im deutschen Sozialstaat, gesellschaftliche Ungleichheit sowie die ethische Einmischung der Kirche in ökonomische Debatten.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie soziale Gerechtigkeit theologisch begründet ist und auf welche Weise sich die Kirche durch Denkschriften und praktisches Engagement für benachteiligte Gruppen einsetzt.
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Dokumentenanalyse, insbesondere der Auswertung kirchlicher Denkschriften, theologischer Quellen sowie sozialwissenschaftlicher und politischer Fachliteratur.
Der Hauptteil analysiert die politischen Rahmenbedingungen, gesellschaftliche Phänomene der Armut und intensiv die theologischen Stellungnahmen der EKD zu Themen wie "Gemeinwohl und Eigennutz" und "Gerechte Teilhabe".
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Soziale Gerechtigkeit, EKD, Solidarität, Gemeinwohl und Menschenwürde geprägt.
Der Autor weist kritisch darauf hin, dass die Kirche sich im Widerspruch zu ihren eigenen Forderungen befindet, wenn sie im Diakonie- und Dienstleistungsbereich Lohndumping oder schlechte Arbeitsbedingungen toleriert.
Sie beleuchtet sowohl die Intention der Reformen als auch die resultierende Stigmatisierung der Betroffenen und die oft menschenverachtende mediale Darstellung in sogenannten Reality-Formaten.
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