Magisterarbeit, 2002
126 Seiten, Note: 1,3
I Einleitung
1.1 Vorbemerkung
1.2 Erkenntnisziel/Methode
II Kurzvorstellung der einzelnen Beiträge
2.1 Plate, Roth, Dallapiazza (Ehedebatte)
2.2 Kopanski, Goheen, Ehlert, Weiss-Amer, Haug, Lienert (Hochzeitsmahl und Tagelied)
2.3 Röcke [Der groteske Krieg], Rocher [Rabelais], Könneker, Brunner [Reden, Blut, Trauer] (Krieg)
2.4 Rocher [Bertschis letzter Kampf] (Schluss)
2.5 Bachorski, Arntzen, Hirschberg/Ortmann/Ragotzky, Fürbeth, Röcke [Das Lachen], Mülherr, M. Bräuer, Ogier, Tobler, Classen (Erzählhaltung)
2.6 Lutz, Tomasek, Mueller (Allegorie)
2.7 Laude, Cramer, M. Müller (Geistesgeschichte)
2.8 Händl, Sowinski, Jefferis, Huber (Literaturtradition)
2.9 Schmidt, Keller, Rocher [Frauenverständnis] (Sexualität)
2.10 Wiehl, Kokott, Wolf (Numerische Ordnung/Formalia)
2.11 Riha (Forschung)
2.12 Brunner [Gunterfai/Spielmann], Schmidt-Wiegand, Dallapiazza [La letteratura intorno], U. Müller, Szalai, R. Bräuer Classen [Krieg im Mittelalter], Tervooren, Beutin (kleinere Beiträge)
III Kritik der Forschungspositionen
3.1 „Neues“ vom Autor
3.2 Wittenwilers Publikum
3.3 Gründe für das Ausbleiben einer Rezeption des Rings
3.4 Motivtradition
3.5 Die Bauern: Ziel des Spotts oder Stellvertreter?
3.6 Die Farbgebung
3.7 Prolog
3.8 Die Briefe
3.9 Ehedebatte
3.10 Hochzeitsmahl
3.11 Streit/Krieg
3.12 Bertschis Weltflucht
3.13 Beziehung zwischen Lehre und Handlung
IV. Fazit
V. Schaubilder
5.1 Inhalt
5.2 Formales
Die vorliegende Arbeit widmet sich einer kritischen Würdigung und Systematisierung der Forschungsliteratur zu Heinrich Wittenwilers „Ring“ im Zeitraum von 1989 bis 2002. Ziel ist es, die heterogenen und oft widersprüchlichen Interpretationsansätze zu bündeln, die verschiedenen methodischen Zugänge der Forschung nachzuzeichnen und durch eine wertende Gegenüberstellung die aktuellen wissenschaftlichen Positionen zu diesem komplexen Werk des Spätmittelalters transparent zu machen.
1.1 Vorbemerkung
Wenn es darum geht, den Ring Heinrich Wittenwilers einzuordnen, ist die neuere Forschung nicht um Superlative verlegen: Vom „merkwürdigsten aller komischen Epen des Mittelalters“ ist da die Rede, von der „grandioseste[n], aber auch ungeheuerlichste[n] Replik“, ja sogar als „literarische Gipfelleistung des deutschen Spätmittelalters“ wird er gehandelt. Der Autor, über den keinerlei gesicherte Erkenntnisse vorliegen, wird erstaunlich konkret, fast freundschaftlich, als „komischer Kauz“, als „grandioser Verpackungskünstler“ charakterisiert. Die Gesamtbetrachtungen und, damit einhergehend, die Herangehensweisen an den Text könnten unterschiedlicher nicht sein, immerhin ist es ein nicht unwesentlicher Unterschied, ob ein Werk tatsächlich belehren und somit dazu beitragen soll, die Welt im Sinne des Autors konstruktiv zu gestalten, oder ob dem Dichter ausschließlich an der Destruktion der Regeln und Traditionen gelegen ist; beides sind Ansätze, die dem Werk unterstellt werden. In einem Punkt allerdings ist sich die Forschung einig: Dem Ring, dieser „eigenbrötlerischen Beschäftigung eines spätmittelalterlichen Advokaten“, wird von allen Seiten ein hoher künstlerischer Wert beigemessen. Selten wurde ein Text mit so unzuvereinbarenden und immer weiter auseinander driftenden Interpretationsansätzen zu entschlüsseln versucht und doch oder gerade deshalb zweifelt niemand an dem besonderen Stellenwert und der Einzigartigkeit des Rings, und das nicht nur, weil „dieses „krude, obszöne, chaotische Werk (...) im Grunde ein „gattungsgeschichtliches Unding [ist].“
I Einleitung: Vorstellung der Intention der Arbeit, die Forschung zu Wittenwilers „Ring“ von 1989 bis 2002 kritisch zu sichten und strukturiert aufzuarbeiten.
II Kurzvorstellung der einzelnen Beiträge: Systematische Übersicht und kurze Darstellung der relevanten wissenschaftlichen Aufsätze und Forschungspositionen der letzten 14 Jahre.
III Kritik der Forschungspositionen: Wertende Analyse und kritischer Vergleich der verschiedenen Deutungsmodelle zu zentralen Themen wie Autorenschaft, Publikum, Rezeption, Motivtradition, Farbmarkierungen und dem Verhältnis von Lehre und Handlung.
IV. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der aktuellen Wittenwiler-Forschung, die trotz Wissenszuwachs eine zunehmende Konfusion in der Deutung konzediert.
V. Schaubilder: Visualisierung der verschiedenen Forschungspositionen und Interpretationsansätze zur besseren Übersichtlichkeit der komplexen Thematik.
Heinrich Wittenwiler, Der Ring, Mittelalter, Forschungsliteratur, Didaxe, Parodie, Literaturwissenschaft, Allegorie, Farbmarkierung, Ehedebatte, Hochzeitsmahl, Motivtradition, Rezeptionsgeschichte, Epik, Ständekritik.
Die Arbeit bietet eine fundierte Übersicht über die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Wittenwilers „Ring“ im Zeitraum von 1989 bis 2002.
Zentral sind Fragen zur didaktischen Intention des Werkes, zum Verhältnis von Lehre und Handlung, zur Funktion der Farbmarkierungen und zur allegorischen Deutung.
Ziel ist es, die oft widersprüchlichen Interpretationsansätze der Forschung zu systematisieren und kritisch zu bewerten, um eine bessere Orientierung im Forschungsfeld zu ermöglichen.
Die Autorin/der Autor wählt eine wertende Systematisierung, bei der Argumente der einzelnen Forscher gegenübergestellt und auf ihre Stichhaltigkeit überprüft werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Kurzvorstellung der Beiträge sowie eine tiefgehende Kritik der Forschungspositionen zu verschiedenen inhaltlichen Aspekten des „Ring“.
Zu den Schlüsselbegriffen gehören Didaxe, Parodie, Negativdidaxe, Autor-Konzept und die Intertextualität im Kontext spätmittelalterlicher Literatur.
Die Arbeit zeigt auf, dass es in der Forschung keinen Konsens über die Verbindlichkeit der Farblinien gibt; während einige sie als bewusste Interpretationshilfe sehen, werten andere sie als Instrument der Sinnverwirrung oder als vernachlässigbar.
Die Arbeit verdeutlicht, dass die „Vielschichtigkeit“ des Werkes und das Fehlen gesicherter Fakten über Autor und Entstehungszeit zu einer permanenten Offenheit der Interpretationen führen, die sich gegenseitig oft ausschließen.
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