Diplomarbeit, 2012
130 Seiten, Note: 1
1. Einleitung
2. Der Analyserahmen
2.1 Methodologie
2.2 Theoretische Verortung
3. Der Plot: BROKEN FLOWERS
4. Die Analyse: Broken Identity?
4.1 Identität als zeitlose Frage oder Problem der Moderne
4.1.1 Don Johnstons Identität im Keupp’schen Schema
4.1.2 Konstruierte Narrationen und Identität als individuelles Projekt
4.1.3 Filmanalyse als Instrument des Widerstandes
4.2 Derselbe bleiben vs. Sich selber finden: Der ewige Don Juan
4.2.1 Identität als Label der Persönlichkeit oder Chance zur eigenen Entfaltung im Prozess des Werdens
4.2.2 „Women and women and women“ - reading a Don Juan image
4.2.3 Widerstand gegen konventionelle Ich-Ideale
4.3 Kohärente Identität versus Dissoziation durch Rollenspiel
4.3.1 Dekonstruktion kohärenter Identitätskerne durch Unsicherheit in der eigenen Rolle
4.3.2 Das Rollenspiel des „Suchenden“ und seine Hoffnung auf identitäre Kohärenz
4.3.3 Oppositionelle Rollenspiele als Produktionsträger widerständiger Strategien im ludic postmodernism
4.4 Meine Eigenheiten und die Anderen
4.4.1 Soziale Anerkennungsverhältnisse als unumkehrbarer Bestandteil von Identität
4.4.2 Exkurs orientalism: Postkolonialer Diskurs und Winstons Identität. Eine cineastische Kritik am „weißen System“
4.4.3 Hybride Identitäten: Bildung neuer Konvergenzen für eine subversive Handlungsmacht.
4.5 Identität als basales Gefühl oder Konstrukt der Sprache
4.5.1 Sprachliche Mängel und Konsequenzen für Identität
4.5.2 Die Bedeutung der Stille in sprachlich konstruierten Wirklichkeiten
5. EXIT
5.1 Das EXIT-Modell in der praktischen Anwendung am Filmbeispiel BROKEN FLOWERS
5.2 BROKEN FLOWERS - Not broken but - Break up with identity!
5.3 Dramatische Veränderungen und die Reaktionsstrategie EXIT als Ausbruchshilfe aus der identitären Krise- ein Resumeè
6. Conclusio
7. Ausblick
Die Arbeit untersucht die Konstruktion fragmentierter Identitäten im Film "Broken Flowers" (2005) von Jim Jarmusch. Im Zentrum steht die Frage, wie die ProtagonistInnen innerhalb einer spielerischen Postmoderne und unter Einfluss neoliberaler Ideologien ihre Identitäten aushandeln und welche widerständigen Potenziale sich daraus ergeben.
4.2.1 Identität als Label der Persönlichkeit oder Chance zur eigenen Entfaltung im Prozess des Werdens
In BROKEN FLOWERS wird auf subtile und humorvolle Art gezeigt, wie sich Menschen an prägende Identitätsmerkmale anderer klammern und diese als allgemeingültigen, unveränderlichen Code der Persönlichkeit lesen. Als Analysebeispiel eignet sich dafür der Eröffnungdialog zwischen dem Hauptdarsteller Don und seiner Freundin Sherry in Sequenz drei. Mittels eines wechselseitigen „Over-the-Shoulder-shot“ (Korte 2004: 40), indem die zwei ProtagonistInnen frontal und „[...] über die Schulter des jeweiligen Gegenübers gefilmt [werden, CA]“ (Korte 2004:40), kommt es zu einem folgenreichen Konflikt (siehe Abbildung 5).
