Examensarbeit, 2010
55 Seiten
1 Einleitung
2 Biologie und Lebensweise von Pan paniscus
2.1 Systematik
2.2 Geografische Verbreitung und Lebensraum
2.3 Gefährdung und Artenschutz
2.4 Merkmale
2.5 Ernährung
2.6 Werkzeuggebrauch
2.7 Sozialverhalten
2.7.1 Soziale Organisation
2.7.2 Soziale Hierarchie
2.7.3 Aggressionsverhalten
2.7.4 Komfortverhalten
2.8 Sexualverhalten
2.8.1 Kopulation
2.8.2 Genito-Genital-Reiben (GG-rubbing) zwischen Weibchen
2.8.3 Sexuelle Kontakte zwischen Männchen
2.9 Soziosexuelles Verhalten
2.9.1 Soziosexuelles Verhalten im Kontext „Aggression“
2.9.2 Soziosexuelles Verhalten im Kontext „Nahrung“
2.9.3 Soziosexuelles Verhalten im Kontext „Ausbildung sozialer Bindung“
3 Hypothesen und Prognosen
3.1 Häufigkeit von GG-rubbing in An- und Abwesenheit von Nahrung
3.2 Aufforderung zum GG-rubbing
3.3 Cofeeding
4 Material und Methoden
4.1 Versuchstiere
4.2 Haltung der Versuchstiere
4.2.1 Gehege
4.2.2 Reguläre Fütterungen
4.3 Versuchsmaterialien
4.4 Methoden
4.4.1 Prognose 1 a: Häufigkeit von GG-rubbing
4.4.2 Prognose 1b: Häufigkeit von Owner-Bystander-Kontakt
4.4.3 Prognose 2: Aufforderung zum Owner-Bystander-Kontakt
4.4.4 Prognose 3: Cofeeding
5 Ergebnisse
5.1 Allgemeine Beschreibung
5.2 Prognose 1a: Häufigkeit von GG-rubbing
5.3 Prognose 1b: Häufigkeit von Owner-Bystander-Kontakt
5.4 Prognose 2: Aufforderung zum Owner-Bystander-Kontakt
5.5 Prognose 3: Cofeeding
6 Diskussion der Ergebnisse
6.1 Prognose 1a: Häufigkeit von GG-rubbing
6.2 Prognose 1b: Häufigkeit von Owner-Bystander-Kontakt
6.3 Prognose 2: Aufforderung zum Owner-Bystander-Kontakt
6.4 Prognose 3: Cofeeding
7 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das soziosexuelle Verhalten von Bonobos (Pan paniscus), insbesondere das Genito-Genital-Reiben (GG-rubbing) und das Teilen von Nahrung, um die "Sex-for-Food-Exchange-Hypothese" zu überprüfen. Ziel ist es, den zeitlichen Zusammenhang zwischen sexueller Interaktion und Nahrungsaufnahme bei weiblichen Bonobos in einer Zoohaltung empirisch zu erfassen und die funktionale Bedeutung dieses Verhaltens zu analysieren.
1 Einleitung
Das Teilen von Nahrung ist kein seltenes Phänomen unter Primaten. Es wurde unter anderem bei Kleideraffen (Kavanagh, 1972), Gibbons (Nash & Schessler, 1977), Schimpansen (McGrew, 1996) und auch bei den in dieser Arbeit behandelten Bonobos beobachtet. Meist kann dieses Verhalten auf Basis der Verwandtschaftsselektion erklärt werden. Betrachtet man jedoch das Teilen von Nahrung bei Bonobos, fallen zwei Besonderheiten auf. Erstens teilen am häufigsten die aufgrund der patrilinearen Gruppenstruktur nicht oder nur entfernt verwandten Weibchen die Nahrung miteinander (Kano, 1980), was die Frage aufkommen lässt, welche Faktoren dieses Verhalten zwischen nicht-verwandten Tieren begünstigen. Zweitens tritt das Teilen von Nahrung oft zeitnah zu sexueller Interaktion auf (Kuroda;1984 zit. nach Blount, 1990; de Waal, 1991).
De Waal (1998) beschreibt Situationen, in denen die Bereitschaft eines Männchens zum Teilen von Nahrung mit einem Weibchen durch eine vorangegangene Kopulation positiv beeinflusst zu sein schien. Sowohl Weibchen als auch Männchen forderten dabei zur Kopulation auf, wobei Weibchen anschließend stets von der Nahrung des Männchens fressen konnten. Seine Beobachtungen interpretierte de Waal (1998) dahingehend, dass Männchen Nahrung gezielt dazu einsetzen, um mit Weibchen zu kopulieren und Weibchen ihrerseits die sexuelle Attraktion der Männchen nutzen, um Zugang zu einer begehrten Nahrung für sich beanspruchen zu können. In heterosexuellen Paarkonstellation kann dieses Verhalten durch die Begrenzungsfaktoren des reproduktiven Erfolges beider Geschlechter erklärt werden, welche für Weibchen durch den Zugang zu hochwertiger Nahrung und für Männchen durch den Zugang zu fruchtbaren Weibchen bestimmt sind.
