Diplomarbeit, 2009
200 Seiten, Note: 1,85
1 Einleitung
1.1 Thematische Einführung
1.2 Forschungsdesign
2 Strukturelle Veränderungen im internationalen System
2.1 Neue politische Akteure in den internationalen Beziehungen
2.2 Das Konzept Global Governance
2.3 Neue Rolle transnationaler Unternehmen
2.3.1 Legitimität transnationaler Unternehmen
2.3.2 Einfluss transnationaler Unternehmen
2.3.2.1 Instrumental Power
2.3.2.2 Structural Power
2.3.2.3 Discursive Power
3 Das politische Aktionsfeld Konfliktprävention
3.1 „Neue“ Konflikte und „neue“ Konfliktprävention
3.2 Historie des Konfliktpräventionskonzeptes
3.3 Operationalisierung des Konzepts Konfliktprävention
3.3.1 Prävention in den Konfliktphasen
3.3.2 Instrumentarien der Konfliktprävention
3.3.2.1 Systemische Prävention
3.3.2.2 Operative Prävention
3.3.2.3 Strukturelle Prävention
3.4 Komparative Vor- und Nachteile der Akteure
3.5 Unternehmerische Komplementäreigenschaften
4 Rohstoffunternehmen in der Konfliktprävention
4.1 Konfliktursache: Rohstoffreichtum
4.2 Rohstoffindustrie in Konfliktzonen
4.3 Corporate Social Responsibility-Motivationen
4.4 Der „Business case“: Konfliktprävention
4.4.1 Direkte Verlustrisiken
4.4.2 Indirekte Verlustrisiken
4.5 Wertewandel in der Rohstoffindustrie
5 Governance-Beiträge mit konfliktpräventiver Wirkung
5.1 Konfliktadressierung und Selbstverpflichtungen
5.2 Intendierte ökonomische Spillover-Effekte
5.3 Revenue transparency
5.4 Investments außerhalb des Kerngeschäftes
5.5 Stakeholder engagement
5.6 Qualitative Kategorien unternehmerischer Konfliktprävention
6 Fallstudie Sudan
6.1 Sudans Konflikte und der Faktor Öl
6.2 Unternehmenslandschaft
6.3 CNPC und Konfliktprävention im Sudan
6.4 Talisman und Konfliktprävention im Sudan
6.5 Total in der Explorationsphase
6.6 Fallstudie Sudan: Hypothesengenese
6.6.1 Hypothesen: Output von Unternehmen
6.6.2 Hypothesen: Diachrone Entwicklung
6.6.3 Hypothesen: Nexus Unternehmensaktivitäten/ Konflikt
7 Fallstudie Nigeria
7.1 Nigerias Konflikte und der Faktor Öl
7.2 Unternehmenslandschaft
7.3 Shell und Konfliktprävention in Nigeria
7.4 ChevronTexaco und Konfliktprävention in Nigeria
7.5 Statoil in der Explorationsphase
7.6 Fallstudie Nigeria: Hypothesengenese
7.6.1 Hypothesen: Output von Unternehmen
7.6.2 Hypothesen: Diachrone Entwicklung
7.6.3 Hypothesen: Nexus Unternehmensaktivitäten/Konflikt
8 Fallstudienvergleich und weiterer Forschungsbedarf
9 Fazit
Die Arbeit untersucht, inwieweit transnationale Ölunternehmen eine aktive Rolle in der Konfliktprävention spielen können. Das primäre Ziel ist es, die positiven Potenziale und Einflussmöglichkeiten des Privatsektors in fragilen Kontexten zu analysieren, wobei die Verzahnung von Unternehmensaktivitäten mit Konfliktdynamiken kritisch hinterfragt wird.
1.1 Thematische Einführung
Ende November 2008 meldeten die Nachrichtenagenturen BBC und Reuters innerhalb von vier Tagen sowohl einen Angriff auf einen Öltanker des Unternehmens Chevron als auch eine Attacke auf eine Förderanlage Shells durch bewaffnete Kämpfer im Nigerdelta (BBC 2008a). In den letzten drei Jahren wurden über 200 Arbeiter von internationalen Ölunternehmen in Nigeria gekidnappt (BBC 2008b). In der noch vergleichsweise jungen Ölindustrie des Sudan ähneln sich die Meldungen. Im Oktober 2008 wurden mehrere Arbeiter der China National Petroleum Corporation (CNPC) entführt und ermordet (BBC 2008c). In beiden Ländern operieren transnational agierende Unternehmen in Gebieten, die mindestens seit 1999 kontinuierlich von Gewaltkonflikten betroffen sind. Konfliktintensitäten und –dynamiken werden in beiden Fällen vor allem von dem Konfliktgeschehen zwischen rebellischen Gruppierungen und Regierungstruppen bestimmt. Übergriffe auf große Ölkonzerne verweisen jedoch seit einigen Jahren auf die zentrale Stellung der Unternehmen in den genannten Konfliktländern und die Verzahnung von Unternehmensaktivitäten mit Konfliktursachen.