Sie spricht ihn auf einen rosa farbenen Brief an, der zusammen mit seiner Post am Boden vor der Eingangstüre liegt und sagt ihm, dass dieser wahrscheinlich von einem seiner anderen Freundinnen sei. Er beteuert aber, dass er keine anderen Freundinnen habe. Sie beklagt sich jedoch nur weiter, dass er sich niemals ändern werde und dass sie nicht mit einem heruntergekommenen Don Juan zusammen sein will. Sherry teilt ihm mit, dass er sie wie seine Geliebte behandle, obwohl er nicht einmal verheiratet ist.
1. Einleitung: Die Einleitung legt die Grundmotivation der Arbeit dar, das Identitätspotenzial des Mediums Film am Beispiel von Jim Jarmuschs "Broken Flowers" zu erörtern.
2. Der Analyserahmen: Dieses Kapitel erläutert die methodische Herangehensweise, bestehend aus systematischer Filmanalyse und den Cultural Studies, um das Verhältnis von Film, Identität und sozialer Wirklichkeit zu untersuchen.
3. Der Plot: BROKEN FLOWERS: Hier wird der inhaltliche Ablauf der Filmhandlung beschrieben, um dem Leser eine Grundlage für die nachfolgende Analyse zu bieten.
4. Die Analyse: Broken Identity?: Der Hauptteil analysiert in fünf Unterkapiteln verschiedene Spannungsfelder der Identitätsdiskussion, wobei Keupps Identitätsmuster zur theoretischen Einordnung dienen.
5. EXIT: Dieses Kapitel bildet einen Gegenpol zum Hauptteil und untersucht, wie Widerstand gegen neoliberale Ideologien durch eine bewusste Ablehnung von Identitätsarbeit (die "EXIT"-Strategie) erzeugt werden kann.
6. Conclusio: Die Conclusio fasst die wichtigsten Ergebnisse der Analyse zusammen und reflektiert die Herausforderungen bei der Untersuchung fragmentierter Identitäten.
7. Ausblick: Der Ausblick diskutiert Möglichkeiten für weiterführende Analysen, insbesondere den Nutzen performativer Ansätze in der Identitätsforschung.
Identität, Broken Flowers, Filmsoziologie, Cultural Studies, Fragmentierung, Neoliberalismus, Postmoderne, Rollenspiel, Identitätskonstruktion, Narration, Widerstand, Don Juan, Subjektivität, Diskurs, Individuum
Die Diplomarbeit untersucht die filmsoziologischen Aspekte fragmentierter Identitätskonstruktionen im Spielfilm "Broken Flowers" von Jim Jarmusch.
Zentral sind die Dynamik der Postmoderne, der Einfluss des Neoliberalismus auf das Individuum sowie die Art und Weise, wie Identität durch soziale Narrationen und Bilder (Mise en Scène) geformt wird.
Die Arbeit fragt, wie sich fragmentierte Identitäten im Film darstellen lassen und ob in diesen Figuren widerständige Potenziale gegenüber neoliberalen Machtdiskursen erkennbar sind.
Die Arbeit kombiniert eine systematische Filmanalyse nach Helmut Korte mit theoretischen Ansätzen aus den Cultural Studies.
Der Hauptteil gliedert sich in fünf Spannungsfelder der Identitätsdiskussion, in denen zentrale Rollenbilder (Detektiv, Casanova, Zyniker, Bill Murray) dekonstruiert werden.
Besonders prägend sind Begriffe wie "ludic postmodernism", "Dividuum" statt "Individuum", "Identitätsprojekt" sowie die Rolle des "Voyeurs".
Die Arbeit argumentiert, dass Bill Murray eine eigene, vierte "Rolle" einnimmt, da die Grenzen zwischen seiner realen Persönlichkeit und der Filmfigur Don Johnston bewusst verwischt werden, was den Begriff der kohärenten Identität untergräbt.
Das EXIT-Modell nach Jean-Claude Kaufman bezeichnet eine Reaktionsstrategie des Rückzugs auf ein einfaches Selbst-Sein als Form des Widerstands gegen den Zwang zur ständigen Selbsterfindung und Leistung in einer neoliberalen Welt.
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