Bachelorarbeit, 2010
44 Seiten, Note: 1,5
I. Einleitung
II. Emotionen und Emotionalität
1. Was sind Emotionen?
2. Emotionen im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung Oswalds
3. Emotionen im 20. und 21. Jahrhundert
III. Biographie und Hintergründe
1. Kurzbiographie Oswalds von Wolkenstein
2. Die Umsetzung historischer Ereignisse in der Lyrik Oswalds
3. Historizität oder Emotionalität?
IV. Exemplarische Liedanalyse
1. Erläuterung der Analysekriterien
2. Kl. 1 Ain anefangk (1421)
3. Kl. 83 Ain jetterin, junk, frisch, frei, fruet (1415/1417)
4. Kl. 51 Ach senleiches leiden (1409/1410)
5. Kl. 116 Zergangen ist meins herzen we (1428/1430)
V. Erstellung eines Emotionsdiagramms
1. Rankingkriterien und Erläuterungen
2. Graphische Aufarbeitung
3. Erläuterungen der einzelnen Punkte
4. Interpretatorische und problematische Aspekte des Verfahrens
VI. Schlusswort
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie der spätmittelalterliche Dichter Oswald von Wolkenstein seine persönlichen Emotionen und Erlebnisse in seiner Lyrik verarbeitete und ob diese schriftliche Kodierung eine direkte emotionale Aussage zulässt. Das Hauptziel ist die Entwicklung einer grafischen Darstellung, welche die Gefühlswelt des Tiroler Adeligen in Bezug auf seine biographischen Stationen visualisiert und für Einsteiger zugänglich macht.
2. Emotionen im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung Oswalds
Beschäftigt man sich nun mit Emotionen und deren Äußerung im Mittelalter, so stellt man fest, dass es bei weitem nicht so einfach ist, jene zu fassen, wie in moderneren Texten. Mireille Schneyer schreibt zu Beginn ihres Aufsatzes über Emotionen im Mittelalter:
„Es fällt ungemein schwer, den Begriff Emotion für das Mittelalter zu fassen. Über Texte vermittelt, in Dichtung stilisiert, in Metaphorik reflektiert, begegnen nur codierte Affekte, die wir nicht aus dem Zusammenhang lösen können, in dem sie ihren semantischen Wert erhalten.“
Die angesprochene Problematik soll uns im Laufe der Arbeit noch häufiger begegnen, jedoch bietet Oswald von Wolkenstein stellenweise weit mehr als jene codierten Schriften, nämlich eine durchweg nüchtern erhaltene Urkundensammlung, an der man sich im Falle einer Unsicherheit orientieren kann.
Zu den Emotionen im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung Oswalds von Wolkenstein muss aber auch festgehalten werden, dass das Bild, welches wir vom emotionalen Leben des Tirolers erhalten, keinesfalls dem der Allgemeinheit im 14. und 15. Jahrhundert entsprechen muss. Emotionen, ähnlich wie die Lebensweisen, unterscheiden sich in dieser Zeit grundlegend zwischen den verschiedenen Schichten. Während die Bauern und das ,einfache Volk‘ lediglich ein sehr schlichtes, teils schlecht dokumentiertes und unpopuläres Leben unter ihresgleichen fristeten, galt diese Regel für den Adel dieser Zeit offenbar nicht. Und Oswald, der sich seiner adeligen Herkunft durchaus bewusst war und dieses Leben in meist vollen Zügen zu genießen schien, bildet innerhalb der adeligen Schicht nochmals eine Ausnahme, da er verschiedenste Phasen des emotionalen Erlebens durchmachte.
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung Oswalds von Wolkenstein als interessante Persönlichkeit für die mittelalterliche Textforschung und führt in die Zielsetzung der grafischen Aufarbeitung seiner Biografie ein.
II. Emotionen und Emotionalität: Dieses Kapitel definiert psychologische Aspekte von Emotionen und erörtert die Schwierigkeiten bei deren Interpretation in spätmittelalterlichen Texten sowie den Vergleich zur Moderne.
III. Biographie und Hintergründe: Hier wird der Lebensweg Oswalds nachgezeichnet, wobei besonders die Verknüpfung von realen historischen Ereignissen mit seiner Lyrik im Vordergrund steht.
IV. Exemplarische Liedanalyse: In diesem Teil werden ausgewählte Lieder anhand definierter Kriterien auf ihren emotionalen Gehalt und die Verhaltensweisen des lyrischen Ichs hin untersucht.
V. Erstellung eines Emotionsdiagramms: Dieses Kapitel beschreibt die Entwicklung und methodische Einordnung eines Emotionsdiagramms, das Oswalds Lebensstationen auf einer Skala bewertet.
VI. Schlusswort: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über den wissenschaftlichen Beitrag und die persönliche Erkenntnis, dass menschliche Gefühlsstrukturen über die Jahrhunderte hinweg erstaunlich konstant geblieben sind.
Oswald von Wolkenstein, Spätmittelalter, Emotionen, Emotionalität, Lyrik, Biographische Forschung, Emotionsdiagramm, Historizität, Liedanalyse, Selbstinszenierung, Gefühlswelt, Literaturwissenschaft, Kodierung, Mittelalterliche Dichtung, Menschliche Grundzustände
Die Arbeit untersucht die schriftliche Verarbeitung von Emotionen in den Liedern des spätmittelalterlichen Ritters Oswald von Wolkenstein.
Die zentralen Felder umfassen die psychologische Definition von Emotionen, die Analyse der Biografie Oswalds und die methodische Erstellung eines grafischen Modells seiner emotionalen Entwicklung.
Das Hauptziel ist die Beantwortung der Frage, ob und wie Oswald seine Emotionen in seinen Werken verarbeitet hat, sowie die Visualisierung dieser Ergebnisse in einem Emotionsdiagramm.
Die Autorin verwendet eine exemplarische Analyse von fünf ausgewählten Liedern, die anhand festgelegter Kriterien bewertet und in einem fiktiven Ranking graphisch aufbereitet werden.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine historische Einordnung der Biografie, eine detaillierte Liederanalyse und die Ausarbeitung der Grafik inklusive ihrer methodischen Problematisierung.
Wichtige Begriffe sind Oswald von Wolkenstein, Emotionen im Mittelalter, Selbstinszenierung, Historizität und Emotionsdiagramm.
Der Begriff "mâze" (Vernunft/Selbstdisziplinierung) ist zentral, da die mittelalterliche Kirche bestimmte Emotionen als Gefahr für das Seelenheil einstufte, was Oswalds bewussten Umgang mit seinen Gefühlen in der Lyrik beeinflusste.
Der Kleinodienraub von 1405 wird als signifikanter Tiefpunkt in der Biografie gewertet, der sich in den Liedern durch eine negative emotionale Färbung widerspiegelt.
Die Autorin weist selbst darauf hin, dass die Zuordnung der Emotionen eine subjektive Gewichtung erfordert, da keine historischen Quellen vorliegen, die eine exakte emotionale Einstufung objektiv belegen könnten.
Die Arbeit schlussfolgert, dass Oswald durch seine realistische und offenherzige Selbstreflexion seiner Zeit voraus war und menschliche Probleme thematisierte, die auch in der heutigen Zeit von hoher Relevanz sind.
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