In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre wurden transnationale Unternehmen erstmalig Zielscheibe zivilgesellschaftlicher Akteure, die ihnen einen schädlichen Einfluss auf konfliktanfällige Staaten attestierten (Human Rights Watch 1999; Global Witness 1999). Insbesondere der Einfluss von Unternehmen des Rohstoffsektors auf Gewaltkonflikte hat in der akademischen Debatte breite Aufmerksamkeit erfahren. Fokussiert wurde hier jedoch fast ausnahmslos auf die negativen Effekte wie die Kriegsfinanzierung, Umweltvergehen und eine zumindest indirekte Beteiligung an Menschenrechtsverletzungen.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Engagements transnationaler Unternehmen in Konfliktregionen ein und erläutert das Forschungsdesign der Arbeit.
2 Strukturelle Veränderungen im internationalen System: Dieses Kapitel analysiert die Rolle transnationaler Unternehmen als politische Akteure im Rahmen von Global Governance.
3 Das politische Aktionsfeld Konfliktprävention: Hier wird das Konzept der Konfliktprävention im Kontext von „neuen“ Konflikten operationalisiert und in operative, systemische und strukturelle Bereiche unterteilt.
4 Rohstoffunternehmen in der Konfliktprävention: Das Kapitel beleuchtet die spezifischen Risiken und Verantwortlichkeiten von Ölunternehmen in Konfliktzonen sowie deren CSR-Motivationen.
5 Governance-Beiträge mit konfliktpräventiver Wirkung: Es werden fünf Governance-Beiträge definiert, durch die Rohstoffunternehmen potenziell positiv auf Konflikte einwirken können.
6 Fallstudie Sudan: Analyse der Aktivitäten von CNPC, Talisman und Total im sudanesischen Kontext inklusive der Ableitung fallspezifischer Hypothesen.
7 Fallstudie Nigeria: Untersuchung des Engagements von Shell, Chevron und Statoil im Nigerdelta und Generierung entsprechender Hypothesen für diesen Kontext.
8 Fallstudienvergleich und weiterer Forschungsbedarf: Zusammenführung und Synthese der Ergebnisse aus den Fallstudien Sudan und Nigeria.
9 Fazit: Die abschließende Beantwortung der zentralen Forschungsfrage zur aktiven Rolle von transnationalen Ölunternehmen in der Konfliktprävention.
Konfliktprävention, Transnationale Unternehmen, Corporate Social Responsibility, Rohstoffindustrie, Sudan, Nigeria, Global Governance, Ölproduktion, Gewaltkonflikte, Unternehmensverantwortung, Peacebuilding, Stakeholder engagement, Revenue transparency, Konfliktdynamiken, Investitionsschutz
Die Arbeit untersucht die aktive Rolle von transnationalen Ölunternehmen bei der Prävention von Gewaltkonflikten in instabilen Regionen, insbesondere im Sudan und in Nigeria.
Die Themen umfassen die politische Rolle von Unternehmen als globale Akteure, die Kategorisierung von Konfliktprävention (operativ, systemisch, strukturell) und die Effektivität von CSR-Strategien.
Ziel ist es zu klären, inwieweit transnationale Ölunternehmen heute tatsächlich als Akteure in der Konfliktprävention fungieren und durch welche Kanäle (z.B. CSR) dies geschieht.
Die Arbeit nutzt ein vergleichendes, hypothesengenerierendes Fallstudien-Design, das durch eine Kombination aus Theorieanalyse und empirischer Auswertung (Unternehmensberichte, Interviews) gestützt wird.
Der Hauptteil analysiert die Governance-Potenziale der Ölbranche sowie die konkreten Aktivitäten, Hindernisse und Wirkungen von TNCs in den Fallstudienländern Sudan und Nigeria.
Zu den zentralen Begriffen gehören Konfliktprävention, TNC, CSR, Global Governance, Ölindustrie und der Kontext von Gewaltkonflikten in Subsahara-Afrika.
Die Arbeit betont, dass Unternehmen Konfliktprävention selten aus altruistischen Motiven, sondern meist im Rahmen einer "komplexen Marktrationalität" betreiben, um operationelle Risiken und Reputationsschäden zu minimieren.
Die Studie zeigt, dass staatliche Unternehmen aufgrund fehlenden Drucks aus der Zivilgesellschaft und bilateraler politischer Rückendeckung deutlich weniger Anreize für eine explizite Konfliktadressierung oder CSR-Implementation zeigen.
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