Parish (1994) beobachtete jedoch ein ähnliches Verhalten zwischen Weibchen untereinander. Wenn Weibchen die Nahrung miteinander teilten, kam es dabei ebenfalls häufig zur sexuellen Interaktion in Form des für Bonobo-Weibchen typischen Genito-Genital-Reibens (GG-rubbing). Auch Parish (1994) vermutete einen engen Zusammenhang zwischen dem Teilen von Nahrung und dem Auftreten von Genital-Kontakt entsprechend eines Austausches von sexueller Interaktion und Nahrung zwischen den beteiligten Tieren ("Sex-for-Food-Exchange"). Sie konnte in einer experimentellen Studie an in Gefangenschaft lebenden Bonobos zeigen, dass dieser "Sex-for-Food-Exchange" regelmäßig unter Weibchen vorkommt.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die wissenschaftliche Fragestellung ein und diskutiert das Phänomen des Teilens von Nahrung bei Primaten sowie die spezifische "Sex-for-Food-Exchange-Hypothese" bei Bonobos.
2 Biologie und Lebensweise von Pan paniscus: Dieses Kapitel liefert eine grundlegende Übersicht über Systematik, Verbreitung, Merkmale, Ernährung sowie das komplexe Sozial- und Sexualverhalten von Bonobos.
3 Hypothesen und Prognosen: Hier werden die zentralen Forschungsfragen abgeleitet und die spezifischen Prognosen zum GG-rubbing, zur Aufforderung zu diesem Verhalten sowie zum Cofeeding formuliert.
4 Material und Methoden: Dieser Abschnitt beschreibt das Studiendesign, die Versuchsgruppe im Zoo Frankfurt, die Haltung der Tiere, die Versuchsmaterialien sowie das methodische Vorgehen bei der Datenerhebung.
5 Ergebnisse: Die Ergebnisse präsentieren die statistische Auswertung der Beobachtungsdaten bezüglich der Häufigkeit von GG-rubbing und Cofeeding in verschiedenen sozialen und Fütterungskontexten.
6 Diskussion der Ergebnisse: Hier werden die Ergebnisse im Kontext der aufgestellten Prognosen interpretiert und mit bestehender Fachliteratur verglichen sowie soziale Einflussfaktoren diskutiert.
7 Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und schlussfolgert, dass die "Sex-for-Food-Exchange-Hypothese" bei weiblichen Bonobos in der untersuchten Gruppe nur eingeschränkt belegt werden kann.
Bonobo, Pan paniscus, Sozialverhalten, Sexualverhalten, GG-rubbing, Sex-for-Food-Exchange, Cofeeding, Nahrungsteilen, Zoohaltung, Primaten, Verhaltensforschung, soziale Organisation, Dominanz, Aggressionsabbau, Kommunikation.
Die Arbeit untersucht das soziosexuelle Verhalten von Bonobos in Gefangenschaft, um zu verstehen, ob und wie sexuelle Interaktionen, insbesondere das GG-rubbing, mit der Nahrungsaufnahme und dem Teilen von Nahrung in Verbindung stehen.
Die zentralen Themen umfassen die Biologie des Bonobos, die soziale Organisation und Hierarchie, das detaillierte Repertoire an Sexualverhalten sowie die Untersuchung von sozialen Tauschmechanismen (Sex-for-Food).
Das Hauptziel ist die empirische Überprüfung der sogenannten "Sex-for-Food-Exchange-Hypothese" bei weiblichen Bonobos, um herauszufinden, ob sexuelle Kontakte gezielt zum Erhalt von Zugang zu Nahrung eingesetzt werden.
Es wurde eine verhaltensbiologische Feldstudie in einer Zoohaltung durchgeführt, bei der über 70 Stunden Videodaten und Kontrolldaten mittels All-Occurrence-Sampling gesammelt und anschließend statistisch ausgewertet wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der allgemeinen Biologie der Spezies, die Ableitung der Forschungsfragen, die methodische Beschreibung der Versuchsreihen sowie die detaillierte Auswertung und Diskussion der beobachteten Ereignisse.
Die wesentlichen Begriffe sind Bonobo, GG-rubbing, Cofeeding, soziale Bindung, Nahrungskonkurrenz und die "Sex-for-Food-Exchange"-Hypothese.
Die Diskussion deutet darauf hin, dass die Rangordnung, obwohl sie nicht primär erhoben wurde, einen signifikanten Einfluss auf die beobachteten Cofeeding-Raten und die sozialen Interaktionen zwischen den Weibchen haben könnte.
Die Ergebnisse zeigen, dass GG-rubbing zwar in Anwesenheit von Nahrung häufiger auftritt, der direkte Austausch von sexueller Interaktion gegen Nahrung jedoch seltener stattfand als erwartet, was auf komplexere soziale Mechanismen hinweist.
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