Studienarbeit, 2011
18 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Vorüberlegungen bezüglich des Vorwortes
2.1 Die Beziehung zwischen Zustand, Idee und dem sittlichen Zentrum
2.2 Der Welt- und Menschenzustand als Umbruch und die Rolle der Institutionen
2.3 Der Welt- und Menschenzustand als Gebrochenheit des Einzelnen
3. Leonhard als gebrochener Charakter im Handlungsverlauf
3.1 Bild des Bildungsbürgers in I,3
3.2 Auftritte als Intrigant und Mitgiftjäger
3.3 Leonhard als Verfechter des sittlichen Zentrums in I, 5?
3.4 Leonhards charakterliche Ambivalenz anhand seiner Schuldgefühle
4. Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht die Figur des Leonhard in Friedrich Hebbels Drama „Maria Magdalena“. Ziel ist es, die Hypothese zu belegen, dass Leonhard ein ambivalenter Charakter ist, der durch seine innere Zerrissenheit die von Hebbel beschriebene „Gebrochenheit des Individuums“ verkörpert.
3.2 Auftritte als Intrigant und Mitgiftjäger
Das vorerst positiv geprägte Bild Leonhards als gebildeten, modernen Schreiber macht er im Folgenden selbst zunichte. Im Zuge seiner Ankunft in I, 4 poltert er sofort darauf los: fordernde, anklagende Untertöne, unterstrichen durch viele Ausrufungszeichen, prägen sein Verhalten in dieser Szene. So beginnt er, nach zweiwöchiger Distanz zu Klara, einen Disput um den Tanzabend vor jenen vierzehn Tagen vom Zaun zu brechen (vgl. MM, S.41ff). Klara empfindet dies als sehr ungebührlich, wie sich an verschiedenen Stellen, am deutlichsten in ihrer Aussage „Du hörst nicht auf, mich zu kränken!“ (MM, S.41), zeigt. Die Zusammenkunft eines glücklichen Liebespaares nach längerer Trennung klingt definitiv anders.
Der fordernde und egozentrische Charakter Leonhards ist auch ganz klar an der Episode um Heiratsantrag und vorehelichen Verkehr mit Klara ablesbar, die er beide in erster Linie aus Eifersucht auf den Sekretär einfädelte (vgl. MM, S42f). Daraus ergibt sich bereits, dass der Grundkonflikt des Dramas, also jener voreheliche Verkehr und die bereits anklingende, sich später verdeutlichende Schwangerschaft Klaras, zu weiten Teilen Leonhard zuzurechnen sind. Die gesellschaftliche Ungeheuerlichkeit dieser geschaffenen Fakten plausibilisiert sich, wenn man sich den die beiden umgebenden WMZ ins Gedächtnis ruft (vgl. 2.1).
Die Beseitigung des vormaligen Einwands Meister Antons gegen eine baldige Hochzeit, Leonhards fehlendes Einkommen, ist der Grund für sein Kommen (vgl. MM, S.44), denn er ist nun als Kassierer beim Bürgermeister beschäftigt. Den Gegenkandidaten mit Hilfe von Freunden betrunken zu machen und der Nichte des Bürgermeisters schöne Augen zu machen (vgl. MM, S.44, Z.11ff), waren seine Mittel zur Chancenverbesserung. Den Zwist mit Klara habe Leonhard angeblich auch absichtlich vom Zaune gebrochen, um sich die Freiheiten bezüglich der besagten Nichte zu schaffen (vgl. MM, S.44, Z.32). Dieses Verhalten entlarvt ihn als karrieristischen Intriganten.
1. Einleitung: Hier wird das Interesse an der Figur des Leonhard begründet und die Hypothese aufgestellt, dass Leonhards Ambivalenz die individuelle Gebrochenheit widerspiegelt.
2. Vorüberlegungen bezüglich des Vorwortes: Dieses Kapitel erläutert die von Hebbel verwendeten Begriffe wie Welt- und Menschenzustand und die Bedeutung des sittlichen Zentrums als theoretische Grundlage für die Analyse.
3. Leonhard als gebrochener Charakter im Handlungsverlauf: Dieser Hauptteil analysiert die widersprüchlichen Aspekte von Leonhards Persönlichkeit, von seiner Darstellung als Bildungsbürger bis hin zu seinen Handlungen als Intrigant und seiner moralischen Ambivalenz.
4. Resümee: Die Ergebnisse werden zusammengeführt und bestätigen Leonhard als gebrochenen Charakter, der an der Zerrissenheit zwischen den Wertesystemen seiner Zeit scheitert.
Friedrich Hebbel, Maria Magdalena, Leonhard, Gebrochenheit des Individuums, sittliches Zentrum, Welt- und Menschenzustand, Ambivalenz, Charakteranalyse, Dramentheorie, Schuldgefühle, Bildungsbürgertum, soziales Umfeld, soziale Identität, literarische Analyse, Dramaturgie.
Die Arbeit untersucht die Figur des Leonhard in Friedrich Hebbels „Maria Magdalena“ unter dem Aspekt der inneren Zerrissenheit und Ambivalenz.
Die zentralen Themen sind der gesellschaftliche Umbruch zur Zeit Hebbels, die moralischen Konflikte der Charaktere und die Frage nach dem individuellen Scheitern.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Leonhard durch seine charakterliche Unausgewogenheit die von Hebbel theoretisch beschriebene „Gebrochenheit des Individuums“ verkörpert.
Der Autor nutzt vorrangig eine sozialgeschichtliche Methode unter Einbeziehung von Hebbels Vorwort als Schwerpunktquelle, ergänzt durch hermeneutische Betrachtungsweisen.
Im Hauptteil wird Leonhard in seinem Verhalten gegenüber seinem Umfeld analysiert, wobei insbesondere seine Rolle als Intrigant, seine rhetorische Selbstreflexion und seine unterbewussten Schuldgefühle betrachtet werden.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Leonhard, Maria Magdalena, sittliches Zentrum, Ambivalenz, Gebrochenheit, Welt- und Menschenzustand sowie Charakteranalyse.
Die Arbeit deutet dies als Ausdruck einer in Leonhard schlummernden Sittlichkeit, die jedoch im Widerspruch zu seinem opportunistischen Handeln steht.
Er wird so bezeichnet, weil er zwar über ein Gewissen und Reflexionsvermögen verfügt, aber aufgrund egozentrischen Karrieredenkens nicht in der Lage ist, moralisch konsequent zu handeln.
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